September 5th, 2018

Über die Tomate als Wille und Vorstellung

Jeder hat eine Erinnerung an Tomaten. Manchmal geht sie so: Mit den Eltern auf einem Campingplatz namens Pineta Irgendwas, das Zelt steht zwischen Strandkiefern und in der Mitte ein wackliger Klapptisch. Darauf: buntes Plastikgeschirr, eine Papiertüte voll länglicher Tomaten, die fast nichts gekostet haben und die mit zwei roten Zwiebeln dick geschnitten werden, in eine große Schüssel. Ein bisschen grünes Öl darüber, Salz hatte man vom Schwimmen genug auf den Lippen. Dieser schmucklose Tomatensalat, gegessen mit baumelnden Beinen im Campingstuhl, war die ganzen Ferien lang das beste Essen, jeden Tag aufs Neue. Es war das Einzige, was gegen den unspezifisch schlimmen Badehunger half und was man überhaupt in der Nachmittagssonne essen konnte. Die warme, frische Süße der Tomaten, die leichte Schärfe der Zwiebel – sogar das komische, italienische Brot, hart und leicht wie Plastik, dazu passte es.
So eine Tomatenerinnerung ist mächtig, und sie will stets aufs Neue bestätigt werden. Wie man Glühwürmchen und Sternschnuppen jeden Sommer unbedingt aufs Neue sehen muss, braucht man mindestens einmal im Sommer das richtige Tomatengefühl. Bei dem klar wird, dass diese Frucht mehr ist als die Summe ihrer Flavonoide und dass sie auch jenseits all der Soßen zaubern kann, die man unterm Jahr so beiläufig damit anrührt. Tomate in der Tube und in der Dose sind in der heimischen Küche ja nichts anderes als das dauerhafte Versprechen von Farbe, Geschmack und ein bisschen Süden.

Wahrscheinlich tat es deshalb so weh, als neulich eine Meldung die Runde machte, wonach der Welthandel mit Tomaten fest in chinesischer Hand sei, fast jede dritte verarbeitete Tomate stamme mittlerweile von dort. Nichts Neues für den Branchenkenner, für den deutschen Kunden aber doch ein schmerzhaftes Erwachen. Sein Ketchup, sein Tomatenmark und womöglich auch die Gläser mit Polpa, Sugo oder Miracoli im Vorrat haben also vielleicht einen deutlich weiteren Weg hinter sich, als es die Italo-Folklore auf der Verpackung (und im eigenen Kopf!) bisher glauben machte. Keine andere Pflanze ist in unserer Vorstellung immer noch derart eindeutig verlinkt, mit Land (Südtalien), mit Farbe (Rot) und mit Jahreszeit (Sommer). Egal, was der globale Handel diktiert, es wäre einfach angemessen, wenn jede Tomatenkiste in einem knatternden Ape-Kleinlaster direkt aus Bari käme.

Am 8. August war der Welttag der Tomate, und dieser Anlass lieferte wieder Zahlen zur erstaunlichen Erfolgsgeschichte: Mehr als 10 000 verschiedene Sorten sind in der Sortenliste erfasst, mehr als 25 Kilo verzehrte Tomaten spricht die Statistik jedem Deutschen jährlich zu, und Deutschland ist der zweitgrößte Importeur überhaupt – nach den USA. Die in Kalifornien übrigens eine stolze World Tomato Society haben und Festivals, bei denen ihr gehuldigt wird – mit viel Bloody Mary.

Aber auch das deutsche Verlangen nach der Tomate ist heftig, die eigenen Anbauflächen und das bisschen Jahrhundertsommer können es längst nicht befriedigen. Deswegen kommen die frischen Tomaten aus Spanien und Holland, aus Marokko und natürlich auch noch aus Italien zu uns. Als Krönung gilt gemeinhin die reife Tomate aus dem eigenen Garten, sonnenwarm soll sie ja im Idealfall verzehrt werden und ihre Ernte nicht weniger als 20 Minuten zurückliegen, sagen die Experten. Bis es so weit ist, muss der Hobbygärtner aber feststellen, dass sie zickig sein kann, kräftig im Wuchs zwar, aber anfällig und eben oft nicht schnell genug, bevor Regen, Kälte und andere deutsche Phänomene wieder zuschlagen.

Vielleicht kommt auch daher die große Sehnsucht nach der reifen Tomate, einfach weil sie nicht leicht zu kriegen und kaum je genug davon da ist. Wie jede große Liebe ist auch die Tomatenliebe ein bisschen irrational. Zum Beispiel sollen Tomaten zwölf Monate im Jahr vorrätig sein, sonst gibt’s Rabatz in der Gemüseabteilung. Aber gerade bei einer Tomate ist der Unterschied zwischen gut und nicht gut doch so himmelweit, dass man nicht erklären kann, warum sie jemand zwischen November und Mai freiwillig nach Hause schleppt. Im gleichen Maße, in dem eine gute Tomate überwältigend ist, ist eine schlechte Tomate ja enttäuschend. Erdbeeren und Kirschen erlaubt man ihre Reifesaison, der Tomate aber nicht.

Aber chinesisches Tomatenmark? Wo die chinesische Küche sich doch kaum für Tomaten interessiert und die Pflücker angeblich nur einen Cent pro Kilo bekommen? Welches Karma kann da noch in der Dose übrig sein? Schon als man akzeptieren musste, dass in gigantischen Gewächshäusern in Holland die Tomaten aus Kokosfasern wachsen, und zwar megatonnenweise, war das ja irgendwie schwierig fürs Gesamtgefühl. Und auch wenn die Züchter aus Holland und Deutschland mittlerweile passable Imitationen von Tomatengeschmack in ihre Früchte zurückzüchten, liegen die immer noch zu stabil in ihrer dicken Longlife-Haut auf dem Küchentisch und wirken mit ihrem Dauerglanz wie etwas, das aus einer Fabrik kommt. Sicher, man kann sie essen, aber es ist eher wie Methadon im Vergleich zum echten Stoff: Also zu dieser Rispe Pomodorino, die man im Spätsommer endlich bei den Händlern findet und der man sofort anriecht, dass sie nicht nur Gewächshaushimmel gesehen hat.

Wenn es in der Küche auf einmal nach Tomate duftet, wenn man nicht mehr als eine Winzigkeit Salz pro Hälfte braucht, um die Augen zu verdrehen, dann versteht man sofort wieder, warum der Österreicher sie bis heute Paradeiser nennt und die Menschen früher Ausdrücke wie Liebesapfel angemessen fanden. Sie ist ja schon lautmalerisch so perfekt rund, mit ihrem Vokal-Dreiklang: To-Ma-Te. Ein Sommergebet! Und wie man den Mund bei diesem Wort in drei Richtungen zieht, so schmeckt sie auch, irgendwie dreidimensional. Sie ist ja nicht nur süß, sie ist ja auch tief, schmeckt nach ihrem Garten und den grünen Blättern. Die Tomate ist das obstigste Gemüse und macht, anders als Kartoffel und Sellerie, schon mit ihrem Design gute Laune. Goethe findet in ihr auf dem Weg nach Messina sogar regelrecht Zerstreuung: „Die gelben Äpfel des Solanum, die roten Blüten des Oleanders machen die Landschaft lustig.“ Haha!

Was es mit dem Solanum Lycopersicum genau auf sich hat, liest sich in Merck’s altem Warenlexikon von 1920 recht nüchtern: Die Tomate bestehe aus 3,7 Prozent Fruchthaut, 10,9 Prozent aus Samen und 85,4 Prozent aus Fruchtmus, welches wiederum zu 95,31 Prozent aus Wasser besteht. Wie hat sie sich bei dieser schnöden Zusammensetzung in den letzten hundert Jahren so eine Macht erarbeitet? Nun, sie ist eben zu allem anderen auch eine Umami-Bombe, ein universaler Geschmacksverstärker. Mit einem Anteil von 140 mg natürlichem Glutamat pro 100 Gramm ist die Tomate etwa herzhafter und vollmundiger als Rindfleisch (20 mg natürliches Glutamat) und gibt jedem Topfinhalt etwas von ihrem Segen ab. Das macht sie unverzichtbar, deswegen spielt sie in so vielen Lieblingsgerichten eine Rolle, von Bolognese über Pizza bis hin zum Ketchupklecks auf Burger und Steak. Und als Tomatensaft im Flugzeug erinnert sie uns an die weit entfernte Erde und daran, dass wir noch nicht alle Sinne verloren haben.

Also, falls noch jemand gezögert hat, sollte die China-Meldung den Ausschlag dafür geben, sich Mitte September mit einer Kiste San Marzano in der Küche einzuschließen. Zwei Dutzend Gläser eigener Tomatensoße für den Winter ist nicht viel Arbeit, rettet einen aber sehr. Und dann kann man bei jedem Öffnen das Tomatengedicht von Büchnerpreisträger Jan Wagner rezitieren, dessen letzte Strophe lautet:

 sie kommen ihrer leuchtend roten kunst

 im stillen nach, selbst nachts,

 selbst morgens, wenn den matten

 sternen der stolz verfliegt,

 du aber kannst ruhig etwas lauter reden.

 sag: tomaten.

(erschienen in der Süddeutschen Zeitung)

August 22nd, 2018

Über die Stadtflucht

„Und, wie lange bleibt ihr noch in der Stadt?“ Das ist eine Frage, die einem vor dem 30. Geburtstag nie gestellt wird. Danach aber in immer engerer Taktung und so oft, dass man kurz vor dem 40. das Gefühl hat, man wäre wirklich schon langsam der Letzte. Der Letzte aus der Alterskohorte, der im Innenstadtbereich ausharrt. Der letzte Mieter sowieso.

Die Frage klingt zu diesem Zeitpunkt nicht mehr harmlos, sondern eher wie eine Aufforderung, sich altersgerecht zu verhalten und endlich sich hinaus zu bequemen ins sogenannte Grüne. Womit weniger die Landschaft gemeint ist als vielmehr: dahin, wo noch genügend Stauraum ist. Weil man ja immer mehr Platz braucht, für sein Bindegewebe, die Kinder, Hunde, Campingbusse und was sich sonst so angesammelt hat. Es ist der klassische Verlauf des Verschwindens: vom zentralen WG-Zimmer in der Innenstadt zur Pärchenwohnung in einem der guten Stadtviertel zum Familienheim am Rand oder Land. Sic transit Freundeskreis. Es sind die vorgesehenen Wohnstationen des Lebens, und viele haken sie ab, ohne lange darüber nachzudenken, dass sie mit der Stadt eigentlich auch ihre Heimat verlassen. Die geben sie hin für das reichlich unklare Grüne oder einen gesichtslosen Ort im Speckgürtel, komplimentieren sich selbst hinaus. Und stehen dreißig Jahre später als alte Leut’ vor einem Haus voll leerer Kinderzimmer am Waldrand. Wie Schrotkugeln, die plötzlich Heimweh nach der Flinte haben.

Dieser programmierte Exodus führt zu einförmigen Besiedlungen, das kann man in Städten wie London und New York schon gut beobachten. Er sortiert die Jungen, Singles und Reichen mit ihren Singles- und Reichenplätzen in die Innenstädte, die Studenten in die Studentenviertel, die Kleinfamilien an die Ränder und die Großfamilien nahezu unsichtbar nach ganz draußen, wo es noch Eilzüge hat. Die Vielfalt, die Interaktion aller Alters- und sonstiger Schichten, die geteilte Öffentlichkeit, kurz das, was immer das beste Argument für die Stadt war, geht mit dieser Selektion irgendwann verloren. Aber was hilft’s? Wer im Zentrum mehr Platz als drei Zimmer beansprucht, ist, zumindest in einer Stadt wie München, entweder verrückt oder sehr wohlhabend.

Also zurück zur Ausgangsfrage, auf der man ja doch beständig herumkaut: Stadt oder Land? Wann ziehe ich die Rausleine? Und wie weit raus? Man muss kein besonders naturbewegter Mensch sein, um nach ein paar Jahren in der Stadt Zweifel zu bekommen: die Preise, die Enge, der Feinstaub, der allgemeine Kesseldruck. Dieser tägliche Krieg zwischen Hundehalter, Warnwestenradler, SUV-Fahrer und vollem Leergut-Automaten. Diese ungute Gemengelage aus Baustellen, Bürgerbüros und Bierdampfbusnachbar. Das kann einen krank machen oder zumindest mürbe, und diese Empfindung dupliziert sich mit jedem Kind, keine Frage.

„Verlasst die Städte!“ schrieb vor einigen Wochen Charlotte Roche, als Überschrift über eine viel beachtete Kolumne. Darin schilderte die ehemals urbanste Frau Deutschlands, wie sie dank eines kürzlichen Umzugs aufs Land ihren inneren Indianer entdeckt hat, jetzt mit dem Hund im Wald herumtollt, Tierlosung bestimmt und Pilze sucht. Sogar die Schönheit des Sternenhimmels nahm einigen Raum ein. Städte sind nach ihrer Deutung heute die Epizentren der Depression. Die Reaktionen auf diesen Text waren vielfältig. Ihre geneigte Leserschaft auf Twitter war irritiert von der weichgespülten Bauernhofromantik. Andere hämten über die Pilcherisierung der Buchmillionärin, die wenig mit der Realität des echten Provinzlebens zu tun habe. Viel Applaus gab es auch, von anderen Stadtflüchtlingen.

Nun sei Frau Roche eine Lebensmitte in idyllischer Alleinlage herzlich gegönnt. Sie hat vermutlich genug städtische Crazyness erlebt, um damit zwei Fachwerkhäuser zu füllen. Ihre Idealisierung des Landlebens ist aber trotzdem zu simpel, auch wenn sie in guter deutscher Romantiktradition steht. Denn alles, was sie als Vorteile für den Auszug anführt, kann man mit ein bisschen bösem Willen auch als Nachteile auslegen. Das Annähern an die Natur, das Selbstfinden in der Stille, die Rückbesinnung auf Hund und Familie lassen sich problemlos als jene Isolation interpretieren, mit der Stadtflüchtlinge oft leider noch schneller in Kontakt kommen als mit Rotkehlchen und Kartoffelernte. Denn bei der Stadt-Land-Abwägung wird meist zu wenig bedacht, dass da draußen seit jeher ein eigener Film läuft, in den man mit seinem Landlust-Abo und den neuen Gummistiefeln unsanft hineinplatzt. Im schlimmsten Fall steht man der autochthonen Bevölkerung dort zeitlebens immer nur im Bild. Das wird selten thematisiert, weil heute ja wunschgemäß alles gleichzeitig erlebbar sein soll. Landleben und Stadtdenken, Verwurzelung und völlige Freiheit, Anonymität und sozialer Anschluss. Die Realität der Rauszieher ist aber oft genug, dass sie in den Dörfern und Gemeinden lange fremdeln oder an den alten Strukturen verzweifeln. Wer von den Neuen geht denn gleich in den Schützenverein und zum Frauenbund, wer bewacht Maibäume und begreift die Fehden und ganz eigenen Gewaltenteilungen, die in jeder Gemeinde und jedem Dorf wirken? Niemand.

Lieber zieht man sich alsbald ins erworbene EFH zurück und kaschiert das als Errungenschaft, genau wie die Samstagausflüge in den Baumarkt. Das erträumte aktive Landleben bedeutet dann in Wahrheit: Man stellt Hecken und Zäune auf, baut dem Kind einen Spielplatz in den Garten und sich einen Pool, es kommt ein Riesenfernseher mit Netflix ins Wohnzimmer, eine Espressomaschine in die Küche, ein Supergrill in die Garage. Man verhängt sich mit diesem Klimbim sozusagen selbst eine Ausgangssperre. Schon hat man vergessen, dass es Kinos, Freibäder und Cafés, Bars oder Spielplätze gibt und dass man mal Teil der Öffentlichkeit war. Als Ersatz beginnt man irgendeine erbitterte Nachbarschaftsfehde. Alles was einen die Stadt gelehrt hat, die zwischenmenschliche Geschmeidigkeit und Kompromissbereitschaft, geht hinter der eigenen Hecke wieder flöten. Und nein, das lässt sich mit Sternbildern und Steinpilzen nicht kompensieren. Es ist die größte, schleichende Gefahr des Hinausziehens – man kreist im geistigen Sinkflug nur immer enger um sich selbst. Depression soll in den Städten entstehen? Das widerlegt schon jeder Spaziergang durch ein beliebiges Neubaugebiet. Oder die Zahl der populistischen Frustwähler auf dem Land.

Toll, dass die Kinder einfach in den Garten können, sagt man, wenn man auf Besuch ist. Nicht so toll, dass die Eltern in ihrem Garten niemanden mehr kennenlernen und ein bisschen vergessen, wie die Welt funktioniert. Die Enge der Stadt bedeutet immer Reibung, Austausch, Zwang zu Interaktion, Planung und Auskommen. Wenn man mit den Kindern täglich aus der Wohnung im dritten Stock rausmuss, weil alle sonst verrückt werden, kapieren sie früh, woraus die Welt besteht: aus allerlei Menschen mit unterschiedlichen Vorstellungen, aus Alt und Neu, leise und schrill, aus Gefahr, Gemenge, Rücksicht, Toleranz, Kommunikation und steter Veränderung. Die Software der Zivilisation, sie wird in den Städten weiterentwickelt.
„Und, wie lange bleibt ihr noch in der Stadt?“ Der Fehler dieser Frage liegt auch darin, dass so getan wird, als ob Stadt und Land beliebig zu tauschen wären wie die Nummernschilder am Auto. Als wäre das Land nur das Maxi-Menü, ein opulentes Update des Stadtlebens. Warum lautet die Frage nicht: „Und, wann zieht ihr in eine lebenswertere Stadt?“ Darauf wäre man schließlich konditioniert, wenn man den Großteil seines Lebens in Kreuzberg oder Haidhausen zugebracht hat. Man könnte vermutlich leichter in Lissabon oder Lima weiterleben als im katholischen Jodmangelgebiet vor München oder in der Uckermark. Stattdessen hält man es aber für richtiger, sich zum 42. Geburtstag 50 Kilometer vor der Stadtmauer niederzulassen. Denn eine andere Stadt würde ja bedeuten, dass man sein Leben richtig ändern muss, mit neuem Job, neuen Freunden, neuen Ärzten.

Das alles bleibt halbwegs, wenn man sich nur ein wenig hinauswagt. Man motorisiert sich stärker, der Integrationsdruck ist nur so mittel. Kein Wunder, dass einen die Einheimischen die ersten 40 Jahre lang nicht grüßen. Dabei könnte man von ihnen ja lernen, wie man hier gut und richtig lebt, die kennen ja die Codes. Zum Dazulernen und für ein bisschen Demut sind sich die Neuen aber meist zu fein. Wenn Städter vom Land reden, klingt es oft, als ginge es um eine Kolonie, die mit ihren Ressourcen Lebensqualität und guter Luft nur darauf wartet, ausgebeutet zu werden.

Vielleicht ist es das, was Lola Randl in einem Interview mit „diesen Projektmenschen“ meinte, die aufs Land ziehen. Sie ist Filmemacherin, ursprünglich aus München, dann Berlin, jetzt lebt sie seit einigen Jahren in Gerswalde, 100 Kilometer vor der Stadt. Es war der klassische Drang – endlich raus, endlich mal was sägen. Aus dem Wochenendsitz wurde bei Randl schnell ein Vollzeitlebensprojekt. Dass es einigermaßen geglückt ist, davon erzählt ihr Bio-Dokufilm „Von Bienen und Blumen“, der gerade in die Kinos kommt. Er erzählt auch: Wenn es auf dem echten Land für einen Städter erträglich sein soll, muss er was dafür tun. In Randls Fall war es so, dass sie ihre ganze Kreativclique hinauslotste. Der immer noch trostlose Uckermarkort erfreut sich heute einer Galerie, eines Verlages, einer Risografie-Druckerei und eines japanischen Cafés. Statt sich zu verändern, haben die Städter den Ort verändert, pardon, wiederbelebt. Gentrifizierung ist nicht nur ein urbanes Phänomen.

Was ist jetzt also mit der Einstiegsfrage? Wohin soll man, wenn man ein gutes Leben möchte? Die Stadt ist auf Dauer toxisch und kräftezehrend. Das richtige Landleben hat wenig mit Weißbier-Werberomantik und Forsthaus Falkenau zu tun. Es verlangt tonnenweise Idealismus und trägt – für Zugezogene – die Schrecken der Frühverödung und des Eigenbrötlertums in sich. Außerdem ist es auch gerne mal laut und feinverstaubt. Sicher, wer in der Stadt unglücklich ist, kann auf dem Land glücklich werden. Wer aber in der Stadt halbwegs glücklich war, bleibt es auf dem Land vermutlich nicht. Außerdem ist es für Arbeitnehmer immer noch ziemlich unpraktisch, wenn man nicht gerade Bücher schreibt oder vor Ort Filme drehen kann.

Deshalb gibt es ja die dritte Variante, das Umland, den Speckgürtel. Eine Kompromisslandschaft, in der es zwar schon teure Gartenanteile und Haushälften gibt, aber noch keine richtigen Kühe, Seen oder sonstige Naturphänomene. Wo man bereits zwei Autos braucht, aber noch keine Vereinsmitgliedschaft. Das Beste aus beiden Welten findet sich im großstadtnahen Umland. Oder das Schlechteste, je nach Sichtweise.
Womöglich wären kleine Städte, so zwischen dreißig- und hunderttausend Einwohnern, eine genauere Überlegung wert. Verschlafen genug, um zur Ruhe zu kommen, belebt genug, um sich nicht allein zu fühlen? Vielleicht. Oder aber, wir hören einfach mal auf, unser Lebensglück mit der Topografie zu verknüpfen.

(erschienen in der Süddeutschen Zeitung)

Juli 9th, 2018

Über das Ende der Leiter

Es gibt dieses Foto, das so ähnlich in vielen Familien zu finden ist: Darauf zu sehen ist die BRD in Polaroid-Farben und meistens Papa mit Bart und Schubkarre beim Pflastern der Hofeinfahrt. Mama dahinter: schwanger, winkend, irgendwas im Haar. Beide sind da immer jünger als man selbst, trotzdem schon weiter in der Lebensplanung, selbstbewusster im Umgang mit großen Maschinen und großen Entscheidungen. Das vielleicht Surrealste: Die Menschen auf dem Foto sind auf eine Art unbekümmert, die einem heute fast fahrlässig erscheint. Einfach so mit 27 die Zukunft pflastern? Sieht man als erwachsenes Kind dieses alte Bild, lacht man über den Bart und denkt still für sich: Wie zum Teufel habt ihr das eigentlich geschafft?

Passend dazu lassen sich viele Fälle aus dem Bekanntenkreis zusammentragen. Da ist die Familie, in der der Vater Ingenieur und die Mutter Dolmetscherin war und die Kinder jetzt Journalistin und ausgebildeter Fotograf sind. Beide mit je 50 Arbeitsstunden pro Woche, die leider niemand zählt. Beide sehr froh, wenn die Eltern zum Geburtstag und Weihnachten grüne Scheine reichen. Oder: Eltern beide Mediziner, Haus in zweiter Seereihe, darin aufgewachsen drei Kinder – studierter Eventmanager, Architektin und ein Nachzügler, heute Dozent an der Musikhochschule. Alle sehr glücklich in ihren Berufen, alle lange an der Uni, alle drei weit entfernt von einem Haus, noch weiter vom See. Oder die Freunde, die gerade gegen jede Einkommenslogik in Eigentum gezogen sind, das weniger von der Bank als viel deutlicher von den Eltern finanziert wurde – vorgestrecktes Erbe. Da sitzen sie, mit kleinen Zweifeln an der eigenen Ergiebigkeit. Und Papa kommt zum Rasenmähen. Wer heute zwischen 25 und 50 ist und dem entstammt, was einst Mittelschicht genannt wurde, dem ist die Botschaft aus diesen Beispielen vermutlich vertraut. Sie lautet: Die Eltern hatten es mal besser als ich. Oder zumindest einfacher.

Das ist ziemlich neu, in der Geschichte der arbeitenden Bevölkerung. Denn die baumelnde Riesenkarotte vor dem Esel der Zivilgesellschaft war eigentlich das Gegenteil. Auf der stand immer: Meine Kinder werden es mal besser haben. Mit diesem Generationsversprechen wurden ganze Länder aufgebaut. Industrialisierung, Kapitalismus, Wirtschaftswunder – hat alles nicht zuletzt darüber funktioniert. Es war ausgemacht, dass die junge Generation auf den Schultern der alten sitzen darf und deshalb mehr sieht, höher steigt, weiter kommt. So wurden aus Kleinbauernkindern einst Fabrikarbeiter, aus Arbeitersöhnen wurden Unternehmer oder Lehrer, aus Lehrertöchtern wurden Ärztinnen, und aus Ärztinnensöhnen wurden, na ja, Dramaturgen, abgebrochene Juristen, Junior-PR-Consultants mit Jahresvertrag, Unternehmensberater mit Burn-out, Architekten und Start-up-Gründer, die seit Jahren kurz vor dem Durchbruch stehen.

Nein, die Generation der von 1975 an Geborenen wird deswegen nicht gleich aus der Mittelschicht absteigen. Sie kann sich ernähren und in Urlaub fahren. Aber was den Aufstieg in die nächste Klasse angeht, ist sie kollektiv versetzungsgefährdet. Der Anspruch, es „noch besser“ zu haben als die Eltern, ist oft nicht zu halten, zumindest nicht nach alten Maßstäben. Das kann irritieren. Etwa, wenn man mit Ende dreißig noch keine nennenswerten Ersparnisse und nur ein klappriges Auto hat und das Wertvollste im Haus die Espressomaschine ist. Wenn man lange nach dem Studium noch in studentischer Kulisse lebt, die Grundstückspreise der Stadt immer gleich weit vom Eigenanteil entfernt bleiben und man die Details der Altersvorsorge so gerne thematisiert wie den überfälligen Weisheitszahn. Es ist ein kollektives Erlebnis der Generation X und Y: Man arbeitet und hat auf dem Papier die bessere Ausbildung als die Eltern. Aber es bleibt gefühlt weniger hängen, es ist weniger vorzeigbar, und es waren viel mehr Brüche. Kurz: Man ist in Sachen Zuversicht und Schubkarre nicht auf Augenhöhe mit den Vorfahren.
Auf der Suche nach möglichen Gründen wird man durchaus fündig. Kinderlose Alleinstehende – was man im ersten Berufsjahrzent oft ist – haben hier 2017 durchschnittlich 49,7 Prozent ihres Einkommens als Steuern und Sozialabgaben weitergereicht. Gerade Sozialbeiträge und Lohnsteuer sind dabei im Vergleich zur Eltern- und Großelterngeneration gestiegen. Fürs Wohnen gehen heute statistisch noch mal gut 30 Prozent drauf. Es gibt Reallohnverluste, steigende Kosten für die Deckung der Grundbedürfnisse, die Notwendigkeit privater Altersvorsorge. Und welche Zinsen Mutti auf ihr Sparbuch und Vati für Bundschatzbriefe bekamen, ist Jungsparern nur schonend beizubringen. Aber darum soll es gar nicht gehen. Sondern um ein Ende des Mantras von einer Zukunft, die besser, lukrativer, glänzender sein muss. Diese historische Erwartungshaltung macht allen Beteiligten schlechte Laune und erzeugt Minderwertigkeitskomplexe in der Größe des Saarlandes. Weite Teile der heute werberelevanten Zielgruppe werden den Lebensstandard ihrer Eltern nicht übertreffen. Viele werden ihn gar nicht mehr erreichen. Basta.

Das heißt nicht, dass sie verarmen. Sie werden nur nicht unbedingt noch ein Haus bauen oder den Übertritt ins gehobene Bürgertum schaffen. Sie haben schlechtere Verträge, später mit der Altersvorsorge angefangen, ihre Investitionen riskanter finanziert und eine enorme Abgabenquote zu schultern. Auch die Jobs sind nicht mehr so, wie sie die Eltern in Erinnerung haben. Neue Ärzte, Anwälte, Piloten, leitende Angestellte verdienen nicht schlecht, aber oft nicht genug, um an die satten Verträge der Eltern ranzukommen. Und was die Akademiker angeht, die Dozenten, Wissenschaftler und angrenzende Bildungsbürgerbiografien, so sind sie heute meistens weit davon entfernt, Speck anzusetzen. Der Lehrer, der seiner Familie ein Haus baut und es bis zur Rente abbezahlt hat? Auch mit beinahe Nullzinsen in Ballungsräumen nicht mehr denkbar. Wer sich im wissenschaftlichen Mittelbau von Jahresvertrag zu Jahresvertrag hangelt, als Pädagogin über die Sommerferien arbeitslos meldet, im öffentlichen Dienst befristet am Mindestlohn entlangschrammt oder immer mal wieder berufliche Durststrecken überbrücken muss, der kann sich weder große Rücklagen noch Pläne leisten.
Man kann das als überzogene Abstiegspanik und hochtouriges Jammern abtun, wie einige Politiker. Oder den Millennials Faulheit vorwerfen, wie es zuletzt die BWL-Professorin Evi Hartmann auf Buchlänge getan hat. Man kann aber auch zur Kenntnis nehmen, dass sich die Arbeitswelt zwischen der Babyboomer-Generation und jenen Millennials eben komplett gewandelt hat. Es gibt sogar Termine dafür, den 26. April 1985 zum Beispiel. Damals unterschrieben Helmut Kohl und Norbert Blüm das Beschäftigungsförderungsgesetz. Es öffnete die Tür für unwirtliche Arbeitsmodelle, denen sich gerade Berufsanfänger seither ausgesetzt sehen: Leiharbeit, befristete Verträge, Teilzeit. Für die Arbeitssoziologin Nicole Mayer-Ahuja war dieses BeschFG der staatliche Beitrag zu einer Unternehmenskultur, die Arbeitnehmern drei entscheidende Nachteile eingetragen hat: schlechtere Vergütung, rechtlich oft prekärere Stellung und weniger betriebliche Absicherung. Außerdem beobachtet sie schon lange, dass Ausbildung nicht mehr viel mit dem Einkommen zu tun hat. „Mein Vater hat sein ganzes Leben bei der Sparkasse gearbeitet. Seine Chefs hatten Hauptschulabschluss, heute wird dort kein Azubi ohne Abitur eingestellt“, sagt Mayer-Ahuja. Und sie erzählt von den Statusunterschieden in Betrieben, die sie gerade erforscht. Von Abteilungen, in denen alle die gleiche Arbeit machen, aber zwischen Alt und Jung ein enormes Lohn- und Absicherungsgefälle herrscht. Die Gemütlichkeitsgrenze verläuft da einfach quer über den Kantinentisch.
Das individuelle Aufstiegserlebnis, das in den Nachkriegsjahrzehnten schnell und flächendeckend Zufriedenheit und materielle Belohnung brachte, lässt heute oft lange auf sich warten. Und wird für viele ihr ganzes Berufsleben so vage bleiben, wie ihre Renten schon sind. Eltern müssen begreifen, dass viele Sprösslinge sich nicht vorrangig um den Aufstieg bemühen können, sondern strampeln müssen, um einen Abstieg zu vermeiden. Das Erbe, das auf sie wartet, wird für viele Menschen der größte wirtschaftliche Erfolg in ihrem Leben werden. Dieses Vermächtnis noch zu mehren aber, wie es bis weit nach den Buddenbrooks für vornehm galt, dürfte meist nicht mehr praktizierbar sein.

Seufzen kann man darüber, zum Verzweifeln ist es zu früh. Denn natürlich ist das Leben besser geworden, man darf es nur nicht in Mercedes- und Schwäbisch-Hall-Maßstäben messen. Ein heute Vierzigjähriger hat wohl mehr Flugreisen und Hot-Stone-Massagen, Pekingenten und Bioprodukte intus als seine 70-jährige Mutter. Er nimmt Annehmlichkeiten in Anspruch, die für die Eltern noch als Luxus gelten: Restaurantessen, Kreuzfahrten, Putzservice und Sabbaticals. Das Geld ist heute nicht schwerer verdient, aber leichter ausgegeben und der kurzfristige Konsum wohl eines der größten Missverständnisse zwischen Alt und Jung. Und Fortschritte lassen sich vielleicht nicht bei Sparsamkeit und Landnahme vermelden, dafür aber bei Geschlechtergerechtigkeit, Umweltschutz und individueller Glücksuche. Weniger Arbeit, mehr Leben – vielleicht auch, weil es da noch Erfolgserlebnisse gibt?

Beim Erleben von Freizeit und Familie merkt manch einer dann auch wieder, dass es sich nicht auf dem Niveau abspielt, das er von früher gewohnt war. Das große Auto, den Garten, die Ferienwohnung? So was nutzt man dann eben wenn möglich weiterhin bei den Eltern. Wenn das beide Seiten akzeptiert haben, ist zumindest die familiäre Großwetterlage entspannt. Und dann lässt sich gemeinsam darüber reden, wie das mit dem Erbe so gedeichselt wird, dass vielleicht auch noch für die nächste Generation was übrig ist – aus der goldenen Polaroid-Zeit.

 

(erschienen in der Süddeutschen Zeitung)

Mai 23rd, 2018

Über meine Kaffeemaschinen

Der Anfang: Die Moka Express

Was in dieser Kanne entsteht, wird bisweilen als der einzig wahre Espresso verklärt. Aber selbst falls alle italienischen Großmütter die achteckige „Caffettiera“ tatsächlich noch benutzen – es ist doch eher lavaheißer Brutalkaffee. Natürlich war die Bialetti Moka Express meine erste Kaffeemaschine, denn sie verströmte den Charme eines soliden Arbeitsgeräts bei gleichzeitig herrlich niedrigem Preis. Frisch von zu Hause ausgezogen, glaubt man ja eine Weile daran, dass man mit derart ehrlichen und simplen Produkten durchaus das Leben bestreiten könnte (vgl. auch: Lada Niva, Opinel-Messer, Doc-Martens-Schuhe, Funny van Dannen-Platte etc). Außerdem sieht auf einem alten Gasherd in einer winzigen Wohnung mit Tauben vor dem einzigen Fenster nichts so melodramatisch aus wie eine in Flamme und Kaffeefluten gealterte Bialetti. Patina sagt man, wenn man zu faul ist zum Putzen.

Leider machte die Handhabung der seit 1933 weitgehend unveränderten Kanne selbst ziemlich viel Schmutz. Das Befüllen mit Espressopulver und spätere Beseitigen des Kaffeesatzes gingen selten ohne Kollateralbrösel über die Bühne. Aber das leise Geräusch, mit dem der Kaffee warm schäumend übergeht, gehört schon zu den besseren Soundeffekten des Lebens. Bei den damals unvermeidlichen Musikfestivals wähnte ich mich damit und mit einem leibhaftigen Esbit-Kocher (auch so ein ehrliches Ding) auf der Lebenskünstler-Skala recht weit vorne. Dass irgendwann der Griff anschmorte, der Gummiring zerbröselte und der Schraubverschluss knirschte, gehörte dazu. Zwei Jahre lang waren die Moka Express und ich Partner in einer schmutzigen Stadt am schmutzigen Rhein. Als ich dort die Umzugskartons packte, konnte ich die dicke Berta natürlich nicht wegwerfen. Ausgepackt habe ich sie aber eigentlich auch nie mehr.

 

Die Nullerjahre: French Press

Der erste Praktikumstag bei einer richtigen Zeitung (also nicht: Schülerzeitung, Studentenzeitung, Stadteilzeitung, etc.) begann mit einem unfairen Kampf. Ganz ironiefrei wurde ich zum Kaffeemachen in die Küche geschickt. Dort stand ein Bataillon dieser Drück-Kaffeekannen, deren Handhabung mir nicht geläufig war. Im Überschwang des ersten Tages nahm ich die Sache beherzt in die Hand. Kurz darauf kam ein imposanter Kaffee-Geysir aus der Teeküche, gefolgt von mir. So verbrachte ich den ersten Tag bei der Zeitung mit Putzen und dem Notieren von hämischen O-Tönen („Pressearbeit“ etc.). Im Laufe des Praktikums lernte ich die Drücktechnik so gut, dass ich mir schließlich eine Kanne für zu Hause kaufte, das gesparte Praktikumsgehalt reichte knapp dafür.

Es war Anfang des Jahrtausends und die Produkte der dänischen Firma Bodum galten damals als weniger biedermeierlich als andere Haushaltsgegenstände, sie waren „flott“. Der Kaffee krankte aber meist daran, dass wahlweise zu viel oder zu wenig Pulver im Spiel war, zu heißes Wasser oder die falsche Zeitspanne bis zum albern achtsamen Drücken des Kolbens verstrich. Außerdem kühlte er in dem dünnen Glas schnell aus. Aber es war schon schick, wenn Damenbesuch da war: Die French Press nebst kernlosen Trauben, Croissants, Spex-Heften und blauen Gauloises auf dem winzigen Balkon meiner Münchner Wohnung, etwa gegen halb drei Uhr nachmittags und dann genüsslich frühstücken, über das Ende von Viva Zwei jammern und ausrechnen, ob man es noch irgendwie zum Flohmarkt schaffen könnte (nö). So war das damals.

 

Hallo, Alltag: Die Tropfmaschine

Es folgten lange Brüh- und Filterjahre. Zur Arbeit als freier Journalist passte das röchelnde Atmen und Blubbern dieser Maschinen ja recht gut, es schuf daheim eine Kulisse von Betriebsamkeit. Prokrastinierend nach zwei geschriebenen Sätzen in die Küche schlurfen und die Tasse nachfüllen, das war so ungefähr, was ich mir unter Schreiberleben vorgestellt habe. Also fast. Außerdem war die Warmhalteplatte ein deutlicher Fortschritt zu den Vorgängern. Faustregel: War der Kaffee nach ein paar Stunden von einer grünlichen, deutlich öligen Konsistenz, hatte man abends interessantes Herzrasen. Jedenfalls wurde Kaffee damit ein Volumengetränk, etwas, das ich trank wie Wasser, einfach, weil es warm war und die Welt draußen durch die Wirtschaftskrisen taumelte.

Anfangs musste es natürlich ein Modell von Braun sein, das ja vielleicht noch Spuren von Dieter Rams enthalten könnte. Rams war die Einstiegsklasse ins Designwohnen, weil seine Sachen gleichzeitig retro und minimalistisch waren, und darauf ließ es sich leicht einigen. Seine historische Kaffeemaschine KF 20 war allerdings optisch und technisch weit von dem entfernt, was es von Braun mittlerweile zu kaufen gab. Bald stellte ich fest, dass es auch völlig egal war, ob es nun eine von Braun, Krups oder Severin war, sie hielten mit Münchner Wasser alle ungefähr zwei Jahre durch. Danach dauerte ein Brühvorgang eine halbe Stunde, und die Maschine ächzte wie eine angekettete Dampflokomotive. Kein Entkalkungs-Hausmittelchen half mehr, auch keine Chemiekeule.

Trotz dieser Kurzlebigkeit kaufte ich immer wieder eine Filtermaschine. Espresso gab es schließlich tagsüber in der Stadt. Das, was morgens in die Kanne strullerte, hatte damit nichts zu tun, aber das Ritual war beruhigend: Wasser, Filter, Kaffee, Duschen, schlürf. Zwei Unannehmlichkeiten bereiten einem diese Brühorgeln dennoch: Kaffee und Filter gehen immer zur unpassendsten Zeit aus. Ich habe deshalb schon durch Küchenkrepp, Hunkemöller-Feinstrumpfhosen und Zeitungspapier gefiltert (Sportteil). Zum anderen stellt sich beim Entsorgen einer verkalkten Maschine die lästige Frage, was mit der intakten Kanne zu tun ist? Einfach wegwerfen schmerzt, für später aufheben ist zwar sinnlos, habe ich aber dennoch fleißig praktiziert.

 

Erwachsen sein: Der Siebträger

Menschen, die glücklich mit einer Filterkaffeemaschine verheiratet sind, wird ständig ein schlechtes Gewissen eingeredet. Und zwar von neuen Genussprofis, die mit fortschreitendem Alter den Bekanntenkreis unterwandern und die von Handhebel-Maschinen schwärmen und ihre Ansprüche an eine Crema definieren können. Das Schlimmste sind Barista-Foren im Netz. Gegen die dort grassierende Oberlehrerhaftigkeit haben nicht mal Kamera-Foren eine Chance. Irgendwann war ich mürbe und erwarb eine dieser Einstiegs-Siebträgermaschinen, eine Baby Gaggia Dingsbums Junior Edelstahl.

Das Elend dabei ist, dass damit aus der gemütlichen Tasse Morgenkaffee eine Prüfung wird. Man denkt sofort nach dem Aufwachen über Kupferkessel und Aufheizzeiten nach, Pumpdruck und Zweikreisermaschinen und darüber, ob es nicht doch notwendig gewesen wäre, in eine Bezzera zu investieren. Wenn man trotzdem aufsteht, kann man mit so einer Siebträger-Kiste anständigen Espresso machen. Aber das Ding ist laut, man schlägt beim Ausklopfen des Siebträgers die halbe Küche zu Brei, es fallen Unmengen an Aushub an, eine Kaffeemühle ist unumgänglich, und zu Weihnachten wünscht man sich allen Ernstes einen Kaffeestampfer und eine bestimmte Bohnensorte. Das ist der Moment, in dem man von einem echten Freund zur Ordnung gerufen werden sollte. Mit etwas Glück geht die Siebträgerin im zweiten Jahr kaputt, irgendein Kontakt, ein Schlauch und der Espresso-Mann sagt, man könnte das einschicken, aber. Und er hätte da eine Bezzera …

 

Schöner wohnen: Die Chemex

Irgendwann war das Alter erreicht, in dem man zum Zwecke der Inspiration ständig verreiste. Bei sogenannten Weekend-Trips machten wir genau das, was wir am Wochenende auch bei uns gemacht hätten, nur eben 800 Kilometer weiter südlich oder nördlich und mit mehr Enthusiasmus. In einem schwedischen Café sahen wir diese formschönen Kannen im Einsatz. Sie passten sehr gut in das grundsätzliche Gefühl, dass in Skandinavien alles besser war, natürlicher, klüger. Außerdem hatte sie eine gute Geschichte, und Produkte mussten mittlerweile eine Geschichte haben, damit sie mit nach Hause durften. Die Chemex also wurde 1941 von einem deutschen Chemiker mit dem schönen Namen Peter Schlumbohm erfunden und steht sogar im MoMa. Dass etwas im MoMa steht, ist so ein Prädikat, das etwa vom 32. Geburtstag an auf unklare Art relevant wird. Man sollte es aber niemals laut aussprechen. Die Chemex jedenfalls gehört zu den Produkten, die eine verbissene Fangemeinde hinter sich haben, was im Kaffeesegment auffallend oft der Fall ist. Sie verlangt einen speziellen Filter und korrekte Durchlaufzeiten und natürlich frischgemahlenen Kaffee und all das hat dazu geführt, dass die Karaffe mit der Holzmanschette umstandslos ins Regal für schöne Dinge wanderte. Dort erfüllte sie repräsentative Aufgaben, während die alte Filtermaschine weiterhin die Arbeit machte. Wetten, dass es im MoMa nicht anders ist?

 

Der Sündenfall: Die Nespresso

Klar, wer so eine hat, kann direkt das Uber ins Fegefeuer bestellen. Ökologisch (Alu!) und ökonomisch (Grammpreise!) ein Desaster. Aber ich kann das erklären. Wenn beim Journalisten der mittlere Größenwahn anklopft, denkt er darüber nach, ein eigenes Büro einzurichten. Wäre doch nett, so ein Altbau-Ladenbüro mit Isarzugang auf der einen und authentischer Hinterhofatmosphäre auf der anderen Seite. Da ließe sich, denkt man, in Würde und glossierend alt werden und ab und zu kämen stadtbekannte Freunde vorbei, denen man erst einen Kaffee und später Rotwein anbieten würde. Die Stadt ist voll von solchen gutgedachten Journalistenbüros, die Büros selbst aber sind meistens leer. Denn das Beste daran ist die Visions- und Planungsphase, in der Eiermann-Schreibtische via Ebay-Kleinanzeigen von Büroauflösungen anderer Journalisten gekauft werden. Die kleine Nespresso schien mir dabei eine gute Übergangslösung zu sein. Erstens war kein Geld für eine Retro-Quickmill übrig, zweitens war kaum Platz auf der Küchenzeile und drittens war das vermaledeite Kapselsystem praktisch, wenn man vier Wochen nicht im Büro war – was zum Normalzustand wurde.

Wenn ich mal da war, um die Post für meinen Vormieter (Grafiker) aus dem Briefkasten zu holen, machte ich mir einen Kapselkaffee, der ja leider genauso schmeckt, wie das Wort klingt. Schlechter als Espresso in der Bar, besser als Filterbrack. Ungefähr gleich gut wie das, was der Vollautomat im Kreativbüro der Nachbarn (Fotografen) unter viel Kraftanstrengung, Serviceaufwand und Flächenfraß produzierte. Vollautomaten gehen gar nicht. Das eigene Büro ging aber auch nicht, vielleicht weil weder Isar noch Hinterhof in der Nähe waren. Also wurde der Laden wieder aufgelöst, der Eiermann-Schreibtisch an den nächsten Freiberufler (Illustrator) verkauft. Die Nespresso erfüllt seitdem Lückenbüßer-Aufgaben, würde bei Ebay aber als neuwertig durchgehen.

 

Gegenwart: Die Hipster-Masche

Das Slow-Coffee-Set habe ich nach 2015 geschenkt bekommen, versehen mit dem Hinweis, das sei die einzige Art, zeitgemäß Kaffee zu trinken. Nur echt mit japanischem Wasserkessel und Präzisions-Handmühle, Fair-Trade-Bohnen und viel Geduld. Die Anleitung zum richtigen Hand-Aufguss kann man sich bei dänischen Bartträgern auf Youtube abschauen, der Vorgang dort gleicht einer Zen-Übung. Ich sehe mir das heute manchmal einfach so an, als Stressabbau und zur Erheiterung. Dabei trinke ich eine Tasse guten Kaffee, den mir ein Profi aus dem Café im Erdgeschoss schweigend und schnell zubereitet, im Tausch gegen zwei Euro. Fair Trade, oder?

 

(erschienen in der Süddeutschen Zeitung)

März 23rd, 2018

Der neue Roman: Vier Menschen. Ein Problem. Liebe.

Dezember 14th, 2017

Über Kitsch an Weihnachten

Eine Familie hat hierzulande für ihre Bescherung zwei stilistische Vorbilder zur Auswahl: Buddenbrooks und Hoppenstedts. Gediegener Lichterglanz und gestriegelte Kinder mit Engelszungen in der prächtigen Eingangshalle bei der Senatorenfamilie. Oder eben Sofagemütlichkeit, kleinbürgerlicher Konsum und Katastrophen in der guten Stube bei Loriot. Gänsebraten oder Bockwurst. Andächtiges Weihnachten, „geschmückt mit Silberflittern und großen weißen Lilien“, wie es Thomas Mann vorschwebte und wie er es selbst noch unter den Palmen von Pacific Palisades beging. Oder eben mit der schnöden „Weihnachtssendung im Dritten“ und neuer Föhnhaube auf Mutti. Bei den meisten Familien liegt das erzielte Ergebnis jedes Jahr wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Der festliche Anspruch ist da, aber eben auch das Sofa und eine gewisse Neigung, spätestens bei „Stirb langsam“ darauf unfein zu versacken.

Als geflügelter Volksglaube ist von Loriots berühmtem Sketch bis heute ja vor allem Opas Vorwurf übrig geblieben: „Früher war mehr Lametta!“ Denn schon damals, im Jahr 1978, tönte es unheilvoll: „Diesmal ist der Baum grün und umweltfreundlich, Opa!“ Ein Vorsatz, der durch die Geschenk- und Verpackungsflut und das Spielzeug-Atomkraftwerk bei den Hoppenstedts freilich gleich wieder hinfällig wurde.

Nein, für einen gänzlich grünen und umweltfreundlichen Christbaum scheint erst jetzt die Zeit reif zu sein. Am besten aus regionaler Bio-Zucht oder, wenn man die neue Wald-Sehnsucht der Deutschen ernst nehmen kann, selbst geschlagen aus eigenem Gehölz. Und schließlich, vieles in den neuen Wohnungen heute ist ja schon bemüht authentisch und massivhölzern designt, sogar bei Tchibo gibt es derzeit minimalistische Möbel, zum Beispiel den Beistelltisch „Baumscheibe“, bei dem der Name das Produkt schon treffend beschreibt.

Also, wenn das ganze Wohnzimmer schon aussieht wie ein skandinavischer Stall, weiß gekalkt und naturnüchtern abgeschmeckt, wieso nicht auch endlich der heilige Baum? Wie passen Omas schrill violette Metallic-Tannenzapfen und zwei Dutzend rote Kugeln mit Schnee-Applikationen immer noch dazu? Wieso werden wir wieder tropfenförmige Lichterketten kaufen und heimlich ein paar tropfenförmige Tränen darüber vergießen, dass die fiese Apricot-Abschlussspitze unklarer Provenienz letztes Jahr endgültig zerbrochen ist? Warum werden seit August Flohmärkte und Ebay nach Lametta mit echtem Bleikern abgesucht, das man, herrliche Vorstellung, noch wirklich bügeln könnte. Oder nach diesen winzigen, gilb-silbrigen Kugeln, an denen die Wunderkerzen vergangener Jahrzehnte und fremder Familien ihre Brandmale hinterlassen haben? Kurz: Warum wird jedes Jahr wieder diese zerfledderte Weihnachtskiste aus dem Keller gezerrt und die arme Nordmanntanne mit mehreren Breitseiten und etlichen Generationen geschmackslosen Glitzerkrams beballert?

Einfache Antwort: Weil es immer so war. Und Weihnachten nun mal vorrangig das Fest ist, an dem alles so sein soll, wie es immer war. Es herrscht an diesem Datum eben eine Jahresend-Unschärfe, eine kollektive Stilerweichung, eine flächendeckende Nostalgie-Bereitschaft. Ein paar Stunden lang stehen Agnostiker, Millennials, besorgte Bürger, Herzchensammler, Dschungelkönige, Wechselwähler und Stilapostel im süßen Kitsch vereint um die Tanne. Ist ja auch toll: Einmal im Jahr ist kein Retrofilter in der Kamera nötig, weil der Baum tatsächlich wieder aussieht wie auf den Bildern in Omas Fotoalbum. Keine Mode, kein Deko-Trend und kein unterm Jahr erwachsenes Stilbewusstsein sollen daran etwas ändern.

Wenn man sich die alten Fotos aber genauer ansieht, wird man feststellen, dass der Weihnachtsbaum in einer Wohnung der Fünfziger- bis Siebzigerjahre auch ziemlich viel optische Konkurrenz hatte: geblümte Tapeten, lebhaft furnierte Schrankwände, starkfarbige Sitzgruppen und all die gemusterten Krawatten und Kostüme – kein Wunder, dass der Baum derart überladen wurde. In einer Gegenwart aber, in der die Farbe nahezu jeder Wohnwand, jeden Sofas und jeden Teppichs zwischen Grau und Weiß wabert und Paare sich bei Ikea nur noch über die Intensität unterschiedlicher Erdfarben streiten können, wäre dezimierter Pomp als Blickfang immer noch völlig ausreichend.

Die modernen Dekore auf dieser Seite machen es ja durchaus vor – wenige, aber edle Materialien, pointierter Einsatz von Formen und Farben, ein bisschen Luxus, ein bisschen Selbstgemachtes und vor allem wird das Naturgrün in Szene gesetzt und nicht nur als Aufhänger für bollerige Kugeln missbraucht.

Gerade die nordischen Designmarken bemühen sich dieses Jahr, passend zu ihren Wohnkollektionen auch dem Weihnachtsdekor eine architektonische Strenge zu verleihen. Sie lassen geometrische Muster auf Weihnachtskarten drucken, schlagen statt Sternen schlichte Hexagone aus Messing (bei Ferm Living) vor oder wollen nur goldene Kegel (bei Stelton) baumeln lassen, sodass der Baum am Ende wie ein kubistisches Mahnmal wirkt. Das sieht elegant aus, keine Frage. Schon eher fragt sich, was Thomas Mann dazu gesagt hätte, das Christfest stilistisch einfach zu neu zu formatieren, damit es besser zur Anrichte passt. Und ob das wirklich der Zeitgeist der Weihnacht ist, was man da in aufwendigen Shootings und entsättigten Farben präsentiert bekommt.

Denn eigentlich trägt gerade auch die Kitscherlaubnis dazu bei, das Fest zu einem menschelnden Ereignis zu machen. Kalorien sind jetzt erlaubt, bei Tisch genauso wie bei der Dekoration! Das ist doch eine befreiende Botschaft, darauf freut man sich. Einmal im Jahr darf was unhinterfragt und zeitenthoben bleiben – auch wenn das nur bedeutet, sich jedes Jahr wieder mit dem eingerosteten Christbaumständer abzumühen, der eben schon immer herhalten musste.

Auf angenehme Weise ist Weihnachtsdekoration damit von den Zwängen des Optimierungs-Kapitalismus befreit, der uns regelmäßig Smartphones, Kaffeemaschinen und Fernseher erneuern lässt. Nein, an Weihnachten wird lieber auf Familienschätze zurückgegriffen. Oder in Ermangelung solcher, auf Vintage-Glitzer, in der Hoffnung, dass man Familienglück vielleicht auch transplantieren kann. Denn man muss es sagen: Fabrikneuer Christbaumschmuck ist seelenlos. Der muss sich erst in vielen Bescherungen mit Essensdampf, Kerzenruß und Kinderzank aufladen, bis er sein eigentliches Gewicht erreicht. Jedes Jahr den Baum komplett neu einzukleiden ist deswegen ein Frevel. Vielleicht wirkt darum auch der Weihnachtsbaum, den jährlich ein Modeschöpfer im Londoner Hotel Claridge’s entwerfen darf, meist irgendwie tragisch. John Galliano installierte dort 2010 eine theatralische geschminkte Koralle. Dolce & Gabbana lieferten 2013 etwas ab, das entfernt an eine Leuchtreklame in Las Vegas erinnerte.

Der aktuelle Entwurf stammt nicht von einem Modisten, sondern von den Produktdesignern Marc Newson und Jonathan Ive. Letzterer hat mit den Apple-Produkten eine ganze Generation stilistisch ausgenüchtert und die aluminiumgrau-perlweiße Wohnwelt etabliert. Wie stellt sich so jemand einen richtigen Weihnachtsbaum vor? Klar, als naturbelassene Tanne. Einen ganzen kleinen Wald haben die beiden ins Hotel verpflanzt. Das ist in der Londoner Metropol-Enge reizvoll, aber so richtig an Weihnachten denkt man dabei nicht. Immerhin auch nicht an einen iPod. Aber es ist trotzdem zu cool. Und Weihnachten ist eben unter keinen Umständen cool.

Das Fest ist ein bisschen peinlich, ein bisschen ironisch, ein bisschen romantisch, ein bisschen traumschön und ein bisschen altbacken. Zusammengefasst: Es ist retro. Und das ist es übrigens schon seit dem ersten Jahr nach Christi Geburt. Der Baum soll deshalb möglichst immer aussehen wie beim ersten Mal. Kinder kennen das Urteil „Kitsch!“ ja nicht, und das ist ein Glück. Nur so lässt sich ein groteskes Durcheinander aus Tannenzweig, unechten Kerzen, Stroh- und Strobo-Sternen, Schleifen und Schokokringeln, Kugeln, Glocken, Figuren und die Farbkombination Grün-Rot derart lebenslang verklären.

Die zerfledderte Weihnachtskiste enthält in Wahrheit einen Kubikmeter Sehnsucht. In Berlin hat gerade ein Club seine Hip-Hop-Party mit dem Motto angekündigt: „Weihnachten, als wären deine Eltern noch zusammen!“ Das trifft es genau. Man überschmückt, kitscht und trällert in diesen Tagen und sagt: „Früher war mehr Lametta!“ Und was man eigentlich sagt, ist: „Früher war alles besser.“ An Weihnachten sei dieser Irrglaube erlaubt.

(erschienen in der Süddeutschen Zeitung, 2016)

Nächste Seite »