Donnerstag, Mai 4th, 2017...14:17

Grant. Oder: Keine Stadt, nirgends

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Weil gerade wieder ein goldiges München-Magazin nach dem anderen erscheint, muss ich auch mal was dazu sagen. Ich bin hier geboren und habe insgesamt 25 Jahre hier gelebt. Ich habe die Stadt oft genug in Texten gestreichelt und hundertmal verteidigt. Aber in den letzten 15 Monaten habe ich auch viele andere Städte gesehen. Ich war in New York, London, Berlin, Paris, Mailand, Wien, Lissabon, Porto, Reykjavik, Rom, Stockholm, Triest, Budapest, Zürich und Kopenhagen. Ich war nicht nur dort, sondern habe meistens auch eingekauft, gekocht, gegessen, getrunken, bin Rad gefahren und nachts irr rumgestolpert. Nach jeder Reise bin ich ein bisschen unglücklicher in München aufgewacht, denn jede dieser harmlosen Städte war besser. Keine war perfekt, aber alle hatten etwas genuin Städtisches, das München nicht hat. Eine spezifische Verdichtung, etwas Lebendiges, einen historischen Pulsschlag oder auch ein modernes Drehmoment, die es hier alle nicht gibt. München ist eine Theaterkulisse auf den Schultern von sechs DAX-Konzernen. Die Schleuser hierher nennen sich Headhunter. Sie haben eine Karriere- und Schlafstadt geschaffen, in die unentwegt Menschen kommen, um Geld zu verdienen und am Wochenende wandern zu gehen. Mit dem Geld kaufen sie sich erst eine Portion Stadtstolz, dann eine bayerische Tracht, dann eines der Autos von hier und dann eine Wohnung und daneben ist eigentlich keine Zeit für irgendwas anders, höchstens mit dem Hund in den Park, weil was anderes kannst du in den Münchner Parks auch nicht machen. Das sind dunkle Reinkackparks, die nicht bespielt werden, wo es kaum Sportplätze oder Fußballkäfige gibt und selbst wenn du kicken willst, musst du dich anstellen oder hoffen, dass das Gras mal gemäht ist. Alter Botanischer Garten, was würden andere Städte daraus machen! Hier seit Jahrzehnten ein einziges düsteres Gebüsch. Den Platz hinterm Rathaus kenne ich nur als Baustelle. Sogar die hässlichen Sitzbänke (in Wien, London und Paris stehen sie elegant und dicht nebeneinander aufgereiht wie Sesselreihen, weil es was zu sehen gibt!) sind in den Parks so selten wie die Mülleimer und auf jeder sitzt ein frisch geduschter Rentner und schaut grimmig, wer da schon wieder vorbeigeht.

Man hat zwar die Taschen voll Geld, aber die Versorgung ist allgemein miserabel. Flußufer, Aussichtshügel, Hinterhöfe, zehn Meter breite Bürgersteige – alles leere, lebenslustbefreite Zonen. In Stockholm werden sogar in kleinen Regionalzügen Zimtkringel und Kaffee verkauft, Paris ist voll mit Patissiers und Rom, ach Rom. An der Stadtisar aber läufst du ewig, bis es mal irgendwo eine trockene Breze gibt. Schon klar, dass Städte wie Menschen unterschiedliche Talente haben. Aber München ist mittlerweile wie die sentimentale Idee von einer Stadt, die alle irgendwie haben und wegen der nicht zuletzt auch nonstop diese Magazine und Lebenswert-Sonderhefte entstehen. Wenn du genau hinschaust, dann ist da aber eigentlich gar nicht mehr viel. Du darfst nix. Keine Bank auf den Gehweg, keinen Stuhl auf die Grünfläche, keine Musik im Hinterhof, keinen Blumenkübel aufstellen, keine Lichterkette in die Bäume, kein Straßenflohmarkt, schon gar keinen Foodtruck. Versuch mal ein Brotzeitfahrrad für den Englischen Garten anzumelden, da gibst du auf. Es gibt keinen Ermessenspielraum, kein Augezudrücken, keinerlei Wildwuchs, keinen Platz, keine Lust. Im Kulturzentrum Gasteig gibt’s im Hof so etwa sechs wacklige Stühle, auf die man sich mittags kostenfrei setzen kann. Warst du mal in Skandinavien, hast du gesehen, wie da die Kulturzentren aussehen? Die sind für echte Menschen gemacht, da sollst du hingehen, sitzen, arbeiten, essen, Leute treffen, das ist so gewollt, von der Stadt, das sieht sogar gut aus. Was in München öffentlicher oder städtischer Raum ist, ist immer der ärmste, kleinste, schäbigste gemeinsame Nenner.

In München kannst du nicht einfach essen gehen, die zwei Dutzend guten Restaurants sind alle immer reserviert, du musst Tage vorher anrufen. Und wenn du aus dem Kino oder Theater kommst, gibt’s nichts mehr, weil die Köche hier um 22 Uhr flächendeckend das Kochen einstellen. In der Bierstadt München kannst du nix trinken, einfach mal schnell ein Bier, für so was musst du hier richtig eine Idee, einen Plan haben. Wenn nicht, endest du nach viel Gerenne in einer der Folklore-Schänken oder in der letzten Spelunke, wo noch ein Platz frei ist. Nirgends sind die Eck-Italiener so mies wie in der nördlichsten Stadt Italiens, die Speisekarten laminierter, die Wirte unlustiger. Ich weiß, du hast jetzt gleich ein paar Ausnahmen parat, aber wir sprechen hier von den lebenswichtigen Aufgaben einer Großstadt. Ich will nicht eine Handvoll guter Beispiele, nicht drei gute Läden in einer Millionenstadt. Eine Stadt soll ihre Leute verdammt noch mal nach der Arbeit unterhalten, betören und sedieren. London ist auch eine fiese, verspiegelte Bürostadt, aber da rennen die Anzugmenschen um 18 Uhr zu Tausenden in die tausend Pubs und saufen sich solidarisch an, und alle kriegen irgendwo einen Tresen und niemand schaut und niemand hat reserviert. Und mittags gehen sie alle zu tausenden dampfenden Takeaway-Läden und Ständen, die so tadellos, modern, international und interessant sind, dass sie bei uns wieder zwei Monate voraus ausgebucht wären. Hier hingegen stapeln sich die Bürogemeinschaften vor dem letzten verbliebenen Döner der Straße. Der Rest isst in der Kantine, fühlt sich workhard-playhard und geht trotzdem nach Feierabend brav heim, in eine hässliche, niedrige, kleine Isolierfensterwohnung, weil’s uns die alten Häuser nun mal zerbombt hat und seitdem nur mit Kleingeist gebaut wurde. In Italien kriegst du an jeder Ecke ein Glas Prosecco, was Kleines dazu, in Wien hast du bis spät in die Nacht überall tadellose Ober, die dich akkurat mit Gulasch und Wein versorgen, egal in welchen Zustand du ankommst, in Lissabon kannst du dich den ganzen Tag in einem der winzigen Jugendstil-Kioske verköstigen und vor dem Schlafengehen noch Kirschschnaps trinken bis der Boden klebt. Herrgott, sowas sind doch die Basics, da müsste man doch gar nicht drüber reden, schon gar nicht in so einer Speckgürtel-Wohlstandsgemeinde. Aber hier schwitzt du, wenn sich ein Gast spontan ankündigt, wenn du mit den Nachbarn mal schnell irgendwohin hocken, einen weitgereisten Interviewpartner Nachmittags irgendwo schön empfangen willst oder auch nur eine Flasche Wein kaufen nach acht Uhr, da musst du googlen, gibt’s diese eine Tankstelle in der Innenstadt noch? Nö.

Die U-Bahn im zehn Minuten-Takt, die S-Bahn 20 Minuten. Ab Mitternacht dann so gut wie nix mehr. Waren die Verantwortlichen dafür mal irgendwo anders? Und ich meine nicht Regensburg. Dazu jeden Tag Störung. Jeden Tag: Wegen starkem Verkehrsaufkommen… . Diese Stadt ist gleichzeitig immer zu voll und zu leer. Die mag weder Neues noch schätzt sie das Alte. Die alten Straßenbahnen werden verschrottet, andere Städte würden die zum Wahrzeichen machen, aber hey, wir haben ja schon das abgefuckte Glockenspiel. Die letzten Villen werden umstandslos durch kastige Mehrfamilienhäuser ersetzt. Du wirst irre, wenn du nicht längst auch so betäubt wärst. In London ist die U-Bahn auch Katastrophe, klar. Aber da schreiben die Verantwortlichen wenigstens jeden Morgen mit der Hand Hinweisschilder, die originell und herzlich sind und das reicht schon, da ist ein gemeinsamer Witz in der Luft und ein Berufsstolz und du kriegst überall Kaffee und jedes zweite Auto ist sowieso ein roter Bus. München ist so humorlos wie ein Sechszylinder. Aber wenn man schon in einem sterilen Sechszylinder lebt, warum funktioniert der dann nicht mal?

Es gibt große Viertel in München, in denen bist du so dankbar, wenn wenigstens mal ein Aufback-Bäcker neu eröffnet, weil es kilometerlang sonst nichts gibt als senfgelbe Wohnblöcke aus den 70er-Jahren und Bürobauten. Da ist nix. Ich bin in Laim aufgewachsen, damals war der McDonald‘s an der Fürstenrieder eine Sensation. Das ist er heute immer noch. Fahr mal von der Donnersberger bis Pasing, das sind zehn Kilometer bitterster, sterilster Wohnungsbau. Da schlafen hunderttausend stolze Eigentümer, aber da ist kein Leben, leere Gehsteige, höchstens ein unterbudgetierter, sicherheitsfixierter Spielplatz. Und alle vier Straßen das immergleiche Kleeblatt aus Rossmann, Lidl, Apotheke und Tengelmann, damit keiner verhungert. Du bist hier dankbar für jeden schäbigen Getränkemarkt, der noch nicht Kinderpsychologe ist. Dankbar für irgendein altes Firmenschild, das dich daran glauben lässt, dass es hier früher auch Menschen gab. Für jede Initiative, die ein bisschen mehr als nur das Nötigste will. Aber jeder kreative Vorstoß wird ja Stadtpolitikum, jede Zwischennutzung, jedes Stadtgartendings verstrickt sich nach kurzer Zeit in Ego-Stolz-Knatsch, denn so sind wir hier. Das Mia san Mia hier ist eigentlich ein Ich bin ich. Das bedeutet eigentlich nur Mia stehen jeder einzeln in seinem 5er im Stau und zwar jeden Tag und morgens und abends. So bled san mia.

Du verlangst ja gar nicht junge Kaffeeröster, frische Blumengeschäfte, Fischläden oder stolze Metzger, wie du sie ihn Wien und Mailand noch überall findest oder gar ein echtes Cafe an jeder Ecke, wie in Triest. Aber wenn selbst Manhattan für seine Menschen eine ganze Kette an blitzsauberen Sportplätzen einrichten kann und du da an jeder Straße einen Seven Eleven findest, der zumindest die lebenswichtigen Sachen hat und zwar immer und trotzdem freundlich, dann weißt du, München ist eigentlich keine funktionierende Stadt, sondern eher ein Übungsplatz für Hausmeister. Klar, Berliner Verhältnisse, wo du in deiner Straße alles bekommst und die Läden und Kneipen sich so schnell austauschen wie die Mieter, das gab es hier nie. Dickicht, Gemenge, Potzblitz – das kommt auch nie mehr. Jeder Zentimeter ist gekärchert und vom Ordnungsamt abgenommen. Die zehneinhalb offen kreativ Lebenden stehen genau so unter Denkmalschutz wie die vier Verrückten und die drei Traditionsgeschäfte, die es hier noch gibt. Lies mal die täglichen Münchner Polizeimeldungen, die eine Hälfte sind Senioren, die an falsche Handwerker und Polizisten versehentlich zehntausende Euro weiterreichen und das anderen sind Unfälle, in denen die gleichen Senioren mit ihrem Range Rover in einen Mini krachen.

Ich will keine junge Subkultur, die ist eh überbewertet. Eine Stadt braucht keine flippige Szene, um gut zu sein. Eine Stadt braucht Kaufleute, Gastronomen, Architekten, Exzentriker, Familienbetriebe und schreiende Markthändler. Ich will Kultur, Überforderung, Reizflutung. Oder wenigstens Lebensart. Weißt du wie in Wien eine Theaterpremiere gefeiert wird? Was in Mailand so wegflaniert wird, jeden Abend? Wie in Lissabon die Lichter angehen? Wenn die Münchner Abonnenten aus der Oper kommen wird nix mehr flaniert, wohin auch, da ist zehn Minuten später nur ein Stau auf der Maximilianstraße, weil alle schnell umlandheim wollen. München ist angeblich reich. Find ich gut. Aber wie äußert sich der Reichtum eigentlich? Die schönen alten Schulen sind alle baufällig, für Fachärzte brauchst du zwei Monate Wartezeit, die Bürgerbüros sind so abgerockt, eng und beamten-analog, das willst du keinem Dänen zeigen. Gibt’s irgendwas Neues, außer zweier bildschöner Tunnels? Gibt’s einen Fortschritt, eine Großzügigkeit, ein Experiment, gibt‘s irgendwas aus dem digitalen Zeitalter? Bist du auf irgendwas stolz, das die Stadt in den letzten zehn Jahren aus sich heraus geschaffen hat? Was zeigst du einem Gast, der in München zu Recht den Wohlstandsmotor Europas vermutet? Du zeigst ihm den SUV-Stau und die Burnout-Visagen.

Klar, das ist jetzt eine ziemlich gestreute Schrotladung in den breiten Arsch der Tante. Diese Stadt hat ihre Momente, natürlich und auch ihre Adressen. Sicher, man kann hier gut leben. Aber auch nur noch in dem Sinne, wie man in einem Rewe-Markt gut einkaufen kann. Man geht halt in die vier Bars, die drei Clubs, die zwei Theater und an den einen Fluß, wie eine halbe Million anderer Bedürftiger eben auch. Und wischt sich mit ihnen einmal im Jahr auf dem Königsplatz ein Tränchen aus dem Auge, weil der Monaco wieder so schön ist. Dann bringt man den Pfandbecher zurück und fährt mit funktionierendem Rücklicht durch die fest schlafende Stadt nach Hause. Echt, zum Verklären besteht kein Anlass.

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214 Kommentare

  • Was für ein Hammerartikel. Der stand auf Facebook und wurde als gut geschrieben angekündigt.
    Und der Schreiber hat nicht untertrieben. Wirklich.

    Ich habe auch mal in Italien gelegt. Pisa. Da gibt es einen Hinterhof. Piaza Vetto Vaglie. Da gibt’s jeden Freitagabend (gabs zumindest mal) Panini – kleine Brote mit schönen was drauf- wenn man Wein kauft. Ein Glas reicht schon. Irre…

  •   Wolf Exmünchner
    Mai 4th, 2017 um 17:04

    Ganz abgesehen davon ob man dem zustimmt, einfach sehr geil geschrieben, mit Witz und Herzblut.
    Ich musste mehrfach laut lachen.
    Das sollte auf so´n Riesenwerbeplakat in München.
    Vielen Dank!

  • Biergärten!!! ♡

  • Nach 15+ Jahren in dieser Stadt: danke, alles gesagt. So viel Potential, so viel verschenkt, verbürokratet, verplant, verzaudert, sterilisiert. Hier „lebt“ so gut wie niemand mehr.

  •   Harry Lime
    Mai 4th, 2017 um 18:23

    Mein lieber Schwan! Eine Wucht, dieser Text! Ich wünsche Dir, dass „stolze Metzger“ und die „Grosszügigkeit“ wieder einkehren in Deine Stadt. Und dass Du weiter mit Herzblut schreiben wirst.

  •   Slikkenberg
    Mai 4th, 2017 um 18:39

    Ja, ja und nochmal ja!

    Vor 15 Jahren gabs am Gärtnerplatz noch ein Werkzeuggeschäft, in der Hohenzollernstraße eine Seilerei und in Sendling einen Riesengemüsetürken im Hinterhof. Urbane Funktionen. Alle wegbetoniert. Was die Investoren nicht plattmachen, das schafft die Verwaltung: Altschwabing sieht aus wie Bad Salzufflen, heller Sandstein, Kurparkatmosphäre, Hauptsache die Alkis sind weg. Dafür dann Gestaltungswettbewerb und 100 Sitzungen des Bezirksausschusses. Aus zwei Alternativen wird immer die bräsigste und langweiligste gewählt: Konzertsaal in der Pakethalle? Nein. Neue radiale Nahverkehrsverbindungen, neue Umsteigemöglichkeiten und Subzentren z.B. am Kolumbusplatz und an der Poccistraße? Auf keinen Fall. Lieber einen exorbitant teuren, fünften S-Bahn-Tunnel direkt durch die Innenstadt, neben den anderen S-Bahn-Tunnel. Wie eine neureiche Familie, die eigentlich 5 Fahrräder bräuchte und sich stattdessen einen Maserati kauft, weil man damit ja schneller wo hinkommt.
    Diese schnellen, flexiblen, improvisierten Lösungen, die es in jeder anderen Großstadt gibt: hier ein Ding der Unmöglichkeit. Hier gibt es nur Großprojekte und die dazugehörigen Consultants.

    Also, danke für diesen Rant, den rahme ich mir ein…

  • Noch nie hat ein Text mein Münchengefühl besser ausgedrückt als dieser. Chapeau und danke. Bitte niemals löschen.

  • Hallo Max,
    Joachim Ringelnatz soll mal gesagt haben „Ja, Stuttgart ist schön, gegen dies Scheißmünchen ein Paris.“ Allerdings ist das schon ziemlich lange her und heute ist das Beste an Stuttgart der TGV nach Paris …
    Guter Artikel. Gruß Andrea Welz

  •   MiaSanHier
    Mai 4th, 2017 um 19:11

    Scheiße, jetzt muss ich umziehen!

  • Danke. Echt, danke.

  • So ist es. Vergessen zu erwähnen: den unsäglichen Raum rund um den Hauptbahnhof. Schöne Grüße aus Hamburg :-)

  • „Spitzentext über (fast) alles, was an München nervt“
    Das war die Empfehlung.

    Ich lese …
    der Text zergeht mir auf der Zunge…
    hmmm nochmal lesen !!!
    (und irgendwie speichern für „besondere Gelegenheiten“)

    Ich habe eine Weile in München gelebt

  • Bei den „jungen Kaffeeröstern“ musste ich aufhorchen. Denn da hat München tatsächlich weit mehr zu bieten als Wien oder Mailand. Mit JB Kaffee (Standl 20), Man versus Machine und auch Mahlefitz ist München thirdwavemäßig tatsächlich ziemlich gut aufgestellt.

    Aber der ganze Rest stimmt sicher.

  • Oh ja! In München hat jemand so gut aufgeräumt, dass das Laster keinen Platz mehr hat.

  • Ja an manchen Stellen stimmt Dr Artikel. München ist von den Einrichtungen nun mal keine Großstadt. Grossstadtmässig sind die Kosten, die Immobilienpreise, die Staus, die Luftbelastung. Mehr die negativen Dinge. Die sind aber international mit den Londons Paris’s und New York‘ s vergleichbar. Da ist Berlin oder Frankfurt 2.te Liga. Kleinstadt Level ..

    Gut was spricht für München. Das Umland, die Nähe zu Berge und Seen und Natur. Das es in den Meisten Viertel eben keine kreative, laute, nervige, hypercoole Szene gibt. Sondern nur Spießer in kleinen Wohnungen, die überall wo anders in Deutschland ein Reihenhaus bewohnen würden. Die jeden Tag arbeiten gehen, von ihrem überdurchschnittlichen Einkommen überdurchschnittlich viel an den Staat, die Exfrau und ihren Vermieter bezahlen. Für den Rest bleibt bei den Meisten dann nimmer viel Zeit und Geld. Und für die wenigen mit genug Kohle gilt:
    Das schönste an München ist der Flughafen in alle Welt. In 2 h in London. In 2h in Rom. In 10h in Miami. In 8h in New York. In 24h in Sydney…

  • Ich brauche ganz sicher keine hippe Stadt, aber ich habe auch mehrmals im Ausland und in diversen anderen deutschen Städten gelebt, Hamburg und Berlin, aber auch kleinere, eben harmlose Städtchen, die sich nichts auf sich einbilden. Überall fand ich’s schön. Die zwei Jahre in München haben mich fertig gemacht … ich habe mich gefühlt, als sei mir irgendwas amputiert worden, von dem ich vorher gar nicht wusste, dass man es hat oder braucht. Heute bin ich hin und wieder mal da für ein paar Tage, und für ein paar Tage auch gerne, aber jedes Mal, wenn ich am Hauptbahnhof ankomme, schnürt sich mir die Kehle zu. Von allen zehn Städten, in denen ich gewohnt habe, war München die einzige, die mir unmöglich war.

  • Ich danke Ihnen für diesen Bericht. Er erleichtert mich etwas, denn ich denke mir seit langem, dass der Glanz und der Charme, den ich in der Stadt München immer erfahren und erleben wollte, eigentlich nur Camouflage oder allenfalls ein Trompe-l’œil ist.

    Ich komme aus Frankfurt, dieser kleinen Stadt mit der grossen Herzen. Mit dem gleichen groben Humor wie in München. Wo die Gäste auch immer schnell per Du angesprochen werden. Ob in einem Biergarten oder in einer Äppelwoibeiz.
    Aber genau dort beginnt der Unterschied, der mich an der Wirklichkeit der Stadt München wach werden liess.
    In München kriegt man spätestens nach der dritten Mass klar und deutlich gezeigt, wer hier wer ist, und wer keinesfalls dazugehört. Fremder ist. Nirgends in Deutschland habe ich in den letzten Jahren bei meinen Reisen so viele Hinweisschilder auf „Fremdenzimmer“ gesehen wie im Umland von München. Für das Bewusstsein für „Gästezimmer“ wirds wohl noch eine Weile dauern. Und Entdeckungsurlaube lassen sich anderswo in Deutschland machen.

    Bis dahin bleiben die lebendigen Erinnerungen an das Deutsche Museum, Teile des Englischen Gartens und einige besonders abweisend ruppige Arbeitskräfte in der Gastronomie.

    Schönabendliche Grüsse aus der Mainspitze,
    Herr Ärmel

  • Ein echter Thomas Bernhard! Chapeau.

  • Großartig. Ich habe mich – als mittlerweile nur noch seltener Gast – heute wahnsinnig über die Stadt aufgeregt; ne halbe Stunde und ich hätte schreien wollen. Als Therapie bekam ich den Link zum Artikel und fühle mich gleich besser! Vielen Dank!

  •   Claudia Urschbach
    Mai 4th, 2017 um 22:00

    Den folgenden Text hab ich auch in meinem facebook-Profil gepostet und auf Deinen Blog verlinkt. Ich hab Dir ne Freundschaftsanfrage geschickt. Vielleicht hast Du Lust sie anzunehmen und unter meinem Post mit mir noch zu diskutieren. Oder bei der SZ mal nen Kaffee. Sitze in H20.118. Nur freitags bin ich nie da. LG Claudia

    ————————–

    Lieber Max Scharnigg,

    Du schreibst wunderbare Texte, im Süddeutsche Zeitung Magazin​ und woanders. Das Lesen ist immer ein Genuss, sei die Wortwahl, das Thema, die Perspektive oder eine perfekte Mischung aus allem. Auf diesem Niveau versuche ich gar nicht erst, Dich zu belehren. Aber über München müssen wir reden.

    Ich bin in Giasingerin. Seit fast 40 Jahren. Davon habe ich sechs in London verbracht. Eine wundersame Stadt. Schön und hässlich, teuer und billig, aufregend und monoton. Ich habe mich gefreut, London am Anfang Deines Textes in der Liste vieler anderer wundersamer Städte zu lesen. Es freut mich, dass offensichtlich sehr inspirierende 15 Monate hinter Dir liegen, in denen Du viele Städte für ein paar Tage, Wochen oder sogar Monate erleben durftest. Jede Reise, die keine Bereicherung ist, hätte man auch im nächstgelegenen austauschbaren Wellness-Hotel verbringen können.

    Aber. Jetzt kommt’s. Du hast vermutlich in keiner dieser tollen Städte das volle Programm durchlebt, dass ein sesshafteres Leben mit sich bringt. Ankommen. Sich zurecht finden. Ein Dach über dem Kopf finden, unter dem man sich wohl fühlt. Eine Aufgabe finden, mit der man seinen Lebensunterhalt bestreiten kann und die einem nette Menschen als Kollegen beschert. Freunde und Aktivitäten finden, mit denen man seinen Feierabend und seine Wochenenden verbringt. Sich jeden Tag in der Stadt fortbewegen, und das nicht nur zu freiwillig gewählten Uhrzeiten, sondern dann wenn man arbeiten muss, vom Kino nach Hause möchte oder zum Flughafen muss. Ich habe all das in der wundersamen Stadt London gemacht. Jahrelang, inklusive mehrmals Wohnung, Jobs, Freunde und Hobbies wechseln. Es war aufregend. Es hat mich weitergebracht. Ich habe anders zu denken begonnen, die besten Gespräche meines Lebens geführt, mehr Bands in einem Jahr live gesehen als in München in 10 Jahren vorbeikommen und endlich verstanden, was den British Sense of Humor zum besten Humor der Welt macht.

    Ich bin trotzdem zurückgekommen. In das spießige saubere und in den falschen Lebensbereichen großkotzige München. In die Stadt, die sich für mich nie kulturell bunt angefühlt hat, in der mich blaue Ralph Lauren Hemden immer genervt haben, in der ich Autofahren sinnlos finde und in der es jede Wohnungssuche phasenweise mit einer griechischen Tragödie aufnehmen kann. Die Stadt mit den Bergen, die mich nur von Dezember bis März interessieren, weil ich Wandern schon seit Kindertagen inbrünstigst hasse. Die Stadt mit einem Oktoberfest, dass ich freiwillig nur noch dienstags bis donnerstags zur Mittagszeit und nur bei Sonne besuche, weil es zu anderen Tages- und Uhrzeiten ein scheußliches Fest geworden ist.

    So, jetzt ist das in London dagegen aber leider auf Dauer ein sehr anstrengend Leben. Es ist teuer. Ich habe im Jahr 2010 etwa 1500€ warm für ein unmöbiliertes 1-Zimmer Apartment in einem unbedeutenden Stadtteil gezahlt. Die Küche hatte zwei Herdplatten, keinen Backofen und war der Durchgang zum Bad. Nebenan war ein Waschsalon. Wer schon jemals in einem englischen Haus übernachtet hat, der weiß, dass „Dämmen“ nichts ist was der Engländer kennt. Es zieht nicht nur unter jeder Haustür und jedem Fenster durch, due hörst auch meistens bestens das Fernsehprogramm des Nachbarns. Oder eben die Maschinen im Waschsalon. Das war übrigens die beste Wohnung, die ich in London in sechs Jahren bewohnt habe. My home is not my castle in London, baby. Of course, unless you are a rich and Russian.

    Bist Du schon mal 20 Arbeitstage in einem Monat morgens um 8 Uhr und abends um 18 Uhr mit der Tube in London gefahren? Nein? Mach das mal. Einen Monat lang, jeden Mo-Fr. Immer zu diesen Uhrzeiten. Nicht schummeln!

    Am schlimmsten ist es Freitagmorgen. Denn spätestens am Donnerstagabend ist jeder Londoner nicht nach dem zweiten Pint im Pub heimgegangen. Sondern erst nach dem sechsten. Man kauft das Bier ja immer für die ganze Gruppe. Das Tempo bestimmt der schnellste Trinker. Da bist Du bei Nummer 6 schneller als Du denkst. Den ganzen Abend gilt „Eating is cheating“. Essen darfst Du erst auf dem Heimweg. Wenn Du noch kannst. Dafür sind die tausend identisch anmutenden Londoner Kebab Läden und indischen Lokale. Deshalb haben die abends so lange auf, lieber Max. Und mit seinem in kräftig gewürztem Essen gegärten Kater steht der Londoner am Freitagmorgen so spät auf, dass keine Zeit zum Duschen bleibt. Freitags in der Tube ist also regelmäßig die Achselhöhle eines anderen Menschen etwa 3cm von Deiner Nase entfernt – und Du wünscht Dich auf die Müllhalde von Kalkutta, weil es da bestimmt besser riecht als hier.

    Manchmal beginnt die eigene Arbeitswoche auch mit großem Pech. Dann zieht man das große Los der alkoholischen Ausdünstungen schon am Montagmorgen. Der Brite geht schließlich auch besonders gerne sonntags saufen. Sonntagabend spielen die meisten Live-Bands in Pubs. Oder es ist Rugby. Oder Fussball. Oder Cricket. Oder es war schönes Wetter, also über 15 Grad und kein Regen. Dann sitzt der Londoner mit Alkohol in Dosen im Park. It’s always Pimms o’clock, baby.

    Ja, ich gebe zu, es ist oft schön wie wie ausgelassen Londoner sich in ihrer Freizeit durchs Leben treiben lassen. Anfangs fand ich das befreiend. Jeden Abend oder jeden zweiten Abend mit den Kollegen ins Pub. Toll! Bis ich gemerkt habe, dass in London viele Menschen keine Hobbies und Interessen haben. Außer eben ins Pub gehen. Oder Essen gehen und dabei Unmengen trinken. Sie gehen am Wochenende nicht wandern, weil sie keine Berge vor der Tür haben. Genehmigt. Aber sie fahren auch nicht ans Meer – und das ist vor der Tür. Sie gehen auch nicht auf Flohmärkte. Davon gibt es nämlich in London keine. Tatsächlich keinen einzigen normalen Flohmarkt. Dafür gibt es Shopping-Malls und offene Geschäfte, auch am Sonntag. Wer nicht ins Pub will, geht shoppen. Ich kenne Frauen in London, die das jeden Sonntag machen. „Girly Time“ heißt das. Beginnt mit der 10€ Pediküre in einem Salon, in der keine Frau so aussieht als ob sie dort freiwillig arbeitet und der seinen Mitarbeiterinnen rein rechnerisch unmöglich den britischen Mindestlohn bezahlen kann. Der Nachmittag geht dann weiter bei Primark. Da muss man sich keine Mühe machen, Klamotten vor dem Kaufen anzuprobieren. Fast kein Teil kostet mehr als nen Zehner. Einfach gleich fünf Blusen, drei Hosen und zwei Jacken mitnehmen. Hunderte Londoner Charity-Shops sind voll mit Primark, H&M und Topshop Klamotten-Müll, der noch nie getragen wurde. Who cares, baby. Girls wanna have fun.

    London hat auch einige der besten Museen der Welt. Da geht der Londoner aber nur mit Besuch hin. Oder er schickt den alleine rein und warten im Pub. Er war schließlich 2005 schon mal in der Tate. Just yesterday, really.

    Die Theater in London sind übrigens wirklich toll! So ein Warten auf Godot mit Ian McKellan vergisst man nicht. Ich kenne allerdings mehr Münchner, die nach London geflogen sind um Kevin Spacey auf der Bühne zu sehen, als Londoner, die ihn live gesehen haben. Die gehen höchsten mal im Rahmen eines Work-Team-Events im fancy dress Outfit in ein verblödetes Musical. Damit jeder in der Truppe in Stimmung kommt, geht man vorher natürlich ins … You know what I mean.

    Es gibt tatsächlich nicht wenige Londoner, die Sport in einem Verein machen. Hockey ist in England sehr beliebt. Ich war deshalb ein paar Jahre aktives Mitglied in einem Hockeyverein. Dienstagabend Training. Samstag Spiel. Danach… Du ahnst es, Pubbesuch. Fast jeden Samstag von Oktober bis April. Wir waren nicht der einzige Club, der von einer Pub-Kette gesponsert wurde. Zwei Mal im Jahr sind wir für ein langes Wochenende auf ein Hockeyturnier auswärts gefahren. Sobald der Reisebus die Tür zu gemacht hat, wird getrunken und gesungen. Eine Busladung voller erwachsener Männer und Frauen, die Ärzte, Banker, IT-Spezialisten, Designer oder Anwälte sind, singen Sauflieder, deren Refrains so menschenverachtend sind, dass ich mich nicht traue hier Zitate einzufügen. Nur so viel: Lieder über unfreiwilligen Analverkehr kannte ich aus meiner Sportverein-Karriere in Deutschland vorher nicht. Lieder über blutige Tampons auch nicht. But hey, always look on the bright side of life.

    Es kommt der Zeitpunkt, da hast Du Dich in London gefühlt genug integriert und fängst an, einige Dinge doch lieber anders machen zu wollen. Du versuchst zum Beispiel mit dem Fahrrad in die Arbeit zu fahren. Leider stellt sich das sehr schnell als lebensgefährlich heraus. Radwege gibt es kaum, aber die Fahrer der schönen roten Doppeldecker-Busse haben sowieso keinen blassen Schimmer, welche Auswirkung ein Radweg auf ihr Fahrverhalten haben sollte. Oder Du versuchst am Wochenende „rauszufahren“. Auf’s Land oder ans Meer. Stellst nur leider schnell fest, dass Dich das Stadtmonster nicht so einfach rauslässt. Jede Autobahn aus der Stadt heraus ist freitags von 14 bis 22 Uhr verstopft. Schließlich pendeln täglich Millionen Londoner aus den Vororten und weitere Hunderttausende wöchentlich aus dem Rest des Landes zum Arbeiten nach London.

    Dass ich die Deutsche Bahn irgendwann verehren würde, hätte ich mir nie träumen lassen. Wer in London oder England von einer der verschiedenen privatisierten Bahngesellschaften transportiert werden möchte, zahlt schnell mal 200€ für eine 60km Reise, die 4 Stunden dauert, weil „Rail Replacement Services“ zur „Great British Experience of Travel“ gehören.

    Der Londoner kennt alle diese Hürden, die man überwinden muss, um ins Grüne zu kommen. Deswegen findet man auch keinen Londoner, der Lust auf einen Ausflug am Wochenende hat. Er fliegt lieber für 19 Pfund mit einer Ramsch-Airline wie Ryanair übers Wochenende nach Tallin, Riga oder Krakau. Da gab es beim letzten Mal so gutes und billiges Bier. Und wenn man Glück hatte auch deutlich billigeres Koks als in der Finanzhauptstadt Europas.

    So, lieber Max, vielleicht ziehst Du mal ein paar Jahre nach London. Oder Athen. Könnte ich auch empfehlen. Du wirst viele faszinierende Momente erleben, die Du für uns in einer herrlich zu lesenden Kolumne verarbeiten wirst. Ich freue mich schon jetzt aufs Lesen. Und Du kannst Dich jetzt schon darauf freuen, in einigen Jahren wieder ein sehr glücklicher Münchner zu sein. ich verspreche es Dir. London Therapy works.

    Yours truly,
    Claudia

  • Ich war dreimal in München und fand diese Stadt immer schrecklich, konnte aber auf die pikierten Nachfragen hin gar nicht so exakt den Finger auf das Warum legen. Nach dem Lesen deines Artikels fühle ich mich nun a) verstanden und b) bestätigt. – München wirkt irgendwie so.. hochnäsig auf der Basis von keine-Ahnung-was, kann das sein? Und hat offenbar auch in den Augen der Münchner selbst ziemlich aufzuholen… Toller Text, jedenfalls! :)

  • Komm mal am Samstag Vormittag (ich weiß, da schläfste normal noch…) im Hirschgarten vorbei. Nur einen Tacken nördlich vom eigentlich Biergarten. Da sind „echte“ und zuagroaste Münchner mit Schaumstoffschwertern öffentlich am trainieren. Weil umsonst&draußen ;D.
    Generell empfehle ich den Hirschgarten-Park, um Spielplätze, Bolzplätze und andere vermisste Dinge wiederzufinden – Parkbänke gibt es da auch ein paar mehr. Lass den Biergarten Biergarten sein – und spring auch als Erwachsener durch den Wasserspielplatz.
    Der Ladenschluss muss weg, ich denke das sind sich die meisten Großstädter einig. Dann kommen auch die Spätis oder 7eleven, die dürfen ja bisher nicht. und a propos Laim: kaum etwas amüsiert den Laimer aktuell mehr, als die beste Döner Pizza gegenüber vom McDonalds an der Fürstenrieder.
    Fahr mal in Stockholm dort hin, wo die uncoolen Leute wohnen: Bredäng z.B. Da ist das geilste leider auch die Tunnelbana zum Sergels Torg. Und so isses immer, mit Städten, in denen man LEBT, statt nur zu Besuch ist: Man kennt all ihre uncoolen Dinge, und weiß, wie wenig cool sich auf viel profan verteilt. Wer in Schwabing wohnt, hat Cafés, geile Eisdielen, Hipsterläden usw vor der Haustür. Der Rest halt nich. Und die genormten Imbissbuden der Londoner gehen dir als Einwohner auch bald auf den Sack. Da isst man nämlich letztlich auch immer das gleiche Sandwich.
    Leben ist halt kack-langweilig, wenn man es nicht selber spannend macht. Man kann ja auch jeden Monat in einer anderen Stadt wohnen, wenn das glücklicher macht. (und sofern man halt das Kleingeld dafür hat… Für die Eigentumswohnung hat das in München übrigens keine Sau mehr. Zuletzt mal in den Immobilienmarkt geguckt?)

  • Gut!
    Ich wünschte, ich könnte so schreiben.

    Und mein Herz blutet, mein Magen versauert und meine Schulter erlahmen unter dem Joch des selben Grants.

    Aber keiner trifft es so auf den Kopf. SUV-Stau und Burnout Visagen. Ja.
    Nicht reserviert? Uhhhh…

    Willkommen in der Weltstadt mit Herz.

  • Ich würde mich direkt an den Druckkosten für dieses Riesenwerbeplakat beteiligen.

  • Ich finde dass München sehr in viel in kleinen Gruppen lebt. Das wird hier nicht bedacht. Schade. Und… Die nördlichste Stadt Italiens ist und bleibt Regensburg!

  • Ich schreibe nie Kommentare.

    Aber das ist der beste München-Text aller Zeiten.

    Ich lache und heule zugleich.

    Danke.

  • Toller Text und sehr wahr. Nach 16 Jahren München leben ich nun in Glasgow und meine Wohnung hat jetzt drei statt einem Zimmer und hohe Decken und es mangelt an Schall- und Wärmeisolierung, aber dafür ist echtes Leben in der Hütte und drumherum. Kein Heimweh!
    Aber Rom … oh Mann .. Rom <3

  • Klasse!

  •   Klar Name
    Mai 5th, 2017 um 03:52

    Toller Artikel! Habe auch viel gelacht und bewundere, wie der Text ohne Füllwörter auskommt; jedes Wort durchdacht und am rechten Fleck :)
    Würde wieder lesen.

    Und die Stadt, ..
    so fühlte sich mein letzter München Besuch an.
    Es ist die Hauptstadt der grauen Eminenzen, der Wirtschaftslangweiler und Berufsentscheider.
    Wo sollte das ‚Leben‘ dann also herkommen, es wird nicht benötigt :D

  •   Siggi München
    Mai 5th, 2017 um 04:47

    Das stimmt alles!
    Die Stadt wird zu tode verwaltet. Jede Kreativität wird sofort im Keim erstickt.
    Gestern hatten wir auch dieses Thema. Reiter und Schmidt sind gesichtslose Bürokraten und den Rest besorgen ihre bocklosen Referate.

    Danke für den Artikel!

  • Ein großartiger Artikel. Wunderbar geschrieben und wahr. Danke!

  •   Sebastian
    Mai 5th, 2017 um 06:51

    Was ich mich nur gefragt habe – war München jemals grundlegend anders? Und wenn ja, wann? Und wie?

  • Oh sii ..alte faule vernachlässigte Schönheit

  •   Thomas P.
    Mai 5th, 2017 um 07:17

    Der Autor hat zu 100% recht macht aber einen Fehler: Er vergleicht München mit London, Kopenhagen, Berlin etc.

    München gewinnt nicht einmal den Vergleich mit seiner Nachbarstadt Augsburg, geschweige denn Großstädten wie Hamburg, Frankfurt oder Düsseldorf. Ich bin schon vor Jahren nach Augsburg umgezogen wegen dem Stadtleben. In Augsburg sitzt man bei schönem Wetter auf den Pflastersteinen des Rathausplatzes und hört Studentenbands zu – beides in München verboten. Und hier gibt es verkaufsoffene Sonntage. Undenkbar für München, die Geisterstadt.

  • Und warum dann nicht einfach wegziehen, das echte Leben woanders genießen? Habe ich als gebürtiger Münchner auch nach über 30 Jahren gemacht und keine Sekunde bereut. Das Leben ist zu kurz für eine Stadt wie München.

  • München ist aber auch genau das. Ein Lebensgefühl. Dem einen gefällt’s hier, dem anderen – wenn auch gebürtig – eben nicht. Der kann sich entweder mit den Umständen hier abfinden und das Ruhige, Biedere, Geordnete und Geplante schön finden, oder eben nach Mailand, Triest, New York, Stockholm, Paris, Wien, Berlin ziehen, wo er/sie eine Stadt nach seinen/ihren Vorstellungen findet.
    Mich persönlich kotzt dieses München-Bashing an. Dieses Jammern auf sehr hohem Niveau. Ich lebe gern hier. Ich schätze die weißen Punkte auf dem Bürgersteig, weil ich so genug Platz habe, um mit meinen Einkaufstüten nicht balancieren zu müssen zwischen Stühlen und Autos. Ich mag saubere Wände – mit Graffiti kann ich nichts anfangen. Ich mag meine Ruhe nach 20 Uhr und bin froh, dass ich keine feiernden Leute in meinen Straßen habe. Die sollen ihr gut verdientes Geld nutzen um in den Urlaub zu fahren und in anderen Städten zu feiern. Für mich ist München die perfekte Stadt. Für dich eben nicht. Vielleicht wärst du in einer anderen Stadt glücklicher. Ich weiß, du kommst wieder.

  • lobeslieder gabs nun wirklich genug. endlich mal jemand, der den münchenfrust rausschreit – wunderbar!

  • Danke, Max! Ich freue mich sehr über den Artikel. Nach 20 Jahren München lebe ich mitten in Paris. Und kann Deine Argumente sämtlich bestätigen. Das schlimmste jedoch: In München hörst Du 1000x am Tag: Wir ham s doch so gut! Ist es nicht wunderschee bei uns? NEIN.

  • Ach Max Scharnigg,

    danke für diesen herrlichen Artikel. Eine derart pointierte, geistreiche, witzige und (selbst)ironische Beschreibung meiner Wahlheimat fand ich bisher nirgends. Ganz großes Kino, Ihr Talent.

    Herzliche Grüße von einem großen Fan

  •   Jeanette
    Mai 5th, 2017 um 08:16

    Lieber Max,

    Ein toller Artikel. Ich bin in München groß geworden und habe neben München auch im Ruhrgebiet und in Paris gelebt.

    Vieles ist sicherlich richtig. Dennoch kann ich Claudia Urschbach nur zustimmen. Wer mal länger in einer anderen Stad gelebt hat (bei mir zB das von Dir erwähnte Paris), weiß, dass auch dort viele Dinge im Argen sind. In Bezug auf Paris möchte ich nur die Kosten für Wohnung und Lebenshaltung erwähnen, das Budget, dass man haben sollte, wenn man abends weggehen möchte (in manchen Ecken kostet das Bier schon 8 € und ist noch nicht mal besonders gut), die wesentlich schlechtere Sozialversicherung, die vielen Ecken, in die man nächst nicht gehen sollte, weil es zu gefährlich ist als Frau alleine, laute, überfüllte Metro zu Berufsverkehrszeiten – und ja, das mit den Gerüchen kenne ich auch – die Franzosen lieben Knoblauch und in der Metro ist es immer warm… Bevor ich damals nach Paris gegangen bin, habe ich mich in München nicht mehr Wohlgefühls und wollte nur noch weg. Erst durch die Zeit woanders habe ich wieder schätzen gelernt, was ich an München habe. Klar, viele Dinge könnten besser sein. Aber eben auch schlechter :) Final kommt es nur auf Deine eigene Einstellung an.

  •   dot tilde dot
    Mai 5th, 2017 um 08:26

    aah, gut. also picknick und ein gutes buch. vielen dank für den hinweis.

    ein alter schulfreund ist gerade weggezogen. verdient für drei, es reicht nicht für ein leben ohne ständiges kopfschütteln. ich ahne jetzt, warum er nie ins detail gehen mochte.

    .~.

  •   Christoph aus Haidhausen
    Mai 5th, 2017 um 08:32

    Lieber Max,

    ein sehr fein formulierter Beitrag. Ich weiß bei jedem Aspekt, was du meinst, und das Wilde, Kleine, Schräge, Bunte, manchmal auch Dreckige hat es in der Tat schwer in unserer reichen, gebügelten Stadt mit Kapitalüberhang, aber dennoch ist es da und nicht halb so schwer zu finden, wie es in deinem Text beschrieben wird. Auch Foodtrucks, liebevolle Eck-Italiener, zauberhafte Restaurants ohne Reservierungszwang, Boazn mit Geschäftsleuten beim Umtrunk, Urban Art, Kleinkunst, Subkultur, Wildwuchs … Auch in Berlin, London oder New York gibt es ja quadratkilometerweise Ödnis. Zum Verklären Münchens bestehe kein Anlass, schreibst du – das stimmt, aber zum letztlich blinden Überschütten mit vielleicht selbstsatter Ablehnung bestimmt auch nicht.

  • Danke für dieses wunderbare Stück Städteliteratur.

  • Als gebürtiger Münchner, der die ersten 20 Jahre seines Lebens dort verbracht hat, kommt mir sehr viel deiner Diagnose sehr bekannt vor. Ich hatte nur bei meinen regelmäßigen Besuchen den Eindruck, dass einiges besser geworden ist. Aber nein, nicht wirklich! Okay, S-Bahnen fahren jetzt auch nach 0:30 Uhr, es gibt Nacht-Teams, aber das in Grund und Boden hinwegregulierte ist Teil des Markenkerns dieser Stadt.

    Klar gibt es Lichtblicke, schöne alte Kneipen, kauzige Läden oder schöne Hinterhöfe, doch ich stimme dir voll zu, dass grundsätzlich von München eine Sterilität ausgeht, die einer Metropole nicht würdig ist.

  • Danke, Du sprichst mir aus der Seele! Danke für diesen tollen Artikel! Ich habe schon lange die Schnauze voll davon, wie München zunehmend glorifiziert werden. Und dass vor allem von Leuten, die erst kürzlich hergezogen sind.

  •   Obst und Gemüse
    Mai 5th, 2017 um 09:09

    Hello!

    endlich kann im Kollektiv abgekotzt werden!

    Bin definitiv kein München-Patriot aber wenn ihr es hier sooo scheiße findet dann müsst ihr wohl die Stadt wechseln. Ich denke es gibt einen Grund warum IHR alle hier seit! …und diesen Grund wollt ihr wohl alle selbst nicht wahr haben.

    So etwas wie „hier lebt man nicht mehr“ finde ich lächerlich! Wieviel man lebt hat man immer noch zu 90% selbst in der Hand. So quasi „man mein Leben ist ja sooo scheiße und diese doofe Stadt ist schuld“.

    Der Artikel hat viel wahres ja, aber die arrogante Art und Weise wie dies ausgedrückt wird finde ich recht schwach ehrlich gesagt. Wirkt auf mich wie ein Aufmerksamkeitsdefizit.

  • Sauber, sog i!

    Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger. Keine Ahnung, warum ich in München so lange ausgehalten habe. Es war schon damals dasselbe.

    München und die Münchner argumentierten mit dem „Freizeitfaktor“, wenn sie die Vorzüge ihrer Stadt nennen sollten, mehr fiel ihnen nicht ein. Ein Schmarrn! Als ob ich in einer Stadt leben wollte, um sie freitags Richtung südliches Oberbayern zu verlassen. Wenn Unterschleißheim den Speckgürtel beschrieb, dann war die Gegend um Prien und den Chiemsee die Schürze vorm Bauch.

    Vorzüge? Vielleicht noch der Flaucher oder just jener kleine Biergarten, „weißt scho, der hinterm Zaun“, der schon deshalb besser war als die anderen, weil man selbst dorthin ging und nicht in den Hirschgarten, zum Chinesischen Turm oder zum Augustiner wie all die anderen. Auch bei der Wahl des Stamm-Biergartens kehrte der Münchner seinen armseligen Snobismus heraus.

    Es gab keine Nischen, die Oberfläche war versiegelt, poliert, und sie glänzte so stark, dass du gar nicht genauer hinschauen konntest, so geblendet warst für den Moment. Nichts konnte eindringen in die Gelacktheit – Botox war noch nicht en vogue.

    Meine Welt damals hieß Köln, hieß Saarbrücken, Frankfurt, Berlin. Städte, in denen der Schmutz nicht Schmutz, sondern Kolorit war. Dunkler Diamantstaub, den die Menschen verwirbelten, sodass er sich auf die Augen legte und nach Lebenslust funkelte, nicht nach schrillem Gelangweiltsein.

    Das Beste an München?

    Das durchgestrichene Ortsschild.

  • Hallo Max,
    was für ein toller Artikel! Er bringt genau das auf den Punkt, was mich aus München wegziehen hat lassen. Heute – 8 Jahre später – trete ich nach meinem Berlin-Kapitel wieder den Heimweg an und freue mich richtig auf den Weißwursthimmel. Das was Berlin zu viel hat, hat München zu wenig. Aber wer weiß, vielleicht braucht der Mensch auch einfach die Abwechslung…

    Ich grüß dich ganz lieb, alles Gute,
    Luisa

  • Und was schlägst du als „Gegenmaßnahmen“ vor?

  • Die nördlichste Stadt Italiens ist und bleibt Köln.

  • Ich verstehe den Grundtenor den du da vermitteln willst. Aber es gibt schon viele zarte Pflänzchen in dieser Stadt die Anlass zur Hoffnung geben. Es gibt sie diese kleinen Kaffeeröster, diese kleinräumigen Flohmärkte (warst schon mal in Obergiesing auf dem Hinterhofflohmarkt?). Ja es ist viel zuviel regelementiert, das liegt aber auch an der Zeitungsdichte, weil sich immer irgendein Boulevardblatt über was aufregen muss und irgendein Politiker drauf anspringt und seine Gefolgschaft findet. Dann gibts wieder so einen faden Kompromiss und es bewegt sich nix.
    Aber Alles in Allem ist es schon ok hier.
    Und die Ober in Wien würde ich jetzt nicht als Positivbeispiel zitieren ;)

  • Stimmt schon, mit einem München-Bashing gibt’s billig Punkte zu verdienen. Gleichzeitig steckt bei Dir sichtlich mehr Mühe und enttäuschte Liebe drin als in vielen anderen Wortmeldungen, wobei natürlich auch Du den hinlänglich bekannten Klischees nicht entkommst: Schade, dass es hier nicht saftigere Straftaten gibt, an denen mehr junge Leute beteiligt sind!
    Aber bleiben wir fair und, vor allem, diskutieren wir über die spannenderen Fragen. Da wäre zum Beispiel die nach der Funktion einer Großstadt: Du suchst offensichtlich und allen Familienbetrieb-Kaufleute-Architekten-Gegenbeteuerungen zum Trotz vor allem Intensitäten, wobei Du Dich gleichzeitig wohltuend von Hipster-Sehnsüchten distanzierst. Genauso gut könnte man den Reiz einer Stadt aber auch im In- oder Nebeneinander von Intensität und Erholung suchen und zum Beispiel da finden, wo die bayerische Biergartenkultur noch nicht selbst zum Klischee geronnen ist. Der reaktionärer Umtriebe eher unverdächtige Michi Sailer hat vor einiger Zeit etwas dazugeschrieben, das online leider nicht verfügbar ist. Platt gesagt: Ich bin auch ein bisschen herumgekommen, auch in Städten, die sich mächtig was einbilden auf ihre Parks – selten gab es so viele, so große, so schöne wie in München, sorry.
    Eine andere Frage wäre die nach der Psychologie des Verpassens oder dem, was man nicht besser als mit dem Wischi-Waschi-Begriff „Atmosphäre“ beschreiben kann (Du nennst es „Verdichtung“, auch kein schlechtes Wort). Vier Bars, drei Clubs, zwei Theater mögen den meisten genügen für ein Wochenende, für eine Woche, für einen Monat, für ein ganzes Leben – wie auch immer. Die Empfindung aber, dass mich die Stadt im positiven Sinne bedrängt und ich sie und ihre Intensitäten nicht erst suchen muss, ist ebenso eine rein subjektive. Platt zum zweiten: Wer sich in München langweilt, macht etwas falsch (wobei Du den Begriff der Langeweile auffällig und wohltuenderweise vermeidest).
    Die meines Erachtens spannendste aller Fragen hat aber Günter schon angedeutet: Was sagt es eigentlich aus über unsere (Über-)Sättigung und unseren Lebensstandard, wenn wir uns weniger Reichtum wünschen und mehr Unordnung? Ist letztere gleichzusetzen mit Lebendigkeit? Auch das ist eben eine Frage der Perspektive.

  • Großartiger Artikel!

  • Im Text steht viel Richtiges. Schade ist vor allem, dass München so wenig aus seinen Möglichkeiten macht. Neben offensichtlichem Schwachsinn wie dem Bau einer zweiten, völlig überteuerten Stammstrecke statt einer Ring-S-Bahn irritiert mich der Mangel an kulinarischer Vielfalt. Es gibt circa 500 italienische Restaurants, von denen 450 das Standardprogramm aus Pizza und Spaghetti Carbonara fahren, statt wirklich regional zu kochen. Sardisch, lombardisch… es wäre so leicht, sich von der Konkurrenz abzuheben. Und mittlerweile gibt es kein einziges tschechisches Restaurant mehr, obwohl die Grenze keine 250 km entfernt ist und die Küche dem Bayer eigentlich schmecken sollte. Stattdessen wird das ebenfalls 500. „Wirtshaus“ eröffnet, das genauso austauschbar ist wie alle anderen.
    Und grundsätzlich liest sich das alles natürlich hervorragend, ist aber auch etwas unfair. Am 20-Uhr-Ladenschluss ist nämlich die CSU Schuld, das gilt schließlich bayernweit.
    Und ob Kollege Scharnigg in den eingangs aufgezählten Städten dauerhaft glücklich wäre? Reykjavik und Stockholm mit 6 Monaten Winter? In Mailand muss man Tische in guten Restaurants auch Wochen im Voraus reservieren. Paris ist ein Open-Air-Museum geworden, im Hochsommer in Triest helfen einem die ganzen schönen Cafés wenig, wenn man in der nahezu baumlosen Stadt vergeblich Schatten sucht…
    Keine Stadt ist perfekt, dem einen gefällt’s mehr, dem anderen weniger… München hat nunmal den Nachteil ein Millionendorf zu sein, das aufgrund der vorhandenen Jobs maßig Leute anzieht. Dafür macht es sich ganz ordentlich.
    Und hat etwas, was ich bislang noch in jedem München-Bashing vermisst habe, weil es am Ende doch jeder gut findet: Biergärten. Die gibt es in jeder Größe, für jede Präferenz und oft sogar ohne dass man Spaten trinken muss.

  • Hallo zusammen,

    ja schön, wenn hier Kommentare von denen kommen die nicht aus München sind und nur kurz hier gelebt haben! Tja, ich würde mal sagen, daher kommt das ganze, von den vielen Zuagroasten, die immer alles so haben wollen wie in anderen Städten! Wie oft habe ich gehört: in Berlin gibts es aber solche tollen Läden und in Hamburg solche usw. Tja, warum bleibt Ihr denn nicht alle dort? Wieso kommen denn ständig neue Leute nach München? Also ich bin Münchner und lebe schon seit 45 Jahren hier. Ja, es hat sich viel verändert, die Mieten sind teuer usw. Aber, dass es keine Bäcker usw mehr gibt, daran sind doch alle schuld. Wer will denn billig beim Lidl, Schnellbäcker, vor allem „ONLINE“ einkaufen??? Wer geht denn noch in kleine Läden und kauft für etwas mehr Geld also online ein? Also bevor hier gemoosert wird, bitte an die eigene Nase packen und wem es nicht passt, einfach wieder da hin ziehen wo er herkommt, dann wirds auch wieder münchnerischer und einfache! ;)

  • Was ein Text! Ich bin ein bisschen verliebt.

  •   Ur-Münchner
    Mai 5th, 2017 um 10:56

    Ich bin Münchner von Geburt und lebe seit mittlerweile 48 Jahren hier, mit zwei Unterbrechungen (jeweils ein Jahr in Köln und Berlin). Beruflich komme ich viel in der Welt rum und kenne die meisten der aufgeführten Städte persönlich. So sehr mir vieles aus der Seele spricht und ich insbesondere die Wohnungs- und Immobilienpreise als existenzielle Gefahr für München sehe, so wenig möchte ich hier wegziehen. Sicher ist Berlin um ein vieles aufregender, aber da werden einem die Kinderwagen aus dem Hausflur geklaut (ich kennen jemanden, dem ist das wirklich passiert), und Köln ist so abgrundtief hässlich, so grau, und übrigens mindestens genauso selbstverliebt wie München, da wurde ich beinahe depressiv. Ich habe in beiden Städten die Tage gezählt, bis ich wieder heim durfte. Ich weiß zu schätzen, dass ich mir keine großen Sorgen machen muss, wenn meine beiden Teenie-Töchter nachts weggehen (abgesehen von der Frage, wie sie nach Mitternacht heim nach Trudering kommen), ich liebe unsere Biergärten (auch wenn sie teilweise unverschämt teuer sind), den Viktualienmarkt, die Berge (und inzwischen gehen ich sogar wandern), und auch den FCB. Ich teile deine Wut, die dein Beitrag ausstrahlt, er spricht mir aus dem Herzen, aber nur weil ich (genau wie du, nehme ich an), diese Stadt über alles liebe. Deshalb dürfen wir sie eben nicht den erwähnten sechs Dax-Konzernen überlassen.

  • Lieber Max Scharnigg,
    Zunächst einmal: schön geschriebener Text. Und vor allem passt er wunderbar in unsere Empör- und Auskotzgesellschaft. Wie man an den meisten Kommentaren sieht, trifft er den Nerv der Zeit. Man möchte kritisieren, schimpfen, sich aufregen und vor allem: man sucht einen Adressaten.
    Du hast das auch gemacht: du regst dich auf über München. Wer ist denn München? Die Stadtverwaltung? Die, wie der Name schon sagt, die Stadt verwaltet? Klar, hier kann man ansetzen: welche Rahmenbedingungen setzt sie, was lassen sie zu.
    Aber das ist mir zu einfach, denn eine Stadt ist mehr als ihre Verwaltung. Eine Stadt, das sind die Bewohnerinnen und Bewohner.
    Und hier kommt die Frage: wer von denen, die sich beschweren, dass es keine Kneipenvielfalt gibt, hat schonmal gesagt, so, ich mach jetzt einfach eine auf? Wer trommelt seine Freunde zusammen und sagt: auf geht’s, wir gehen in die Kneipe am Eck, damit sie Umsatz macht und nicht zu sperren muss?
    Alle die hier kritisieren sitzen vermutlich nicht mit Freunden in der Kneipe und ersaufen dort einen Umsatz. Nein, sie versuchen, sich ihren Frust von der Seele zu plärren. Im Internet, da wo man anonym ist, nichts leisten braucht und seine ganze Scheiße auf irgendwem abladen kann. Egal wem, Nur nicht ich selbst.
    Das ist einfach. Man braucht keine Verantwortung zu übernehmen.
    Mit Journalisten, die einen kritischen Artikel schreiben ist es wie mit einem Oppositionspolitiker (egal welcher Farbe): man sucht sich ein Thema raus, hackt darauf rum und kritisiert, und dann geht man weiter, ohne ein Problem gelöst zu haben, oder auch nur ansatzweise zu einer Lösung beigetragen zu haben.
    Nutzt doch eure journalistischen Möglichkeiten, um die schönen Dinge noch toller zu reden (ohne dass gleich Gelder an die Anzeigenabteilung fließen müssen), anstatt die vermeintlichen Missstände so gut wie es geht anzuheizen, um noch möglichst viele „Empör-Artikel“ darüber schreiben zu können.
    Ich würde mir wirklich wünschen, dass solch ein Schreibtalent dafür genutzt würde, um die Welt besser zu machen und nicht dazu, sich in die Gruppe der Gaffer außer um zu stellen, um auch noch einmal zuzutreten.

  • Jetzt verstehe ich auch besser, warum in München keine Stolpersteine verlegt werden dürfen.

  •   Christian
    Mai 5th, 2017 um 11:17

    Formuliert meine Gedanken, wie ich es selbst nicht besser hinbekommen hätte. Respekt.

  • Ich musste über 50 Jahre die alten Grantler ertragen, die das Klima in der Stadt vergiften. Jetzt macht sich eine neue Generation von jungen Grantlern im Stile des unsäglichen Harry G daran, alles und jedes an München schlecht zu machen, um damit Aufmerksamkeit zu heischen. Mein Rat an die alten Grantler war im immer: Wegziehen, wenn Du Dich hier nicht wohl fühlst! Kein Einziger ist meinem Rat gefolgt, was wohl Gründe hat.

    Sicherlich gibt es in München viel zu verbessern. Foodtrucks im Straßenbild, mehr Freiheiten bei der Stadtmöblierung oder Isarflussbäder würde ich mir auch wünschen. Aber das alleine macht eine lebenswerte Stadt nicht aus. Wir wachsen in absehbarer Zeit um weitere 400.000 Einwohner, weil es hier eine gute Arbeitsperspektive verbunden mit einem hohen Freizeitwert gibt. Weil es für die Kinder Bildungschancen gibt, von denen andere Großstädte nur träumen können. Oder, weil die Kriminalitätsrate ein Drittel von der ist, wie sie in anderen Millionenstädten zu finden ist.

  • In Berlin brennen Autos… da fahr ich lieber mit funktionstüchtigen Rücklicht. …Lappen

  • Puh, München hat sicherlich viel verschenktes Potential und einen Großteil kann ich auch unterschreiben. Dieser Großteil schildert jedoch so ziemlich genau den Zustand jeder anderen deutschen Großstadt. Hier und da kleine Unterschiede. Mit der Stadt, in der man aufgewachsen ist, ist man meist nie zufrieden. Ich fühl mich hier sau-wohl, trotz der Mankos und ich habe bereits ein Jahr in Australien, in Melbourne gelebt. Meines Erachtens ist das Einstellungssache und es gibt zauberhafte Orte in München, die ich sonst noch nie irgendwo erlebt habe. Woanders ist´s immer besser und besser geht immer, na klar. Schlechter aber auch. Uns gehts einfach zu gut, ich hab das Jammern jedenfalls nicht nötig…

  • Ja, ganz genau, so isses. Leider. War schon immer so, ist in den letzten 15 Jahren immer schlimmer geworden. Ich bin im Münchner Süden aufgewachsen, in nem kleinen Dorf, Oberbayern hardcore. Selbst das war besser als München. Wenn mich einer gefragt hat, warum ich München nicht mag, hab ich gesagt, dass ich keine Städte mag, in denen die Tunnels sauberer gefegt sind als die meisten Wohnungen. Und jetzt, nach fast 10 Jahren Kapstadt, muss ich da ab Juli wohnen. Meine Hoffnung, dass es besser geworden ist hast Du gerade plattgeschrieben. Das kann was werden. Trotzdem, ein Spitzentext.

  • Egal, ob man sich München nun verbunden fühlt oder nicht – dieser Text ist genau das, was ich mir seit Jahren schon denke. Ich bin gebürtige Fränkin, aus Nürnberg, habe viele Freunde in und um München herum – keiner wohnt mittlerweile mehr in der Stadt selbst, kann sich einfach keiner mehr leisten. Ich lebe seit 12 Jahren in Berlin und was soll ich sagen: der Winter ist hart, der Sommer der Hammer. Berlin kann so schön sein, aber auch so häßlich. Aber es lebt. Die Menschen leben, manche unter Umständen, die ganz furchtbar sind, keine Frage. Aber hier findet man in jedem Kiez – der bald der eigene ist, wenn man sich dort ein wenig aufgehalten hat – die Ecken, die einen ansprechen können und die, die einen abschrecken. Was eine Kommentatorin oben über London schrieb, dass es in München leichter sei, eine Bleibe zu finden, sich einzuleben, das kann ich nicht beurteilen, glaube es aber nicht. Mittlerweile gibt es in Berlin eine veritable Wohnungsknappheit, die mich an Münchner Verhältnisse erinnert und das gefällt mir nicht. Als ich hier her kam, konnte man hier sehr gut eine bezahlbare Wohnung finden, diese Zeiten sind wohl vorbei. Aber dennoch – bevor ich nach Berlin zog, pendelte ich 3,5 Jahre und das Gefühl, das ich hatte, wenn ich Hohenzollerndamm Freitag abend von der Autobahn runter bin, fast zwanghaft die Fenster des Autos runterkurbelte und Berlin fast pulsieren zu spüren glaubte, diese Energie, die die Stadt, vor allem im Sommer, einfach hat, die hab ich in München nie erlebt. Danke für diesen großartigen Text! Herzliche Grüße

  •   Frank Benedikt
    Mai 5th, 2017 um 12:06

    habe Deine gedanken mit einem lachendem und einem weinenden auge gelesen. danke für die an-/aufregung :-)

    obwohl auch ich mich in anderen städten meist heimischer fühlte, ist doch nur dieses zwitterwesen, called Munich, das, was ich am ehesten mit ‚Heimat‘ verbinde. das mag an den freunden liegen, an lieben, an räuschen etc., kurz: an den erinnerungen, die sich für mich mit dieser stadt verknüpfen. es ist halt ‚meine Stadt‘ :-)

    ist wohl der grund, warum ich ein eigenes ‚Monacensia-Fach‘ in meinem bücherregal habe ;-)
    immerhin liegen die entwürfe zu *meinem* großen ‚München-Roman‘ auch schon rund 30 jahre in der schublade. *lol*

    so sehr ich Amsterdam, Paris und gar Bremen schätze – HIER bin I dahoam, selbst wenn ich die stadt für immer verlasse.

    danke nochmals für den denkanstoß, Max – er hat mir geholfen, meine ‚Mitte‘ wiederzufinden.

    BG
    Frank

  • Großartiger Beitrag! So ist München halt. Alle arbeiten und ersaufen im Convenience Brei.

  • @Claudia Urschbach: toll geschrieben! Nur: München (nur) mit London zu vergleichen, führt zu nichts. London ist ja noch extremer. Aber es gibt so viele andere Städte in Deutschland, in Europa, wo man sich besser zu Hause fühlt. Sei es in (Nord-) Italien mit sehr lebendigen Städten, in Frankreich, Belgien, wo auch immer. Und noch immer Wien – wo es um einiges entspannter zugeht, wo es in jeder 2. Straße noch alte Läden und inhabergeführte Fachgeschäfte (was weiss ich, Besengeschäfte, Pferdemetzger (ohne jetzt Pferdefleisch zu mögen), echte Schuster usw, alles alles, was in München luxusraussaniert wurde) gibt. Die Vielfalt ist wesentlich höher als in München – man kann gehen wo an will und man weiss genau, was als nächstes Geschäft kommt. In Wien geht man um die Ecke und kann nur staunen. Man kann zwischen verschiedenen Welten hin- und herspringen. Un im Vergleich zu Wien schaut das arrogante und selbstbesoffenene München wie eine absurde Provinzstadt aus.

  • Toller Artikel, Max! Aber der „Artikel“von Claudia hat auch was:) Viele Grüße aus Moosburg, wennst dieses Jahr mal mit mir Fischen gehen willst, sag‘ Bescheid. Forellen, Hechte, Aale und Waller würden warten, Matthias

  • Ich lachweine sehr… Habe 10 Jahre in München gelebt und im gleichen Jahr in dem Gerti ihre Schoppenstube für immer dicht machen musste, habe ich München gen Hamburg verlassen – offenbar gerade noch rechtzeitig. In meinem Herz haben Flaucherabende, alter Gärtnerplatz, Fraunhofer Schoppenstube, Schwabinger 7 und vieles andere einen festen Platz <3

  • Max danke – ich möchte Dich umarmen :-)

    In der nächsten Ausgabe könntest Du Dich noch dem Thema rücksichtsloses Verhalten der Münchener ihren Mitmenschen gegenüber (‚das ist mein gutes Recht‘-Kultur, Supermarkt, Straßenverkehr – you name it), „Dienstleistungsmentalität“ (Laden schließt um 18:30h, aber wir schließen mal zur Sicherheit schon um 18:20h ab…) oder anderer Themen widmen! Vielen Dank, made my day!

  • Das ist halt das übliche Gekotze der SZ. Nur negativ, von Tschornalisten, die sich im Alles-schlecht-machen wahnsinnig gefallen. Unerträglich.
    Lebe seit 40 Jahren hier, in der schönsten Stadt der Welt. Habe das SZ-Abo gekündigt, seitdem geht’s mir noch besser.
    Der Österreicher sagt dazu: Nicht mal ignorieren!

  • Wahnsinn, genau meine Erfahrung, meine Gefühle. Als ob der Autor mir in den Kopf geschaut hätte. Habe in den 90ern ein paar Jahre in München verbracht, und mir ging es genau so! Eines würde ich noch hinzufügen: die beispiellose Unfreundlichkeit im öffentlichen Raum. Habe ich nirgendwo so erlebt, nicht mal in meinen Berliner Jahren.

  • Liebe Claudia Ursching, lieber Max Scharnigg,

    bei Claudia’s Beschreibung von London habe ich herzlich lachen muessen — nach acht Jahren leben und arbeiten in dieser Stadt komme ich definitiv zu gleichen Einsichten!

    Ja, Muenchen hat definitiv Nachholbedarf. Max’s Text trifft teils schon bitterboese ins Schwarze. Aber …

    Sich mal in Staedten wie London oder Paris laenger als nur ein paar Tage oder Wochen aufzuhalten hilft enorm. Diese Staedt sind wunderschoen an der Oberflaeche, aber teils korrupt and dysfunktional in den Belangen die wirklich wichtig sind. Zum Beispiel die Qualitaet des Wohnens, die Verfuegbarkeit an erschwinglichen und dennoch qualitativ hochwertigen Lebensmitteln, die Krankenversorgung. Tut mir leid, aber da koennen weder London noch Paris mithalten.

    Du moechtest mal echte Burnout-Visagen sehen? Dann empfehle ich Dir einfach in der letzten Woche vor Weihnachten in die Tube am Oxford Circus einzusteigen, so gegen 8:15 pm, nach Ladenschluss. Die Leute schlafen teils schon im Stehen ein, vor Erschoepfung.

    Die Haeuser sind dir in Muenchen nicht huebsch genug? Fuer die isolierten Fenster ueber die Du dich in dem Artikel beschwerst, bezahlen Londoner liebend gerne horrende Preise. Ein stinknormales Victorian terraced-house — die uebrigens in der Industrialisierung wie Backsteinriegel billig in einem Stueck hochgezogen wurden mit Trennwaenden dazwischen — kannst du mittlerweile in Zone 2 durchschnittlich £800.000 hinlegen. Mit null Privatsphaere und einem Garten in Katzenklo-Groesse. Fuer ein uninsoliertes Haus, ohne Fundament, das direkt auf Lehm gebaut wurde. Das mit einer durchschnittlichen Zimmergroesse von 15 qm geradezu nach einer extension mit Glasdach schreit! Die Haeuser sind dunkel, muffig und ziehen das Grundwasser und den Regen in die Waende. Schimmelnde Waende, sowie Maus-und Rattenbefall sind selbst im schicken Kensington (wo ich arbeite) ein ganz uebliches Problem.

    Hausreparaturen (wie die nassen Waende) werden sehr gerne auf die (feine) englische Art „geloest“, naemlich mit einem Eimer Farbe einfach drueber streichen. Fertig. Einen guten, zertifizierten Handwerker finden der dein geplatztes Wasserrohr vielleicht innerhalb eines Tages repariert? Ein Englaender kann das doch gar nicht mehr — da muessen schon die illegalen Polen ran, die machen das dann.

    Die Englaender sind „relaxt and tolerant“? Nein. Sie sind nur gekonnt darin ihre echten Emotionen geschickt zu verbergen was dann fuer den ungeuebten Besucher wie „politeness“ wirkt. Englaender sind nicht polite, sie sind passiv-aggressiv und konfliktscheu. Problemen wird nicht auf den Grund gegangen, man nimmt den figurativen Eimer Farbe und streicht drueber. Oder man sitzt es einfach aus bis der Andere aufgibt.

    Ich habe nach vielen Jahren in London begonnen die scheinbar „ach-so“ langweilige, spiessige Art die Deutsche und ins Besondere Muenchner ja angeblich haben sollen mit anderen Augen zu sehen. Mit wohlwollenderen Augen.

    Fuer die Verbesserungsvorschlaege was Muenchen angeht bin ich jedoch mehr als offen. Mehr Verkaufsstaende mit frischen Backwaren und Brezen an der Isar? Mehr Freiheiten und Spontaneitaet was die Lebensart angeht? Gerne doch! Ich finde das viel davon schon in der Biergarten-Kultur vorhanden ist. Darauf koennte man aufbauen. Damit meine ich wohlgemerkt nicht die Hipster-Laeden mit Pseudo-Subkultur mit denen sie den gesamten Osten von London versaut haben.

    Das Problem liegt doch ganz woanders, naemlich am Gemeinschaftsgefuehl. Wie du schon sagtest, das „Mia“ hat sich in ein „Ich“ verwandelt und das ist schade. Muenchen koennte soviel an frischer Kultur gebrauchen, Platz fuer junge Kuenstler, Freiraeume in denen noch nicht alles vorgegeben ist.

    Der Alte Botanische Garten ist eine Schande, die Isarufer mittlerweile zu reglementiert und streckenweise plattgetreten. Die oeffentlich Raeume brauchten liebevolle Zuwendung und zwar nicht nur in Form von teuren Blumenkuebeln in der Innenstadt — hier liegt der Verdacht nahe, das dies hauptsaechlich fuer die Touristen getan wird.

    Dennoch, ich kann Claudia nur zustimmen. Verbringe mal ein Jahr hier in London — dann weisst du was chronische Erschoepfung mit einem macht!

    Beste Gruesse!

  •   I love Munich
    Mai 5th, 2017 um 13:23

    ..vielleicht lebte es sich in München ja wieder schöner, wenn alle wegzögen, die es hier so schlimm finden….!

  • Im Urlaub ist es immer schöner :-)
    Natürlich bekommt man immer tolle Eindrücke, wenn man reisen ist. Dort wohnen ist leider was anderes..

  •   Florian Gränzer
    Mai 5th, 2017 um 13:30

    ein Traum! …der Artikel, leider nicht die Stadt.
    Genauso ist es, das latent Gefühl in der Stadt endlich mal in Worte gefasst.

  • Ja und nein.

    Kurzbesuche in anderen Städten sind wie Affären. Immer aufregend, ohne Alltag, ohne Routine.

    München ist dann die hetero-normative leidenschaftslose und vernünftige unter den Mensch-Stadt-Beziehungen.

  • Da schreibt jemand einen wirklich sachlichen, toll geschriebenen Artikel über Stadtkultur und es wird einfach in die Schublade „Münchenhass“ gesteckt. Ich fühle mich extrem wohl hier. So wohl, dass ich es in Kauf nehme, wirklich ungern Gäste von außerhalb zum Essen zu empfangen, sobald es über den obligatorischen Wirtshaus-Besuch hinaus geht. So gerne, dass ich Nächte ohne Kioskbesuche, spätes Versacken in neu entdeckten Kneipen und Weg-Biere hinnehme. Ich liebe München so sehr, dass ich Döner-Tourismus nach Berlin und Dim-Sum-Tourismus nach Düsseldorf betreibe und trotzdem immer wieder komme. Das ist kein Hass. Das sind Beobachtungen und es ist nicht endgültig.
    Nina Schild

  • Gut geschrieben, auch wenn es meinen subjektiven Eindruck überhaupt nicht wiederspiegelt. Ich lebe seit mittlerweile 10 Jahren in München (davor Berlin, ein Jahr in Washington, ein dreiviertel Jahr London, dazwischen kurz mal in Köln und Wien), und muss sagen, dass ich nirgendwo so gerne gelebt habe wie hier. Hat vielleicht auch mit dem Alter zu tun, aber schon auch damit, dass die Lebensqualität objektiv gesehen sehr hoch ist. Und es eine wirklich schöne und entspannte Stadt ist, vor allem im Sommer (was ich persönlich von sehr wenigen Städten behaupten würde – vielleicht bin ich auch einfach nicht der „urbane“ Typ). Egal wo auf der Welt ich gerade war, jedesmal wenn ich nach München zurückkomme, überkommt mich ein wohliges Gefühl, das ich als lange „Heimatloser“ so nie zuvor gekannt habe. Für mich stellt sich dann eher die Frage: Wieso sollte man irgendwo anders leben wollen? :)

  • Hallo Max,
    vielen Dank für Deinen lustigen, ironischen und gleichsam informativen sowie ernstzunehmenden Artikel.
    Ich lebe gern in München. Aber ich sehe auch, was an Lebensart fehlt. Nur habe ich es selten so auf den Punkt gebracht gelesen. Amazing, génial, bravo… toll.
    Hoffen wir, dass sich etwas bewegt – gern in dem Tempo, wie die Stadt an Einwohnern gewinnt.
    Gruß,
    Bente :)

  • Wow!
    Ich fühle mich so verstanden!!!
    Max Scharnigg, dankeschön!
    Hammerartikel!!!

  • Schöner Text, man wünschte er würde einem Ziegelstein gleich in die Amtstuben tausendfach geschleudert werden und dort immer die Richtigen treffen. Wird er aber nicht. Und da liegt auch das Problem: der Münchner hat sein anarchisches Erbe vernachlässigt und die Zuagroaßten mussten es nicht lernen. Am Ende ist das Leben für viele nur noch eine Suche nach dem „best-in-class“ Wohnraumsieg, dem „besten Italiener/Café/Steakgrill“-humblebrag vor den Freunden und der nölige Ennui der nach der, bereits erkalteten Wut über die Gentrifizierung kommt. Noch klebrigerer Rest der Heimatverbundenheit 4.0: die ewige Nibelungentreue für den verdammten Fussballverein. Alles ein dicker Flokati der seelischen Aufgeräumtheit mit blitzsauberen Gedanken und grundanständigen Motiven die vollkommen sind in ihrer Konformität.

    Das ist aber nicht alles und das ist auch kein exklusives Münchner Problem. Denn es gibt auch in dieser Stadt unfassbar viele kleine Details, Refugien, Störungen und schräge Schönheiten. Sie sind nur weniger leicht zu konsumieren als in London, Paris oder auch nur Hamburg. Die wird keine Lokalbaukommission und keine Gewerbeaufsicht jemals töten können. Die müssen nicht erhalten werden, die müssen immer aufs neue begangen werden. Selber. Nicht von den anderen. Und ohne Genehmigung. Geht hier, geht überall sonst. Auf geht’s!

  •   Sebastian
    Mai 5th, 2017 um 15:03

    Danke.

  • Hallo Max,

    humorvoll und sehr war geschrieben. Ich lebe seit 21 Jahren in London und habe die Passagen sehr interessiert gelesen. Vieles liegt hier im Argen, aber die Leute sind einfach glücklicher als die Münchner obwohl es ihnen finanziell nicht so gut geht. Etwas mehr Lebensmut und weniger Bürokratie würde München gut tun.
    Danke für den Artikel
    Stefan

  • seit ein paar Monaten habe ich das Gefühl, ich muss weg von München. Ich bin hier geboren und habe München geliebt, konnte mir NIEMALS eine andere Heimat vorstellen, egal wo auf der Welt! Ich bin keiner, der sagt, früher war alles besser, aber wenn ich ans München der 60er/70er Jahre (72 Olympia-Hype!) zurückdenke, kommen mir die Tränen. Denn ich sehe heute wie Max NICHTS mehr von Aufbruch oder -Stimmung. Bestenfalls Betäubung, aber nur mit legalen Drogen, wozu inzwischen vor allem Geld gehört… Shopping in den Einkaufs-Arkaden ist der neue Vollrausch für smartphonende burnout-Zombies. S-/U-Bahn ist für mich der Horror, denn wo früher Bekanntschaften durch Augenkontakt entstanden, könnte ich mir all diese Smombies auch aus Titan gegossen vorstellen, als Substitut für die roboterhafte Arbeit eines Münchners aus Fleisch und Blut.
    Hatte ich in den 90ern das Gefühl, in 5 Jahren auf dem Land das (Münchner) Leben zu versäumen, würde ich jetzt sogar das ehrliche Landleben von damals vorziehen, wenn nicht auch dort schon die Neureichen ihre Krakenarme auf jedes Seegrundstück ausgestreckt hätten, so dass Du Dir dort – wie in München – nichts mehr leisten kannst. Meine Liebe wurde schleichend abgelöst von einem einlullenden Sicherheitsdenken: geordnete, klinisch saubere Stadtviertel, wenig Kriminalität, wenig Arbeitslosigkeit, keine Wetter-Katastrophen, kaum Anschläge und weit genug weg von den Orten, wo Schlimmes passiert(e). Doch ab 20:00 lebendig tot sein will selbst ich noch nicht, dann vielleicht doch lieber ein bisschen mehr Risiko, aber eben Abenteuer, die nicht von A-Z durchorganisiert sind!
    Der Artikel gibt meinem zunehmend deprimierenden Heimatgefühl wunderbare Worte! Ich weiß jetzt, dass ich nicht alleine so empfinde und dass auch jüngere Münchner spüren, dass hier vieles falsch läuft. Früher war der OB ein Mann fürs Volk, jetzt sagen ihm die Konzerne, was München für sie bereit zu stellen hat. Uns fragt längst keiner mehr, Hauptsache Arbeitsleistung und Steuern werden pünktlich abgeliefert. Wer sich nicht dauerbekifft oder zusäuft kann das nicht mehr aushalten. Ausser er gibt sich mit einer von 300 identischen Schuhschachtelwohnungen zufrieden, mit Aldi und Discount Bäcker um die Ecke. Aber der weiß halt auch nicht, wie Weißwürste, Bier und Brezn schmecken sollten, oder dass Händlmeier dazu die einzige Option ist. Ich bin übrigens trotzdem zu 90% Vegetarier… ;)

  •   Eventhelfer Rs
    Mai 5th, 2017 um 15:32

    Bin ich voll bei dir Günter! Ich Liebe München! Wir haben es nicht weit in die Berge! Oft Fön und damit ideales Sonniges Wetter! Nette Menschen! Sauber! Man kennt sich schnell aus und kommt überall auch ohne Auto zu Recht! Wem München nicht passt, kann gern gehen

    Jetzt am Wochenende ist wieder lange Nacht der Musik! Gibt es übrigens auch nicht in jeder Stadt! Das verbindet uns Münchner denk ich auch! Viele Events übers Jahr verteilt! Ich bin jetzt kein Wiesn Fan und drücke mich da gern vor! Auch wegen dem Massenauflauf und dem Alkoholkonsum! Aber wer es mag

    Mia san Mia

  • Danke dass Sie mir aus der Seele gesprochen haben.

  • Die Münchener haben es gut. Die haben einen Mann wie Scharnigg. Frankfurt hingegen ist so scheiße, dass alle schon weggezogen oder begraben sind. Oder dahinsiechen. Niemand mehr da, der diesem Dreckskaff den Todesstoß versetzen kann. So rein intellektuell gesehen, meine ich.

  • Ein Diamant von einem Text. Ich rahme ihn mir ein und häng ihn mir an die Wand. Wirklich.

  • Voll ins Schwarze getroffen! Vielen Dank für die Zeilen voller Herzblut und Herzwut. Klares publizistisches Wochenhighlight.

  • Ich dachte bisher, es liegt an mir mit 52. Jetzt weiß ich, warum ich mich in München so fühle wie ich mich fühle. Sehr, sehr treffender Text. Vielen Dank. Er zeigt Münchens Dilemma in seiner ganzen Tragik. So schön, so fad.

    Trotzdem mag ich diese Stadt, wo meine Töchter, ich, meine Mutter, meine Oma und meine Uroma geboren und aufgewachsen sind. Wo ich mich zu jeder Zeit unbesorgt bewegen kann, wo ziemliches vieles ziemlich gut funktioniert und der Himmel blauer ist als irgendwo anders in Deutschland. Wenn es nicht gerade 14 Tage lang bei 10 Grad durchregnet.

    Das Problem ist, dass immer von allen Seiten gefordert wird, München möge bitte urban, schick und hip sein. Dabei ist München überall da toll, wo es gerade NICHT versucht, urban, schick und hip zu sein. Wer es urban mag, soll halt nach London, Paris oder Barcelona (geile Stadt) gehen und versuchen, dort kleine Kinder großzukriegen, viel Spaß.

    Münchens Problem sind die Migranten. Nämlich die Wirtschaftsmigranten aus dem Norden. Die, die es geschafft haben, in 50 Jahren eine ganze Kultur samt Sprache nahezu auszurotten. Was an München unsympathisch ist, sind doch nicht die zu vielen Bayern. Das sind die Eltern von Leander und Finnegan mit ihrem schnöseligen Manufactumgehabe, die es nach Jahren in München immer noch nicht kapiert haben, dass man Grünwald und Planegg auf der zweiten Silbe betont, das ist die BMW-Armada an jedem (j-e-d-e-m) netten Ausflugsziel rund um München, und das ist der nervig-plappernde Tonfall am Nachbartisch, oder Spielplatz, oder See oder einfach scheißüberall. (Wieso reden Preißn eigentlich immer lauter als alle anderen?)

    Und als Letztes: die Architekten. Ihr kommt alle in die Hölle. Schon mal drüber nachgedacht, warum eine fünfstöckige römische Mietskaserne aus der Kaiserzeit besser aussieht als jeder moderne Neubau? Wo ist eigentlich der Fensterbogen geblieben? Warum sind schöne Ornamente, an denen sich bisher noch jede Stilepoche erfreuen durfte, so dermaßen radikal ausgerottet worden? Warum sind Plätze in anderen Ländern so anziehend und gemütlich, und in München müssen wir etwas so gründlich Missratenes wie den völlig falsch konzipierten Harras ertragen? Warum müssen Wohnblocks auf eine Länge von gefühlt zwei Kilometern völlig gleichförmig gestaltet werden? Und wer verbietet endlich das pissfarbene Bauherrengelb?

    München, du liebe, du hast deine besten Tage lange hinter dir, aber du hast sie auch vor dir, wenn du dich wieder traust, du selber zu sein und nicht die blondgefärbte Fakeversion einer Großstadt.

  • Na sauber, da bilde ich mir als echter Münchner und Gastronom auf mich und meine Stadt ordentlich was ein und jetzt lese ich das.
    Ich hab mich schon lange gefragt ob das nur so ein Gefühl ist oder ob mich nicht tatsächlich irgendwas juckt in meinem Stolz.
    Aber jetzt weiß ich’s…mit diesem Text ist mir ein Lichtlein aufgegangen. Schöner Mist.
    Aber dafür fang ich morgen mit dem ändern bei mir an… schau mehr mal dann seng mas scho, hat der Herr Valentin mal gesagt

  •   MarkusMM_1
    Mai 5th, 2017 um 16:10

    Na sauber, da bilde ich mir als echter Münchner und Gastronom auf mich und meine Stadt ordentlich was ein und jetzt lese ich das.
    Ich hab mich schon lange gefragt ob das nur so ein Gefühl ist oder ob mich nicht tatsächlich irgendwas juckt in meinem Stolz.
    Aber jetzt weiß ich’s…mit diesem Text ist mir ein Lichtlein aufgegangen. Schöner Mist.
    Aber dafür fang ich morgen mit dem ändern bei mir an… schau mehr mal dann seng mas scho, hat der Herr Valentin mal gesagt

  •   Bernhard Riedt
    Mai 5th, 2017 um 16:20

    Lieber Herr Scharnigg,
    ich bin schon lange Fan Ihrer Artikel in der SZ. Normalerweise ist das noch kein zureichender Grund, einen Autor mit der eigenen Begeisterung zu nerven, aber da jetzt ja vermutlich der Shitstorm über Sie hereinbricht, wollte ich Ihnen doch mitteilen, dass Sie mir (und nicht nur mir) dermaßen so was von aus dem Herzen geschrieben haben. Von Einheimischen und Auswärtigen wird München geradezu absurd überbewertet. Wenn man dann mal diesen muffeligen, lebensunlustigen Alltag am eigenen Leib erlebt, vergeht es einem schnell. Vielen Dank für diesen „Grant“ – und schöne Grüße an den Kollegen Matzig, der ja auch in sehr sachkundiger Weise die städtebauliche Leistungsverweigerung in der Weltstadt mit Herz vorführt.
    Lassen Sie sich bloß nicht beirren. Ausrufezeichen.

  • Der Artikel spricht genau das an, was im Dorf München fehlt. Ich habe mehrere Jahre in Berlin gelebt, auf Reisen die angesprochenen Städte kennen und lieben gelernt.
    München hat eine Menge Nachholbedarf in der Ungenauigkeit, der Kreativität und der Lust an neuen Ideen die umgesetzt werden.

    Danke für den geistreichen, ehrlichen Artikel Herr Scharnigg.

  •   Elisabeth
    Mai 5th, 2017 um 16:29

    Super Artikel, spricht mir aus der Seele

  • Kommentar zu Max Scharnigg’s München Artikel – Verhältniskritik vs. Bashing:

    http://belp.audio/post/160336560407/kommentar-zu-max-scharnigg

  •   Christoph
    Mai 5th, 2017 um 16:34

    Vor 35 Jahren von München nach Köln verschlagen, kann ich nur sagen: Ihr habt’s Sorgen. Aber immerhin, auf funktionierende Rücklichter wird bei uns geschissen.

  •   Zazou Milou
    Mai 5th, 2017 um 17:09

    Ich wohne seit 6 Jahren hier und habe immer noch nicht das Gefühl angekommen zu sein. Woran es liegt?Vielleicht an der Unbekümmerheit und Spontanität, die hier fehlt. Wie du beschreibst, alles wird reglementiert – welche Mauern besprüht werden dürfen, wo gegrillt wird, was verkauft wird, wo man sitzen darf und wer Musik spielt.
    Und eben jenes nach hause gehen. Jeder geht immer nach hause. Es geht so wenig zusammen. Spontan noch was unternehmen. Nachts um 12 einen Kaffee trinken gehen? Unmöglich. Das Unbedarfte – das fehlt mir hier.
    Ich möchte nach meinem Studium eine neue Stadt entdecken. Wo hat es dir besonders gut gefallen? Freue mich sehr über eine Antwort.

  •   StephanN
    Mai 5th, 2017 um 17:16

    Auch wenn sich München gerne die nördlichste Stadt Italiens nennt und noch so oft betont.
    Ist dies ein sehr großer Irrtum.
    München hat genauso viel mit Italien zu tun wie Weißwürste mit mittelscharfen Senf.!gar nichts!
    Regensburg hingegen kann mit der Einrichtung eines römischen Lagers im Jahr 179 eine frühe Ersterwähnung durch den Kaiser Mark Aurel nachweisen. München wurde hingegen erst 1158 zum ersten Mal als forum apud Munichen urkundlich im Augsburger Schied erwähnt.
    Wer schon einmal in Regensburg war verspürt genau diesen südländischen Flair.
    Tut mir leid liebe Münchner sowas lässt sich nicht herbei reden geschweige mit Geld erkaufen.

  • Von Darmstadt bis Dortmund besitzt jede Stadt ihre „Eigenlogik“. Sie erklärt, warum der eine sich dort wohlfühlt – und ein anderer sofort die Flucht ergreift.

    http://www.spektrum.de/news/warum-jede-stadt-anders-tickt/1408835

  • Danke. In deinem Artikel steckt viel Wahrheit, aber es ist noch schlimmer… es sind Personalabteilungen, welche das seelenlose Söldnervolk, das hier beschrieben wird, zusammengeholt haben. Personalchefs, die sich in der verlängerten Mittagspause von Angelina im Stahlgruberring durchprügeln und vollpissen lassen. Ich weiß das, denn ich war dabei. Ich hab das erbärmliche Pack jammern hören und zu Angelina gesagt: „Wenn ich SO EINEN je in die Hände kriege, werd ich ihn eiskalt erschlagen“ Nat. tut man sowas nicht, denn das ist unmünchnerisch geschäftsschädigend und es ist auch vlt nicht ernst gemeint – vlt aber doch :) — Eine Niederbayerin mit französichen Wurzeln, die 16 Jahre in München gewohnt hat

  • Toller Artikel. Kam nach London und Paris nach München und finde es laaaangweilig. In meinem Viertel gibt es Läden (Boutiquen, Cafés), die gar nicht so übel aussehen, leider war ich in 10 Jahren noch nicht drin, da nur Mo-Fr von 10-18h geöffnet. Was soll das? Sonntags läuft man in der Innenstadt und auch in den Vierteln weitgehend durch tote Strassen . In Paris gibts immer irgendwo eine Brocante und natürlich an jeder Ecke ein unspektakuläres, aber nettes Café, in dem man einen Kaffee oder einen Kir bekommt. Hier gibt es nur die Biergärten mit ihrer Humptata Musik. Das ist ja ok, aber eintönig. Doch wie schon jemand geschrieben hat, man darf München einfach nicht mit anderen europäischen Großstädten vergleichen. Es ist und bleibt ein großes Dorf.

  •   Nikolaus
    Mai 5th, 2017 um 17:46

    Nach fast zwanzig Jahren in Wien, bin ich nun seit zwei Jahren in München. Ich kann das nur zu 100 Prozent bestätigen, was du da geschrieben hast. Hoffentlich werden die Münchner durch diesen Text endlich einmal wach gerüttelt…..

  • Vielen Dank für diesen Artikel. So polemisch er daherkommt, er legt den Finger auf einige der richtigen Wunden.
    Ich bin in München geboren und habe 1957-1996 auch da gelebt.
    Das kleinteilige München mit den vielen Handwerkern und kleinen Geschäften-wie oft war ich in der Seilerei am Sendlinger Tor…das ist verschwunden, und alles wird immer gesichtsloser und einheitlicher. Das ist aber nicht nur ein Problem Münchens.
    Wenn ich jetzt in München bin, denk ich oft an Jacques Tati und seinen großen Film „Playtime“. Der stammt aus den Sechzigerjahren, und spielt in einem anonymen Plattenbauviertel irgendwo in der Pariser Banlieue. Man merkt nur, daß man in Paris ist, als irgendwer eine Glastür zu einem Büroklotz aufmacht und man sieht in der Spiegelung im Glas einen Moment den Eiffelturm.
    Das heutige München ist nur noch ein Echo des München, das ich gekannt und geliebt habe. In dems noch einen Milchladen gab und einen Kramer der einem um ein Zehnerl Gummibärchen aus einem großen Glaskrug verkauft hat. Aber das ist halt vorbei, und nichts wird es mehr zurückbringen.

    Am schlimmsten ist für mich das schwachsinnige System der Fahrkarten für den MVV. Und die Menschen lassen sich das seit 1972 einfach gefallen.
    Trotzdem finde ich München im Vergleich zu anderen Städten immer noch durchaus lebenswert. Wenn man das Gedränge und den Massenbetrieb nicht mehr mag muß man halt weite Wege in Kauf nehmen und im Umland leben, wie so viele es tun. Aber viele Mißstände ließen sich leicht abstellen wenn die Beamten ihre Regulierungswut etwas eindämmen würden und man wieder mehr mit dem gesunden Menschenverstand und dem gegenseitigen Respekt anstatt mit wuchernden Vorschriften regeln würde. Dieser Mehltau, der alles abwürgt, das ist der Punkt, an dem Sie wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen haben mit Ihrem Artikel. dankschön und vielleicht wachen mal ein paar endlich auf.

  • Gegrantlt wie ein echter Münchner! Jeder, der seine Stadt liebt, lästert über sie, egal wo auf der Welt.
    Jede Stadt hat so ihren Charakter und das Schöne an einer freien Gesellschaft ist, dass jeder dahin gehen kann, wo es ihm taugt und ggf. auch wieder zurückkommen kann.
    Klar wird gerne über Burnout-Visagen gelästert. Schon mal in Tokyo nachts U-Bahn gefahren? Über kitschige Heimeligkeit gespöttelt. Schon das unheilbare Heimweh in manchen New Yorker Straßen- und Gesichtszügen gespürt?
    München wird oft vorgeworfen zu poliert, zu glatt, zu reich, zu arrogant etc zu sein. Es gibt kaum eine Stadt ohne eine gewisse Prominenz, die sich zeigt, dazu ist Stadt auch da. So wie für andere Lebensentwürfe und Konten. Stadt heißt Stadt, weil sie die verschiedensten Lebensformen beherbergen und gleichzeitig auch funktionieren, heißt akzeptable Lebensqualität bereitstellen kann und das bedeutet Reibung. Und solange München seine Reibungspunkte hat, dürfte sie als echte Stadt durchgehen, oder? :-)

  • Danke für diesen hervorragenden Artikel!! Ich leide seit vielen, vielen Jahren unter der Kleinbürgerlichkeit dieser Stadt!! Grosse Würfe: Fehlanzeige! Die Isar für Restaurants mit Blick auf das Wasser verschönern?? Fehlanzeige! Die Sendlinger Strasse zügig zur Fußgängerzone umbauen – dauerte Jahrzente!! Der Holzplatz im Glockenbachviertel ist wegen eines baufälligen, winzigen denkmalgeschütztem Pissoir seit Jahrzehnten ein Parkplatz für Autos!! Ich reise viel, wenn München nicht JETZT aufwacht und bemerkt, dass in ein paar Jahren die 2 Millionen Einwohner erreicht sind und das klein klein ein Ende haben muss, dann versinkt diese Stadt in Verkehrschaos (10 Minuten Takt / Ubahn – lächerlich) und in prima provinzieller Bedeutungslosigkeit!

  • Genial! Sehr gut geschrieben.
    Ich lebe nun seit 20 Jahren in München und finde es auch nicht mehr die provinzielle Weltstadt mit Herz, die es früher eher war. Minga ist leider etwas kalt, gesichtslos und beliebig geworden.
    Das Jammern ist natürlich immer noch auf hohem Niveau und in anderen Städten ist das Gras nicht unbedingt grüner. Es ist bei mir eher Wehmut über die verlorene Lebensqualität und Gemütlichkeit.

  • Als gebürtige Münchnerin hab ich noch keinen Beitrag gelesen der so ins Schwarze trifft…..!!!!!!
    Hut ab!!
    Irgendwann wird mein München in eine Trabantenstadt verkommen wo sich nichts mehr rührt, Münchnerisch versteht keiner mehr und unsere Bräuche und Traditionen werden zum Spektakel und zur Volksbelustigung der Neumünchner, deren Hintergrundwissen allerdings beschränkt ist, aber auch das der jungen Münchner mit ihrem Neumünchnerisch?!.
    Ich finds schad, das mich auf dem Viktualienmarkt außer de Standlfrauen keiner versteht und ich in der Bäckerei korrigiert werde von Semmel auf Brötchen a rauchzipfe in da Semme ( ess ich seit schon immer) ist jetzt a Bratwurst im Brötchen usw ……..
    Und abends ist München eine Totenstadt, da kriegst nirgendsmehr a Brotzeit nach dem Theater /Oper
    Leider eine sterbende Stadt Ich trauere um meine Heimatstadt
    ….wer mal weggezogen ist, hat kaum eine Chance zurückzukommen, bei den Eigentums – und Mietpreisen
    Nochmal danke für deinen komplexen Beitrag
    Eine im Herzen immer bleibende Münchnerin

  • Super Text! Mal so ne grundsätzlich Frage an den der das hier liest. Is das nun ein Münchner Problem oder eher ein bayrisches? Es gibt ja leider keine Stadt in Bayern, die in Größe und Einwohnerzahl, in dieser Liga spielt und die man Vergleichen könnt. Wenn man sich nämlich Online die Kommentare der Gazetten der Stadt zu verschiedensten Artikeln durchliest, könnte man grad meinen es sei ja eh schon so wie Bagdad hier und überhaupt is immer alles ganz schlimm. Liegt das nun an 55 Jähriger CSU Regentschaft oder ticken die Leut hier einfach anders?

  • Danke. Sie sprechen mir aus der Seele. Dabei haben Sie noch garnicht über die Universität geschrieben.

    Die Mensa in der man auch Schweine füttern könnte, die Gebäude in denen es kaum einen Platz zum arbeiten gibt oder den Witz von Studiausweis (Papier, zum ausstanzen, ja, Sie lesen richtig: AUSSTANZEN – wtf is the 21Century…).

    Generell ist München überbewertet. Klar, wenn man bei den großen 5 der Beratung oder ähnlichen Arbeitgeber beschäftigt ist, dann ist die Sterilstadt attraktiv, die einem mit ihren Luxus Vorzügen die 10 Minuten Freizeit am Tag versüßt. Die Stadt ist wunderbar um in ihr zu überleben aber zwischen leben und überleben ist ein kleiner Unterschied.

    Zum Urlaubmachen eine tolle Stadt aber wie Wochen später wars das auch.

  • Super Provokation! So mag ich des. Mehr Projekte wie der Viehhof mit Bahnwärter Thiel und die geplante Kultur- Spielstätte MS Utting und weniger Drang alles regulieren zu müssen täten München sicher nicht schaden… so entstehen lässige Alternativen zum cleanen Mainstream. Ich kann einige Aussagen und den Grundtenor schon nachvollziehen… aber wenn ich länger woanders bin (und ich bin regelmäßig international unterwegs) hab ich spätestens nach 14 Tagen Sehnsucht nach München: In der Isar mit dem Schlauchboot oder ohne treiben lassen im Sommer. Mit der S Bahn zum See oder Grillen und ausräuchern lassen am Flaucher, wenns abgeht wie die Luzi. Oder mal abschalten im Trail mit dem Radl in den südlichen Wäldern – je nach Laune. Stadtgeschichte erleben mit dem weißen Stadtvogel. Gemeinsam in irgendeinen Biergarten oder zu dem am Viktualienmarkt gehn… sitzen und oide Leit kennenlernen, die einem plötzlich alles Mögliche erzählen. Weißwürscht mit gscheide Brezn essen und dazu a Maß Augustiner zuviel trinken. Mit den Nackten im Englischen Garten joggen ; p Mit der Gang im Hinterhof in Giasing generationenübergreifend “gschmeidig wern“. Aufkleberkrieg spielen mit den drittklassigen Blauen wie im Kindergarten. Die Hot Pant Boys bewundern. Ins Werkstattkino oder ins Filmtheater Sendlinger Tor gehn und nicht zu den Kino- Ketten. Den Schäfflern nach ihrem Tanz ein Selfie abringen. Szenebands mit Stagediving im Backstage oder im Kesselhaus erleben.
    Die Liste könnte ich den ganzen Abend weiterschreiben. Mein griechischer Gemüsetandler an der Ubahn grüßt halt nur hier täglich wie das Murmeltier. München, verdammt ich lieb dich! Doch vielleicht bin ich einfach zu genügsam oder blind vor Liebe… und du könntest allen noch viel mehr bieten.

  • Seit ich mit 18 des Nachts verfolgt von Uniformierten aus dem englischen Garten fliehen musste, weiß ich wie in München die Uhr so tickt. Genialer Rant. Nur der bräsige FCB fehlt :)

  • Bravo! Und auch der Gegenpol von Günter hat seine guten Gründe.
    Ich mag München – auch sehr so wie es ist. Es geht aber um Mehr als Party oder Ruhe, es geht um die Zukunft, nicht um die heute oder morgen, sondern die von übermorgen. Und die beginnt leider auch unausweichlich mit dem, was wir heute tun.
    Wir müssen uns der Frage stellen, wohin talentierte junge Leute gehen, und zwar die, die die nächsten zwei Generationen bestimmen. Wir bekommen als Gemeinschaft jetzt schon zu spüren, dass der talentierte oder engagierte Nachwuchs zahlenmäßig anfängt, auf dem letzten Loch zu pfeifen. Dazu wird die Industrie 4.0 ziemlich vieles durchschütteln – auch das Lebensgefühl. Ich wage einmal die Prognose, dass das Verhalten – wenn auch nicht ideologisch unterfüttert wie in den 60er – sich stark ändern wird, ja bereits ändert.
    Die „Welt“-„Offenheit“ ist heute überall möglich. Sie wird gesucht, gelebt, geliebt, und mit dem eigenen Lebensgefühl gekoppelt. Überzeichnet: Man lebt, wo es einem gefällt. Und wer es nicht wahr haben will: gute junge Leute werden sich dabei ihre Jobs aussuchen können. Dabei gewinnt der erwähnte Sechszylinder in der Wertematrix keinen Lorbeerkranz mehr. Und die ebenso erwähnten Bürgersteige und deren Sauberkeit fallen nicht vom Himmel, sondern werden durch Steuern möglich – die erwirtschaftet werden, von – sagen wir mal grob – Menschen zwischen 30 und 65. Es muss also was passieren.
    Wir müssen uns nicht verbiegen – ein römisches Lebensgefühl werden wir nie hinbekommen, allenfalls wenn wir über einen längeren Zeitraum römisches Klima haben. Und auch dort ist nicht alles Gold, was glänzt, auch wenn man sich bei schier überbordenden Gemüseauslagen morgens in den Straßen im Himmel wähnt.
    Wir müssen aber erkennen, dass Länder wie die Niederlande und Dänemark und auch gewachsene Metropolen im allgemeinen vielleicht einen Tick schneller, zumindest eindeutig offener unterwegs sind, was das neue weltumgreifende Lebensgefühl betrifft. Sie haben womöglich eine bessere Spürnase dafür, wohin sich die Erde dreht. Vielleicht hat das auch etwas mit Lebensgefühl zu tun. Und Fühlen lernt man durch Üben.
    Und da müssen wir als Gemeinschaft – die leider immer weniger gesehen, und auch immer weniger vorgelebt wird (Subjektivismus endet in der Anarchie) – schon die Fühler ausstrecken, Wege in die Zukunft ebnen; gerade auch, wenn wir die Demographie der nächsten Jahrzehnte sehen. Die sich auftuende Chance oder Notwendigkeit durch bürokratische Lethargie zu vertun, wäre für unser wunderbares Land – ich meine nicht nur Bayern – schade, und erst recht für München. Die Geschwindigkeit mit der sich die Welt dreht, verlangt ein stetiges Hinterfragen des „Selbst“-„Verständnisses“ und Handeln (!) in immer kürzeren Abständen – auch in den Kommunen. Da hilft kein Jammern und kein Flehn, so ist es. Die „German Angst“ gegen mehr „Bewußt“-„Sein“ im Entstehenden könnte im Kettenkarussel des Lebens hier und da und ab und an mal leichtfertiger über Bord und das Überkommene der gesunden Neugier geopfert werden. Und vielleicht eröffnet uns der Amtsschimmel 4.0 ja ganz neue Dimensionen, wenn der Algorithmus keine Bedenken mehr kennt.
    A bisserl was geht allerweil. Und mehr verlangt der Artikel nicht, den ich als Hilferuf auf eine geliebte Stadt verstehe. Und da hat er seine fundamentale Berechtigung, ist konstruktiv, weil er Klartext redet. Chapeau!
    Gerade in der nördlichen Stadt Italiens sollte etwas, dem Zeitgeist gemäßer Wandel möglich sein; oder ist das nicht doch Köln? Wo das übrigens mit einem jahrhundertelang eingeübten Lebensgefühl gut harmoniert, auch wenn die Stadt, … ach, lassen wir das.

    Pfiats eich

  • Hallo, ich bin auch regelmäßig in München und finde die Leute sehr offen und herzlich. Das liegt wohl aber daran, dass ich aus Augsburg komme und die Leute hier noch grimmiger sind. Der Unterschied ist nur, dass die Augsburger dafür bekannt sind und deshalb Komiker bei uns ihre neuen Programme testen. Nach dem Motto, wenn der Augsburger lacht dann läuft es überall anders.

  • Der Text spricht mir aus der Seele. Ich brauchte nach meiner Jugend in 90ern und 00ern nur ein Jahr in London um zu merken wie geil eine Stadt sein kann. Und wie sehr München eben genau das nicht ist.

    Seit 5 Jahren bin ich woanders – und so verzweifelt am Geld-Tropf werde ich hoffentlich nie (mehr) hängen, als dass ich in dieses elends-geldig-grantige Loch zurückmuss.

  • Ja, finde ich auch. Alles. Grazie, wie wir Münchner sagen.

  • Wie meist, wird hier mal wieder von „erfahrenen“ Weltenbummlern berichtet wie es denn in der grossen weiten Welt ueberall prächtig ist, nur zu Hause checken „die“ das einfach nicht. (the grass is always greener on the other side of the fence-‚cause it’s fertilised with bullshit)
    Aulandssemester in London, Ferien in Barcelona und sonst ist man ja auch schon voll viel runterkommen und überhaupt is der Lifestyle in Frisco doch viel mehr layed back. Durchaus verständlich in ansaetzen die Kritik an dem grossstadtdorf muenchen, trotzdem meiner Meinung nach zu dick aufgetragen weils halt trotzdem noch eine ziemlich coole Stadt ist. Aber ich wohn auch nicht da sondern komm immer nur ab und an zum urlaub hoam und meine momentane stadt regt mich in voll vielen Bereichen auch voll auf. Z. B. Gibt’s hier nirgends A gescheide weiswuascht. Oiso. Prost.

  • Die Überschrift sagt’s ja schon: Keine Stadt!
    Natürlich ist München keine Stadt, München ist ein Dorf. Welcher Literat hat das auch schon geschrieben, Lion Feuchtwanger, Thomas Mann?
    Dann wird es mit dem Vergleichen schwieriger, denn ein Dorf in diesem Ausmaß ist dann vielleicht doch einzigartig auf der Welt.
    Und das schönste ist der Hauptbahnhof (weil, von dem aus kann man dann halt wegfahren, ganz schnell ganz weit).
    Und ja, mir schreibt der Text auch aus der Seele, die einige Jahrzehnte in München litt. Lebbar war diese Stadt, als ich mir meine Zufluchtsorte aufgebaut hatte, Netzwerk des Überlebens. Und plötzlich war dann auch ein bißchen Leben möglich.

  •   Münchner Nordlicht
    Mai 5th, 2017 um 22:30

    Als gebürtige Müncherin (mit Familie in und um München) und naturverliebtes Bergfräulein musste ich mit Ende 20 mal raus aus der Münchner Regenbogen-Blubberblase. Und nach 2,5 Jahren Leben, Arbeiten und Erleben in Hamburg (mit regelmäßiger Pendelei nach München) zog ich kürzlich zurück in den Süden. Wegen der Liebe. Wegen der Familie und langjährigen Freunde. Wegen der Berge. Gäbe es diese Gründe nicht, va die erwähnten geliebten Menschen, ich wäre im Norden geblieben.
    München ist für mich seitdem noch mehr die aalglatte, immer rausgeputzte, wahnsinnig vermögende Stadt“schönheit“, die vergessen hat, dass eine Stadt von und für Menschen jeder sozialer Colour, jedes finanziellen Status und kulturellen Hintergrunds existieren sollte. München wird – macht es so weiter wie in den letzten 10 Jahren – arm, arm an Lebensvielfalt. Und so noch mehr an Reiz verlieren.
    In Hamburg ist auch nicht alles eitel Sonnenschein, aber die nordische Schwester hat Kanten, mit der kann man nachts um die Häuser ziehen und am Wochenende findet man garantiert um die Ecke eine offene Bäckerei oder ein knuffiges Café. Und welch herrliches Freiheitsgefühl, fern ab der bayrischen Gängelei, kommt auf, wenn man in jedem Viertel noch einen kleinen Supermarkt mit den Basics findet, der nach 20 Uhr noch auf hat. Diese Stadt lebt, in beinahe jeder Ecke, die Menschen engagieren sich wie verrückt für ihre Wohnumgebung, egal ob politisch oder sozial. Hamburg ist die etwas laute, Parka-tragende, freundlich zurückhaltende, aber wenn’s um was geht lautstark diskutierende, engagierte Stadtenthusiastin, mit der man gerne mal ein Bierchen trinken geht.

    Mia san mia kann eben auch echt ein Eigentor sein.
    Mal sehen, ob sich die Stadt“schönheit“ und ich nochmal annähern… bei einem Bierchen. Einem Pils.

  • Seit 1969 lebe ich im Umland dieser ‚ Weltstadt(!!!) mit Herz‘. Diese Stadt hatte die Chance 1972 aus ihrer Provinzialität heraus zu wachsen. Leider hat die Stadt diese Chance vertan. Statt dessen hat sie sich auf dem Immage des Oktoberfestes, dem weltgrößten legalisierten Besäufnisses zurückgezogen. ( Warum spielt der FCB nicht in Lederhosen?)
    Es war nicht angenehm, wenn in den 60ern vor lauter Baugruben abends nicht wusste wie man nach Hause kommen sollte. Aber die Münchener nahmen es auf sich. Münchens Fußgängerzone eine einzige Baustelle vom Stachus bis zum Marienplatz.
    Aber es gab das „Domicile“, das „Why Not“, das “ Blow Up“ oder auch das „Song Parnass“ als Entschädigung. Meinetwegen auch den „Blauen Engel“.

  • Ich, als Münchnerin – wie man so schön sagt, mit migrations Hintergrund – bin in München geboren, aufgewachsen, ins Ausland gegangen, wieder zurück gekommen und lebe jetzt mit meiner kleinen Familie eingepfercht und mittendrin im „Nahbebauungs-Wahnsinn“. Ich hab noch auf der Strasse gespielt mit Sami, Evi, Angelina, Anna,… in den Hinterhöfen getobbt einfach nur gelebt. Jetzt wird jeder Hinterhof mit unbezahlbaren Schickimicki – Einheitsbrei -Lofts zugekleistert – wer erlaubt den Dreck? Lebenswert??? Nein!!! Wer kann sich das den Leisten? Seien wir mal ehrlich, München war schon immer geldig. Aber es gab Raum für alle. Heute: willkommen Segregation. Scheiß Erbengesellschaft!
    Ich bin noch zum Tante-Emma-Laden, wo die Verkäuferin wusste, wie ich heisse, mir einen Lolli oder sonst was auf den Weg gab. Ich bin am Rotkreuzplatz in den Eisenwarenladen und habe mir eine Schraube geholt, heute muß ich zum Baumarkt… Ah, ich könnt heulen. Dann poppen Pop-up Stores auf, die so Einheitbreiig sind, wie die Unterhosen meines Sohnes. Ich geh in die selben Kneipen, wie schon vor 25 Jahren und denk mir: es hat sich nichts geändert, nur jünger ist das Publikum geworden. Da sitzt man chillig im Cafe im Sommer und wird um 22:00h verscheucht. Kinder dürfen nach 18:00h auch nicht mehr auf die Strasse, da wird man gleich schief angeschaut. Wir wohnen quasi grad mittendrin im Glockenbachviertel, würden gerne den jüngeren unsere Wohnung überlassen, sollen die doch Spaß haben und weggehen – wir ziehen gerne weg, aber wohin? Wohnungen a) unbezahlbar, b) an Airbnb, Mr. Lodge, etc. „untervermietet“ (zum kotzen), dabei haben wir Hotels wie Sand am Meer (Siehe Arnulfstrasse). Die Isar ist am WE vollgekackt und man muß der Ameisenkolonne folgen (is wohl auch besser wegen der ganzen Scheiße). Ah und aufpassen, das man nicht von kläffenden und in der Stadt wildgewordenen Hunden angepisst, gebissen oder umgeworfen wird oder von deren Hundehalter. Sorry, liebe Hundehalter, aber bitte warum lasst Ihr die Hunde zwischen die Autos kacken oder mitten auf den Bürgersteig??? Früher haben wir gerne Ausflüge ins Umland gemacht – heute kotzen wir, wenn wir am Samstag Richtung Süden fahren müssen, wir bleiben lieber in der Stadt! Diese Autokolonnen sind nicht zu ertragen. Liebes München, liebe Politiker, bitte macht die Augen auf und macht München wieder Lebenswert! Gibt jungen, kreativen und Familien die Chance was aufzubauen. Wir brauchen nicht den xy-Kettenladen (Bsp. Sendlingerstr.). Ich könnt noch ewig schreiben, muß mich mal ausk… . Gute Nacht!

  • Du hast recht. Ich muss hier weg.

  • Danke!

  • Das kann ich unterschreiben.

    Natürlich kann man sagen, dass man erst einmal lange genug in einer dieser angepriesenen Städte gelebt haben muss, um zu erkennen, was dort im argen liegt.

    Ich habe selbst mehrfach für einige Jahre in anderen Metropolen gelebt – und dennoch hat es mich immer wieder zurück nach München gezogen.

    Ich liebe diese Stadt. Und das obwohl sie teilweise zum Gähnen langweilig ist. Aber sie müsste es nicht sein. Dazu können wir ganz leicht einen innerdeutschen Vergleich anstellen: Wenn man in Berlin auf die Idee kommt, sich einen Würstchengrill-Bauchladen um den Ranzen zu schnallen und Currywürste zu verkaufen, dann geht das klar. In München dagegen wäre sowas undenkbar … Foodtrucks – die sind lediglich auf Privatgrundstücken mit entsprechender Genehmigung des Eigentümers zulässig. Ja, wo samma denn?! …Nur ein Beispiel, das zeigt wie sehr die Lebensqualität in dieser Stadt tot-reglementiert wird. Die Damen und Herren des KVR und anderer verantwortlicher Behörden, täten gut daran, sich den Sand aus der Muschi zu kratzen (damit meine ich selbstverständlich auch die Männer, liebe Gender-Pussies!) und endlich einen Blick über den Tellerrand zu werfen.

    München ist schön, geordnet und sauber. Aber das ist alles andere als eine Glücks-Formel. Wertemäßig ist München zwischen den 60er und den 70er Jahren stehen geblieben – zumindest in den Reihen derjenigen, die über die vielen „Kleinigkeiten“ entscheiden, die München so entscheidend prägen.

  • Das kann ich unterschreiben.

    Natürlich kann man sagen, dass man erst einmal lange genug in einer dieser angepriesenen Städte gelebt haben muss, um zu erkennen, was dort im Argen liegt.

    Ich habe selbst mehrfach für mehrere Jahre in anderen Metropolen gelebt, und trotzdem hat es mich immer wieder zurück nach München gezogen.

    Ich liebe diese Stadt. Und das obwohl sie teilweise zum Gähnen langweilig ist – obwohl das wirklich nicht so sein müsste.

    Dazu können wir ganz leicht einen innerdeutschen Vergleich anstellen: Wer in Berlin auf die Idee kommt, sich einen Würstchengrill-Bauchladen um den Ranzen zu schnallen, und Currywürste zu verkaufen, der kriegt das ohne allzu großen bürokratischen Aufwand auf die Reihe. In München dagegen wäre sowas undenkbar.

    Foodtrucks … die sind lediglich auf Privatgrundstücken mit entsprechender Genehmigung des Eigentümers zulässig. Ja, wo samma denn?! … Nur ein Beispiel, das zeigt wie sehr die Lebensqualität in dieser Stadt tot-reglementiert wird. Die Damen und Herren des KVR und anderer verantwortlicher Behörden täten gut daran, sich den Sand aus der Muschi zu kratzen (don’t be a gender bitch: I mean everyone!) und endlich einen Blick über den Tellerrand zu werfen.

    München ist schön, geordnet und sauber. Aber das ist alles andere als eine Glücks-Formel. Wertemäßig ist München zwischen den 60er und den 70er Jahren stehen geblieben – zumindest in den Reihen derjenigen, die vielen „Kleinigkeiten“ entscheiden, die München so entscheidend prägen.

  • Sehr spannender und lustiger Artikel Dennoch ist so ein Artikel auf jede Stadt kopierbar. Alles hat sein für und wider. Zieht doch bitte alle in eine schönere Stadt, dann habe ich den einen Fluss und die voll gekackten Parks für mich ;)

  •   VinzentVegas
    Mai 6th, 2017 um 07:16

    Sehr viele Jahre ist München jetzt schon meine Heimatstadt. Mit diesen Jahren ist mir die Stadt immer mehr ans Herz gewachsen. Viele Orte und auch Städte habe ich seitdem gesehen und die meisten davon fand ich auch sehr angenehm, einige davon besuche ich deshalb immer mal wieder. Was ich bei jeder Reise empfinde ist die Freude beim Heimkommen, wenn es wieder in „meine Stadt“ geht.

    Mit diesem guten Gefühl in dieser Stadt zu leben stehe ich offensichtlich nicht allein da. Weshalb sonst wächst wohl die Einwohnerzahl stetig. So manches Gespräch habe ich mit Einwohnern von München und auch Menschen geführt die nicht hier wohnen. Da wurde beispielsweise das Kulturangebot, aber auch besonders das Sicherheitsgefühl angepriesen. Meine Freizeit plane ich meist sehr spontan und habe regelmäßig nicht das Problem vor reservierten Tischen kapitulieren zu müssen. Das mag daran liegen, dass ich mehr als 20 Lokale kenne in denen ich mich sehr wohl fühle und diese Lokal auch gar keine „Szenelokale“ sind. Ich denke dabei zum Beispiel an einen Italiener in dem eine grantelde Kroatien bedient oder ein Bayrisches Lokal das von Sachsen, unter Verwendung der dort typischen Landessprache, geführt wird. Gut diese Lokale kenne nicht jeder, aber sie sind zu finden.

    Klar ist München gefällt sicher nicht jedem; gut so. Die Preise sind schon sehr hoch, woran mag das liegen, wohl auch an der hohen Nachfrage wieso gibt es die nur?

  • Klasse Artikel! Kurze Frage: Hier hat gestern jemand einen sehr unterhaltsamen Kommentar über London geschrieben, ich kann ihn aber nicht mehr sehen. Wäre super, wenn er hier nochmal veröffentlicht oder mir zugesendet werden könnte!

  • Versuch in München mal ab 23/24 Uhr nen Döner oder anderes Fastfood …. sagen wir mal im angesagten Glockenbachviertel zu kriegen…. da musst Du Dich schon auskennen.

  •   Münchnerin
    Mai 6th, 2017 um 07:53

    Man kann mit Sicherheit einige der hier genannten Punkte bemängeln. Der Artikel hat aber einen schweren strukturellen Fehler, der mich ärgert:
    Wenn man innerhalb von 15 Monaten in 15 Städten lebt, kocht und radelt, dann ist man in jeder Stadt einen Monat lang. Kurz genug, um von den schönen Seiten verzaubert zu bleiben, die Banalität auszublenden, die Ärgernisse charmant zu finden, allem, was man sieht, etwas abgewinnen zu können. Vielleicht sind die Öffnungszeiten anders, vielleicht die Ladenstruktur, sehr wahrscheinlich die Menschen. Aber: einen Monat verzaubert sein ist leicht. Urlaub halt. Alltag haben hingegen, sprich: mindestens ein Jahr an einem Ort sein, in einen Job zu gehen wo die Kollegen nerven, auf die Öffis warten, feststellen, dass das mit dem Zeitungsabo nicht klappt, über Lebensmittelpreise den Kopf schütteln, Ärger mit dem Vermieter haben, sich Dinge erst mal leisten können müssen, das Bier kacke finden: erst ab da ist ein Vergleich, wie er hier angestellt wird, zulässig. Nicht vorher.

  • Grandios beschrieben. Grandios zusammengefasst. Ich – ein gebürtiger Hamburger – habe 16 Jahre in München gelebt. Von 1999-2015. Der Job brachte mich in den Süden. Und es begann wie eine große Liebe. Ich fand München toll. Das Wetter. Die Menschen. Das Oktoberfest. Die saubere U-Bahn. Die leckeren Leberkas-Semmeln. Den Odeonsplatz. Dass man überall zu Fuß hingehen kann. Die tollen Ärzte. Den Englischen Garten. Die Biergärten. Da gab es schon einiges. Ich mochte eben alles, was es so in Hamburg nicht gab. Und dann? Dann wurde aus Liebe Hass. Jedes Jahr ein bisschen mehr. Erst war es Unverständnis. Dann Ärgernis. Dann Antipathie. Dann blanker Hass.

    Als ich 2015 mit meiner Familie in meine Heimat Hamburg zurückgezogen bin, habe ich fast geweint vor Glück. Ich habe durchgeatmet. Hatte wieder das Gefühl von Freiheit. Leben und Leben lassen. Kam mir vor, wie aus einem Gefängnis entflohen. All die Dinge, die du genannt hast, waren die, die auch mich in den Fast-Irrsinn getrieben haben. Dazu – und das fehlt vielleicht noch in deiner sonst so treffenden Beschreibung- diese Abzocken allerorts. In München wird kassiert, was nur irgendwie geht. Alles ist extra teuer. Die schäbigen Wohnungen. Die Suppen. Die Drinks. Die Restaurants. Das Leben. Alles. Parken in der Stadt? Ausgeschlossen. Kostenlos sowieso. In München musst du nachts, wenn du einen Freund in Schwabing besuchen willst, auch im Wohngebiet um 22:00 einen Parkschein lösen. Einen Parkschein. Im Wohngebiet. Das glaubt einem hier in Hamburg niemand. Natürlich muss man in der City und bei den Einkaufs Hot Spots auch in der Hansestadt einen Parkschein lösen. Logo. Aber wer in Hamburg ein paar Schritte geht, parkt fast überall gratis. Und man kann auch abends mal spontan mit dem Auto los, ohne 1 Stunde Parkplatzsuche. Und sonst nimmt man eben den HVV. Die U-Bahnen fahren hier ständig, regelmäßig, fast ohne Störungen und das seit 1910 (?). Alles easy also.

    Die Liste könnte auch ich endlos fortsetzen. Ich habe mich immer gefragt, was ich nach 16 Jahren in Minga wohl vermissen würde. Hier. Im hohen Norden. Und die ehrliche Antwort? Nichts. Naja. Fast nichts.
    Meinen grandiosen Physiotherapeuten Simon. Zwei bis drei Ärzte, die ich für fachlich top halte. Und Käfer. Nicht, weil ich da immer eingekauft hätte, aber weil ich das immer soooo lustig fand. So typisch München. So unique. So einmalig in Deutschland.

    Mehr fällt mir auch bei längerem Überlegen nicht ein. Eine traurige Bilanz nach 16 Jahren, oder?

    Hamburg ist und bleibt meine Heimat. Für keinen Job und kein Geld der Welt würde ich mich wieder an die Isar begeben. Schade eigentlich …

  •   Ritschie
    Mai 6th, 2017 um 08:49

    Sehr viel Wahres in deinem (G)Rant.
    Leider.
    Und schade ist das.
    Vor allem für uns Münchner.

  •   Helmut Ullrich
    Mai 6th, 2017 um 08:55

    Wunderbar beobachtet, gut analysiert und herrlich auf den Punkt gebracht! Als Dortmunder mit viel München-Erfahrung spricht mir Dein Beitrag aus der Seele. Auch ich bin, wie Du, oft in ausländischen Städten unterwegs und habe dasselbe festgestellt, insbesondere in Brüssel. Deshalb glaube ich auch, dass es kein spezielles München-Problem ist, das Du beschreibst, sondern ein deutsches Problem. Hier fehlt einfach diese besondere Lässigkeit. Vielen Dank für Deinen Bericht, werde öfter mal hier vorbeischauen.

  • Liest sich wie ein Manifest der „urbanauten“ und das einzig erkennbare Provinzielle ist die Forderung nach 24/7 Alloholverkauf im öffentlichen Raum, Bespielung schönster Stadtlandschaften mit billigem Tand und dem netten Dorfkramer um die Ecke, bei dem man auch nach 18.00 Uhr nicht einkauft. Gähn.

  •   Katharina
    Mai 6th, 2017 um 09:25

    Also, vieles, was Du geschrieben hast, stimmt ja. Ich bin gebürtige Münchnerin und wohn hier schon immer, bis auf ein paar Jährchen in Wien und recht viele Städtetrips.
    Ich wohn auch in Laim und hier ist nix, das ist total wahr. Nur am Willibaldplatz ist halbwegs was los, sonst ist hier Wüste mit ein paar Dönern und einem hässlichen McDonalds und eventuell noch dem Detterbeck, den ich aber zum Sitzen nicht so gut finde – dafür gibt es aber den Schmidhofer mit tollem Schmalzgebäck. Aber es gibt schon auch Stadtviertel – Glockenbach, Neuhausen, Schwabing, teils auch Sendling und das Westend – wo das anders ist. Selbst die Gegend um den Waldfriedhof bringt mehr.

    Könnt also sein, dass dein Blick auch etwas getrübt von Laim ist, weil es hier in Laim zwar noch wirklich schöne Grünanlagen und auch alte Häuserblocks gibt, aber sonst leider kaum was.

    Wo ich dir aber total widersprechen muss: Die Münchner Parks sind super. Und nicht nur die Parks, auch die ganz simplen Grünanlagen. Ich hab auch in Wien gelebt, also das meiste, was sich dort „Park“ nennt, ist eine hundeverschissene Grünanlage. Ist einfach so (übrigens hat auch Wien extrem trieste Bezirke). In München und grade in Laim hat jede Straße eine schönere Grünanlage, die wirklich eine gute Bepflanzung und auch einen Spielplatz hat. Der Hirschgarten ist super zum Picknicken, die Spielplätze dort top, auch der Westpark hat seine schönen Seiten (wenn auch leider teils verborgen unter den Rauchschwaden der vielen Griller). Der englische Garten ist wunderschön, grad auch abseits der üblichen Wege und auch der Olympiapark, grad in der Gegend vom Ackermannbogen, ist eine echte Oase. Selbst der Ostpark ist so schlecht nicht. Und der Nymphenburger Schlosspark ist unglaublich, sommers wie winters, ein Traum, wenn die Kanäle zufrieren, das Limulus Café nebenan beim „Mensch und Natur“ auch super. Den Parks von München tust Du wirklich unrecht, ich bin auch viel rumgekommen und so schöne gibt es kaum. Wo Du nur recht hast: Die Gastronomie könnte dort schon besser sein. Aber selbst der von dir gescholtene alte botanische Garten ist im Frühjahr ein Meer aus bunten Blumen, die Wiesen lila von Krokussen, der Spielplatz ist gut und das Gasthaus mit Biergarten dort hat Zimtschnecken von der Zimtschneckenfabrik.

    Generell ist die Gastronomie in München natürlich wirklich nur punktuell gut und ein Studentenleben gibt es gar nicht, weil hier fast nur Turbostudenten studieren. Eine Großstadt ist München nicht, in der Hinsicht ist Wien, trotz mittlerweile gleicher Größe, wirklich anders. Aber München ist sehr grün, hat schöne Spielplätze und ein paar gute Cafés (die aber echt mehr sein könnten). Es ist halt streckenweise echt übel kleinbürgerlich und was den Umgang mit Kindern angeht, schüttel ich oft den Kopf. Kleines Beispiel: Ich bleib mit dem Kinderwagen beim Aussteigen von der U-Bahn hängen. In Wien stürzen drei Leute herbei, um mir zu helfen, in München werd ich angeplärrt, warum das so lange braucht, und man selbst wäre ja auch mal mit dem Kinderwagen unterwegs gewesen und „sowas“ wäre einem nie passiert. Da fehlen einam dann oft die Worte. Freundlich und zuvorkommend sind die Münchner selten, leider. Wenn man in einer anderen Stadt mit dem Stadtplan an der Ecke steht, wird man oft angesprochen, ob man Hilfe braucht. Sowas gibt es in München nicht.

    Dafür ist die MVG aber kinderwagen- und rollstuhlfreundlich, in Paris ist das eine echte Totalkatastrophe, da kommst mit Kinderwagen kaum rum, weil die Metro so mies ausgebaut ist in der Hinsicht (und nicht nur in der, Paris ist mittlerweile echt abgefuckt).

    Ach ja, und was noch nicht stimmt: Das „Kleeblatt“ von der Donnersbergerbrücke bis Pasing aus „Rossmann, Lidl, Apo und Tengelmann“ ist gar nicht so oft vorhanden. Bzw. ist meist jetzt „dm, alnatura, aldi und apo“ :-).

  •   Konstantin
    Mai 6th, 2017 um 09:47

    Vielfaches Beipflichten, auch von meiner Seite! Diese generelle Lebensunlust, der Hang zum situationsunabhängigen Umständlichen – ein Münchner oder aber ein generell deutsches Problem?
    Es kommt auf den Blickwinkel an: Warts schon mal längere Zeit in Stuttgart? Do drahts da d’Zähanägl auf! Da lob ich mir dann doch mein München.

  •   Reinhard
    Mai 6th, 2017 um 10:07

    Netter Artikel, aber austauschbar.
    Ist unser Problem wirklich, ob es um 00:00 Uhr noch irgendwo Döner gibt?
    Mich wundert, das über das ach so hippe Berlin nicht gejubelt wird. Wird ja auch gnadenlos überschätzt.
    Köln? Also ne…
    Mailand? Kenne ich wirklich gut Flanieren nach der Oper ja. Aber war schon jemand außerhalb des inneren Rings? Der wird München lieben.
    Wer war schon einmal in Los Angeles? Da möchte ich nicht Tod übern Zaun hängen. Machen schon genug andere.
    Jammern und granteln auf hohem Niveau – ist ja auch was

  •   Kolumbus
    Mai 6th, 2017 um 10:14

    Ihr Text ruft in jedem Fall gehörig Reaktionen hervor.
    Ich bin auch 37, auch ein 80er Baujahr, mein McDonalds war der im PEP. Ein Soziologie-Studium und 4 Jahre als freischaffender Musiker später denke ich mir, dass die meisten Leute die hier wohnen selbst der Grund dafür sind, wieso München ist wie es ist. Die meisten sind aus wohlkalkulierten Gründen hier oder hierher gekommen. In meiner Timeline auf Facebook teilen 10 Leute ihren Artikel die von ihrer Mentalität her genau solche „Fachmenschen ohne Geist“ sind, für die München das optimale Pflaster darstellt und die im Atomic Cafe Indie Hymnen singen. Ich finde München aus vielen der Gründe gut, die sie nennen. Das beste an der Isar ist doch, dass es dort nur 4 Kioske gibt. Das Gesamt-Bedürfnis nach Irrationalität stillt 1860 München allein. Wenn die Münchner wilder sein wollen, ist das wie wenn die letzten Halbstarken aus dem Jahrgang in der K12 auch anfangen zu trinken und dich dabei mit „wir“ anreden.

  •   Katharina
    Mai 6th, 2017 um 10:29

    Noch eine Frage: Von den 138 Kommentaren, die es zu diesem Artikel geben soll, krieg ich nicht mal die Hälfte angezeigt … Woran könnte das liegen?

  •   Tom Oskar Ortleb
    Mai 6th, 2017 um 10:47

    15 Städte in 15 Monaten … im Schnitt also einen Monat in jeder Stadt verbracht.

    Völlig klar, dass der Autor in dieser Zeit kaum einmal an der Oberfläche dieser Städte gekratzt haben kann. Um sich einen Vergleich anzumaßen sollte er stattdessen in jeder dieser Städte mehrere Jahre lang gearbeitet, gelebt und sich ausgiebig in verschiedenen (z.B. sozialen, kulturellen, …) Kreisen bewegt haben, wie es für ihn in 25 Jahren München offensichtlich der Fall war.

    Tom (kein Münchner)

  • Es gibt wenig mehr Münchnerisches als über München so richtig abzugranteln – ich habe den Artikel mit viel Freude gelesen.

  •   Lucius Titius
    Mai 6th, 2017 um 11:08

    So schaut’s aus. Wenn’s nicht Schwabing, Gärtnerplatzviertel und mein Viertel, Haidhausen gäbe, hätt‘ ich mich längst aufgehängt. So wie sich das Lehel. Und auch sonst doadlts überall, wo es schön ist. Weil wer für 1 Million eine überrenorvierte 100qm Hiabern kauft, der mag keine Boazn im Eedgeschoss, sondern höchstens ein Pseudohippes Weinlokal, wo die ganzen zugereisten mittlerweile 50+ Dax-Angestellten hocken und sich anfaden. Mei, aber sicher haben wir es hier. Und tolerant sind wir – vor lauter Erschöpfung, weil der Schmarrn hier so groß ist.

  • Ich bin in München geboren, aufgewachsen und habe bis vor 5 Jahren dort gearbeitet. 7 Jahre vor meiner Rente sind wir auf`s Land gezogen. Warum bin ich aus der Stadt die ich geliebt habe fortgezogen? Weil ich München nur noch als stumpfes Umfeld für meine Arbeit empfunden habe. Meine Arbeitszeiten und die Staus wurden im Laufe der Jahre immer länger – macht nix, in München kann man sowieso nichts anderes mehr machen. Die Menschen drumherum wurden immer desinteressierter – macht auch nix, ich muss es ja nimmer lang aushalten. Die Menschen wurden immer unzufriedener und bösartiger – ist natürlich ein subjektives Empfinden.
    Seit 7 Jahren bin ich nun in vielen unterschiedlichen Städten ohne Zeitdruck unterwegs – atme regelrecht gierig das fröhliche Treiben dort ein und weiss genau was München so fehlt – es gibt kein „Leben und leben lassen“ mehr!

  • Warum fragt denn keiner nach dem Ude, der das 20 Jahre verbockt hat? Und soooo beliebt war, dass einem schon schlecht werden konnte.

  • Ob es eine Errungenschaft ist, sich jeden Abend im Pub volllaufen zu lassen und mittags sas immergleiche Take Away am Schreibtisch in sich rein zu stopfen, wage ich zu bezweifeln.

    Abgesehen davon sind ja einige gute Ideen dabei, die im typisch deutschen Gejammer leider ein bisschen untergehen. Also: aufhörn zu jammern, raus gehen und selber was in die Hand nehmen!

  •   Thilo Exner
    Mai 6th, 2017 um 12:35

    München ist das Singapur Europas. Minus der modernen Architektur. Ebenso steril und öffentlichkeitsscheu.

    Auch ich bin hier geboren und lebe hier seit 29 Jahren, nachdem ich auf dem Land aufgewachsen bin.

  • @ Kolumbus:
    Teile den Kommentar. Ich bin auch gebürtiger Münchner und kann mir solche extravaganten Reisen nach Rejkjavik usw. wie der Blogger hier nicht leisten. Aus meiner Sicht ist es doch einerseits angenehm, dass München ein Dorf und keine Stadt ist. Aber klar, es wird lebensleerer. Warum? Na eben, weil die ganzen Reichen hier ihre Eigentumswohnungen kaufen und die ganzen gebürtigen Münchner aus der Stadt vertreiben. Selbst Hasenbergl oder Neuperlach wird gentrifiziert ohne Ende.
    Das sind die Probleme, die Stadt ist doch nur wegen den Jobs noch gut. Sonst gar nichts. Das echte bayerische Biergarten-Erlebnis wird auch nach und nach hier verschwinden. Wiesn ist nur noch ein Event für zahlungskräftige Touristen und nicht für Münchner. So, was sollen wir Münchner also langsam denken von „unserer“ Heimat? Genau, wir verschwinden freiwillig aus dem Hamsterrrad um den letzten bezahlbaren Wohnraum und selbst Cham erscheint uns plötzlich reizvoller!

  •   Valentin65
    Mai 6th, 2017 um 13:04

    …es wäre nicht gut genug, dass man es nicht noch besser machen könnte. Dies gilt selbstverständlich auch für unser ??? mein geliebtes München. Aber sich selbst runter machen – grundlos ? Nein – denn es gibt, so wie ich es lese, einige schwache Punkte in dieser Stadt an denen wir unbedingt weiterhin feste arbeiten müssen. Ich denke der Artikel bringts, wen auch überspitzt, in vielen berechtigten Punkten ans Licht, was da noch oder wieder im argen liegt und von UNS unbedingt verbessert werden muss. Perfekt „grantelt“ so stell ich mir einen echten Münchner vor, der seine diese Stadt liebt und es nie aufgeben wird, seine weltoffenen Erfahrungen, für ein noch herzlicheres !!! & noch schöneres ??? München einzubringen. Es gibt bei Gott, wirklich noch viel zu tun – Pack ma`s – gerne helfe ich hier weiter gerne mit – bin 65 Jahre & habe keine Lust auf Rente und als Münchner im Himmel bin ich lieber hier, als noch weiter oben !

  • München ist eine Falle.

    Nichts anderes.

  • Jeder der in einer Stadt aufgewachsen ist, kennt all ihre Schattenseiten und kann diese im Schlaf auflisten. Ich finde aber, Sie machen es sich zu einfach. Sie vergleichen Schattenseiten einer Stadt mit dem Licht anderer Städte – da hat München keine Chance.
    Nehmen wir London: Wussten sie dass Sie in den meisten Bars um kurz nach elf Uhr ihr letztes Bier bekommen, weil um Mitternacht Speerstunde ist? Oder dass die Clubs die danach noch offen haben, so teuer sind dass es sich viele nicht leisten können? Oder so zwielichtig, dass sie schon mal bei einem Säureangriff verletzt werden können? (genannter Club ist für Londoner Verhältnisse noch nichtmal wirklich zwielichtig). Oder dass sie für einen den Termin bei dem Ihnen zugewiesenen (!) Hausarzt 2 Monate warten? Der Alte Botanische Garten ist wunderschön im Vergleich zu Drogenumschlagplätzen im Osten und Süden Londons die sich Parks schimpfen. Oder dass man eineinhalb Stunden nach Hause braucht nach Mitternacht, weil keine U-Bahn mehr fährt und man sich die Wohnung im Zentrum nicht leisten kann? Oder dass viele Londoner von „hässliche, niedrige, kleine Isolierfensterwohnung“ träumen, weil die besser sind als die verschimmelten, nicht isolieren, heruntergekommenen Gemeindebauten?
    In Londoner Polizeibericht finden sie weniger Pensionisten, da die Stadt ernstere Probleme hat, dort finden sich: Morde, Jugendbanden und Vergewaltigungen.
    Oder war sie mal in einem der ärmsten Stadtteile in London? Dort gibt es keinen Rossmann und Tengelmann, dort gibt es überhaupt keine Infrastruktur mehr.

    Das alles gesagt. Ich liebe London und habe es geliebt dort zu leben. Aber wie jede Stadt hat sie ihre Schattenseiten. Wenn sie die Schwächen der einen Stadt mit den Stärken einer anderen vergleichen, ist das verdammt einfach, eine Stadt schlecht dastehen zu lassen. Ein bisschen mehr Mut zu mehr Objektivität könnte dem Artikel ganz gut tun.

    P.S. Sie können auch für andere Städte solche Listen aufstellen, den alle haben ihre Probleme und Schattenseiten. Lissabon und NYC vielleicht mehr als Kopenhagen.

  •   Alexander
    Mai 6th, 2017 um 15:24

    Warum gegen München wettern? Es gibt keine einzige gescheite Stadt in Deutschland, die auch nur annähernd mit „New York, London, Berlin, Paris, Mailand, Wien, Lissabon, Porto, Reykjavik, Rom, Stockholm, Triest, Budapest, Zürich und Kopenhagen“ sowie Amsterdam, Dublin, Athen, usw. zu vergleichen wäre. Deutsche Städte sind grausam. München schneidet da im deutschen Vergleich noch gut ab.

  • Lieber Max Scharnigg,
    klar ist München nicht die hipste aller Großstädte. Wobei ich die Vergleichsgrößen Rom, London etc. schon ein bisschen ungerecht finde. Man könnte den Blick ja auch nach Stuttgart richten. Oder Hannover…
    Wie dem auch sei: Ich bin heute Nachmittag durch den Hirschgarten geradelt. Der liegt hinter dem Laimer Bahnhof, also genau zwischen dem Lidl und dem Kinderpsychologen. Kackende Hunde habe ich dort keine gesehen, dafür jede Menge Menschen, die irgendetwas anderes taten: Frisbee-Spielen, Slack-Line-Laufen, In-der-Sonne-liegen… Trockene Brezen gibt’s im Hirschgarten auch, neben allen möglichen anderen Speisen, die allerdings münchen-spezifisch überteuert sind und auch nicht besonders gut schmecken. Die Leute, die da grillen (ja, das darf man!), bringen sich deshalb auch selbst was mit. Schweinenacken und Bier oder Lammkotelett und Ayran, je nachdem. Nach Dax-Konzern sehen die übrigens auch nicht aus, zumindest nicht nach der Headhunter-Liga.
    Vielleicht schluckst Du an einem der kommenden Wochenenden mal Deinen Grant runter, kaufst einen Kasten Bier und setzst dich gemeinsam mit ein paar anderen München-Verächtern dazu. Kann vielleicht Spaß machen!

  • Fürderhin kann ich dem von Ihnen verfassten Artikel beipflichten. Aber auch nur fürderhin. Sie haben München „gut eingefangen“ aus der Sicht eines – mit Verlaub – Jungspunds. München hat – man möchte es nicht glauben – liebenswerte Seiten. Diese liegen allerdings auch immer in den Augen des Betrachters.
    Ihnen empfehle ich das grundsätzliche Münchner Gfui: „Gemma strawanzen!“

  • I bin a Zugroaste. Warum ziehst Du nicht einfach mal in eine andere Stadt, wenn Du es hier zum Kotzen findest? ich verstehe die Münchner nicht. Ein Leben lang kommen sie nicht raus aus ihrer Stadt. Nur mal ein paar Tage Urlaub machen in London, Stockholm oder Mailand ist was Anderes, als da dann zu leben. Einfach mal den Horizont erweitern kann ich jedem Bayern nur mal empfehlen. Sie trauen sich in der Regel leider kaum über die bayerische Weischwurstgrenze. Hahahahahaha

  • Sehr geehrter Herr Scharnigg, Ihre Bücher finde ich fabelhaft. Ihre München Schelte leider redundant. Wir sind längst kein Dorf mehr, Neuperlach ist in den 70iger Jahren entstanden, in der Augustenstrasse ist ein Haus scheusslicher als das andere, und leider vergessen Sie, dass im Gegensatz zu Paris, Lissabon, Zürich und einigen anderen Städten München im Krieg stark zerstört wurde. Schon allein deswegen kann man europäische Städte nicht vergleichen. Desweiteren hat jede Stadt in jedem Land seine Kultur. In Wien die Kaffeehauskultur, der Römer geht ebenso wie der Lissabonner ins Kaffee frühstücken und für den Deutschen ist das Abendbrot wichtiger ,als das Mittagessen des Portugiesen. Desweiteren: in München: laue Sommernächte? In Rom, in Lissabon und anderen südlichen Städten aufgrund der klimatischen Verhältnisse normale Zustände, in München sind dies Ausnahmezustände. Wenn in Lissabon nicht seit drei bis vier Jahren Touristenmassen durch die Innenstadt laufen würden, wäre auch diese Innenstadt verödet und die Präsenz der in allen grossen Innenstädten dargestellte Mode von Konzernen eher sichtbar. Ihre Kritik an München ist einfach nur doof. Und ein Vergleich von Städten ist grundsätzlich blöd. Jede Stadt hat ihren ganz eigenen Charakter und jeder Reisende findet in der zu bereisenden Stadt was Anderes, was ganz besonderes, was erst bei dem Reisenden entdeckt wird. Die eigene Stadt ist so bekannt und vieles sieht man dann nicht mehr, weil man immer die gleichen Wege geht. Kürzlich am Samstag mittag auf dem Elisabethmarkt ein Kaffee entdeckt, super Stimmung. Familien mit kleinen Kindern die auf dem Spielplatz waren, die Eltern entspannt bei einem Kaffee, ältere Leute die sich ausgetauscht haben und ganz viele Leute auf den Parkbänken und der überfüllte Spielplatz am Josephsplatz…. etc etc. Sie sollten sich mal wieder umsehen.Die Innenstadt ist nicht das Herz einer Stadt. Und Ginja saufen bis der Boden klebt nicht die Ultima Ratio

  • Traurig, was mit München und dem Umland passiert ist. Ich könnt nur noch heulen. Alles im Namen des Wirtschaftswachstums. Als gäbe es nichts anderes mehr. Mal sehen, wo das noch hinführt. Man kann jetzt schon nicht mehr in die Berge oder an die Seen. Alles voll. Da kann man nur noch flüchten. Und das als Einheimischer.

  • Lieber Max,
    Du hast einerseits Recht und gleichzeitig doch nicht…

    Jeder der in München geboren und aufgewachsen ist, wird sagen: „des is nimmer des München des was mia kennt ham…!“
    Da hat er natürlich Recht, aber jede Stadt verändert sich, so wie sich jeder Mensch im Laufe seines Lebens verändert.

    Ich hab viele Jahre nicht in München gelebt und bin nun mit meiner Familie wieder hier, allerdings in einem Vorort.

    Meine Frau kommt nicht aus München und wenn wir gemeinsam mit unserer Tochter durch meine Heimatstadt flanieren kommt bei mir jedesmal das ein wehmütiges Gefühl hoch und ich sag dann zu meinen Lieben: „Mei, da war früher noch ein ganz anderer Schuppen drin… und da hat früher der Dings an der Tür g’standen…! Und da drüben bin ich mit meinen Spezl’n immer noch auf ein Bier gegangen, wenn’s eigentlich schon gelangt hat…
    Und jetzt ist alles anders…!“
    Meine Frau sagt darauf immer:“Ja und! Du bist auch nicht mehr der der du mal warst und deine Spez’l übrigens auch nicht!
    Also Akzeptier die Veränderung, schau dir deine Stadt mit neuen Augen an und Du wirst immer noch hin und wieder dein altes München entdecken, denn dazu brauchst Du nur deine Freunde und die bleiben dir, wenn es richtige Freunde sind,ein Leben lang!“

    Also Max!
    Hör auf zu lamentieren! Die Stadt verändert sich
    Und wir uns mit ihr!
    München ist vielleicht nicht mehr das was wir kennen und was wir von unserer Heimat erwarten, aber wir sind vielleicht auch nicht mehr das was unsere Heimat von uns erwartet…

    Übrigens, Tokyo ist auch nicht mehr die Stadt die ich vor 30 Jahren das erste mal besucht habe …
    London, Stockholm und Boston auch nicht.
    Ja, und nicht einmal Mühldorf am Inn ist gleich geblieben…
    Bis auf die meisten Friedhöfe in allen diesen Städten…die verändern sich selten…

  • Schade, dass hier nur das Negative zur Sprache kommt. Man muss vielleicht ein echter Münchner sein, um die kleinen Details wertzuschätzen. Sag mir nur eine Stadt in der Welt mit so etwas wie „Gemütlichkeit“. Im englischem gibt es keine Übersetzung dafür und die Welt beneidet uns um dieses Lebensgefühl welches in einem Atemzug mir „Ars Vivendi“ genannt werden kann. Und zeig mir nur eine einzige Stadt, in der es etwas ähnliches wie unsere Biergartenkultur gibt. Da ist etwas Tiefgründiges im Münchner, was Zugereiste oder aber auch sehr junge Menschen nicht verstehen. Hier gibt es noch nicht die amerikanische Unverbindlichkeit, nicht die rheinische Oberflächlichkeit oder Berliner Schnoddrigkeit – wenn man genau hinsieht, ist da echtes menschliches Interesse. Ich meine nicht das Münchner Nachtleben mit all den Show-offs (welche es übrigens in jeder der genannten Städte gibt). Hier gibt es keine echte Herzlichkeit für denjenigen, der sich der Stadt ohne pauschale Vorurteile und arrogante Scheuklappen öffnet und nur für den…sorry, es liegt an jedem selbst, ob man München liebt und München Dich liebt. Wem es nicht gefällt und wer nur das Negative sieht soll doch bitte seine Wohnung frei machen, für diejenigen, die hier gerne sind. München braucht keinen Vergleich. Es ist was es ist und es war -leider- wie es mal war. Wir Münchner trauern um das „dörfliche“ was hier so durch den Schlamm gezogen wird. Eigentlich sehnen wir uns doch alle nach einer menschlichen Gemeinschaft versus großstädtischer Anonymität. Wenn Weinflachen zur nächtlicher Zeit ein Bewertungskriterium sind, dann finde ich das eher traurig. Muss rund um die Uhr Halligalli sein? Müssen alle Innenstädte mir H&M, Karstadt, Pimkie, Tchibo & Co. gleich aussehen? Muss immer alles hip sein? Nein, finde ich nicht, denn warum auch? Dafür gibt es ja genug geklonte andere Städte. In München ist nicht alles rosig und verklärt – wie in jeder anderen Stadt auch. Jedem bleibt es selbst überlassen, worauf er den Blick richtet. Auf das was fehlt oder auf das, was man hat. Es ist immer eine individuelle Entscheidung…

  • Cool, danke! Endlich mal jemand, der seine Stadt M. nicht immer mit Eigenlob versieht. Das machen Münchner übrigens als einzige gerne. Kein Einwohner der anderen Städte käme auf die Idee, sich ständig selbst für die Tollsten zu halten und das rumzuposaunen. Auch müssen Bayern mal langsam begreifen, dass es Preußen seit 100 Jahren nicht mehr gibt. In Berlin sagt schon ewig niemand mehr Preußen. Tja, so ein Seehoferisches Paradies will sich eben irgendwie abgrenzen. Mehr von außen, nicht von innen.

    München mit Paris, Rom, London, Lissabon, Berlin,.. zu vergleichen, finde ich auch vermessen. München ist keine Hauptstadt. München muss sich am Reichtum messen lassen, der hier rumschwirrt. Für eine der wohlhabensten Städte der Welt, ist ein solches Ergebnis wirklich armselig. Nicht mal die Strassennotbeleuchtungen aus den 60er Jahren, die einem immer schön hässlich ins Foto hängen, konnte man mal im 21. Jh. ersetzen. Aber was soll man hier schon ablichten… die kleinquadratischen Gehwegplatten aus den 70ern? Darauf stolz zu sein, Weltstadt, pffff… Schäm dich, reiches bayerisches München!

    Ok, aber es gibt eine Sache, die München besonders macht. Vielleicht nicht immer mega, aber im Vergleich herausragend. Ein Kunstareal, dass seinesgleichen sucht. Wo bitte gibt es sonst 3 (!) Pinakotheken auf einen Haufen? Und Kunsthalle, Haus der Kunst, Brandhorst, Lenbachhaus, Villa Stuck um nur die zu nennen, die man gesehen haben muss! Für eine Nicht-Hauptstadt ist das Over-the-Top. Ganz ehrlich, nur so halte ich es in München aus. ;)

  •   Daniel Löw
    Mai 6th, 2017 um 23:59

    Avant la façade

    Bin heute das erste mal hier. Die SZ hat mich hierhergeführt bzw. Ihr lieber Kollege Marc Baumann, ins besonders mit seiner durchschaubaren Phrase: „Jetzt hat Max (wir kennen uns, er ist ja auch bei der SZ) auf seinem Blog geschrieben,…“

    Hat der gute, liebe Kollege Baumann sowas geschrieben, an Sie, ganz so, als müsse er Sie, den Vergesslichen, plump mit einer ebenso plumpen Phrase daran erinnern: Hey, wir kennen uns doch, du bist doch auch bei der SZ – Hey, Du bist doch einer von uns! Von uns SZ’lern, wie kannst Du uns nur so ins geliebte Münchner Nest scheißen!?

    Sie, Herr Scharrnig, haben aber leider nicht ins Nest geschmutzt, sondern selbiges Geschäft nur davor verrichtet, also Avant la façade –
    Das wiederum passt doch ausgezeichnet zum SZ-Stil per se. Immer schön vor der Fassade bleiben, niemals dahinter schauen, und schon gar nicht davon und darüber schreiben.
    Erbärmlich ist beides, und da seid ihr euch alle gleich, von der SZ, und ganz bei euch sowieso, bei der nächsten Halben in der Boaz’n ums Eck sowieso oder spätestens in eurem betonharten und glasverspiegelten Elfenbeinturm in der Hultschiner Straße.
    Wer hat diesen Hochbau der Hässlichkeit eigentlich bezahlt? Die SZ war doch eigentlich schon pleite, bereits vor Baubeginn, dieses stalinistischen Betonklotzes?!

  • […] Stimmenzwilling, regelmäßige Leser des Newsletters erinnern sich), hat in seinem Blog einen Rant auf München geschrieben und warum in anderen Städten alles viel besser ist. Das liest sich, wie immer bei Max, sehr, sehr […]

  • Hallo Schnarnigg,

    dein Bericht ist genial und spricht mir aus der Seele. Habe Persönlich auch viele Städte in meinem Leben gesehen, und muss sagen JA- München ist wie eine plastik Barbie Puppe/ wer will mit sowas eine Beziehung eingehen?

    Dein Bericht sollte jeder möchte gerne Städteplaner bekommen, egal ob München mitte, Garching b. München oder Fröttmaning, alles Trostlos… Trabantenstädte:-)

    Bin in Athen (GR) aufgewachsen, ich weiss nicht unbedingt DIE Stadt, aber hat Charakter…

    Vielen Dank für deine Mitgeteilten Gedanken,

    Liebe Grüße

    Al3k5…

  • Fantastisch geschrieben und genau auf den Punkt. Wenn man andere Städte kennt und in anderen Städten gewohnt hat, weiß man was dieser Stadt fehlt: Humor, Gelassenheit, Kreativität und Offenheit und, wie Du es gut beschreibst, Leben ! Ich bin gebürtige Münchnerin aber ich lebe seit vier Jahren mit meinen Teenager-Söhnen in Barcelona und bereue es keine Minute.

  • Lieber Max Scharnigg,
    auch ich bin viel in der Welt herum gekommen und finde Ihre Schrottladung etwas ungerecht.Sicherlich sind Ihre Ansätze über die Münchner Gesellschaft, über das Leben in dieser schrecklich sauberen, anstrengend gepflegten sicheren, kinder und tierfreundlichen Stadt nicht ganz unwahr. Alles läuft so in Bahnen, München hat furchtbar viel Regeln und Verkehrsschilder die unnötig sind.Es gibt in den Parks tatsächlich überall diese Ständer mit den Kakatüten, könnte daran liegen, dass die Stadt verhindern möchte, dass die vielen tausend Menschen die hier an Ihren freien Tagen ihre Zeit mit Ball spielen, grillen,Seiltanzen, picknicken etc. verbringen,nicht in Kake treten. Eine Erklärung, warum in München nicht an jeder Ecke ein Foodstand bzw. ein Foodtruck ist, könnte daran liegen, dass der Münchner sich Zeit fürs Essen nimmt und lieber in Gesellschaft in der Mensa bei einem netten Gespräch sitzt als sich was im vorbeigehen und alleine hineinstopft.Er ist eben ein Genießer.Ganz ehrlich klingt Ihr Artikel nach einem hungrigen Mann, der sauer ist, dass er des nächtens in dieser Stadt nicht kulinarisch verwöhnt wird.Irgendwie wie ein typischer Münchner der vor sich hingrantlt, weils net ganz so genau lauft wie er es jetzt gern hätt.

  • […] bisschen grantig war diese Woche der wunderbare Autor Max Scharnigg – und zwar über München. Sein sarkastisch, böser und auch irgendwie auch herrlicher Text […]

  • Nicht dass nicht auch vieles absolut verbesserungswürdig wäre in dieser Stadt, aber dass in den letzten 10 Jahren hier nichts Gutes entstanden wäre… sammeln wir doch mal:
    – Isar Plan
    – Pinakothek der Moderne
    – NS-Dokzentrum
    – HFF
    – Jede Menge Restaurierungsarbeiten
    (Frauenkirche, Theatinerkirche, Kirche LMU, alte Pina….)
    – Tunnel, die Anwohner vor Lärm schützen

  • Lieber Herr Scharnigg,

    viele Menschen in München spüren das, was Sie in Ihrem Artikel beschreiben. Ich lebe seit 30 Jahren in München. In dieser Zeit hat sich die Stadt enorm verändert, aber eines ist meines Erachtens relativ gleich geblieben. Die Akteure der Stadtpolitik verwalten die Stadt immer noch so, also ob sie eine homogene ländlich geprägte Stadt wäre. Das ist sie aber längst nicht mehr.

    Zudem wird in dieser Stadt viel zu sehr überreguliert und zu wenig Freiraum zugelassen. Diese Frage sollten wir uns schon stellen, warum andere Städte es schaffen, Cafe- und Barbetriebe an jeder Ecke mit dem restlichen Leben in Einklang zu bringen und bei uns ist außerhalb des Mittleren Rings nicht mehr viel los. Oder warum es in dieser Stadt kein Latino-Radio gibt oder ein türkisches, da hier immerhin über 40.000 Türken leben?

    Ich habe selber keine schlichten Antworten parat auf diese Fragen. Aber eines fällt mir auf: es scheint die Verwaltung dieser Stadt leitet ihre Handlungen von dem Grundsatz ab, dass alles verboten ist, außer das was ausdrücklich erlaubt wird. Der Leitsatz sollte aber heißen: alles ist erlaubt, außer das was ausdrücklich verboten ist. Dann kann eine lebenswerte Stadt auch liebenswert werden.

  • […] München ist, ähnlich wie Berlin, eine Stadt die man hasst oder liebt. Es gibt da wenig dazwischen. In den letzten Tagen ging ein Text von Max Scharnigg durch meine Filterblase. Ein klassischer Grant über München. „Grant. Oder: Keine Stadt, nirgends“ […]

  • Unfassbar geil geschrieben. Max. Merke ich mir.

  • Ich habe früher auch so über München gedacht und bin entzürnt in ferne Länder gezogen. Gleich nach dem Abschluss an der LMU bin ich nach Asien gezogen und kam nur noch zum Besuch zurück. München war schon immer teuer und in meiner alten Hood, dem Glockenbachviertel hat sich alles zum Schöseltum verändert. ABER meiner Meinung nach wird München immer besser. Wenn ich die Isarauen sehe und wie schön sie erhalten sind, wie viele Nachbarschaften kleine Cafés und Läden aufmachen, und um wieviel freundlicher und besser der Service geworden ist… Es ist schön.

    Wenigstens gibt es jetzt Apotheken mit netter Beratung an jeder Ecke, kleine Brunch Cafés mit herrlichem hausgemachten Essen und früher war der Egarten komplett zugeschissen, man musste immer genau hinsehen wo man sich niederließ. Inzwischen kann man sogar über den Bürgersteigrand laufen ohne in Haufen zu treten.

    Ich war letztens in Toronto, und obwohl es so eine schöne Stadt war gab es auch dort viele Schattenseiten, man konnte nicht in die Parks da voll mit betrunkenen Grattlern, ständig wurde man angebettelt, und man kann nicht wie in München in so ziemlich jedes Restaurant gehen ohne die Bewertungen zu lesen da man sonst widerliches Essen bekam.

    Und wenn dir Lissabon so gefällt, dann lass dich dort von einem Junkie anschreien und bedrohen während du Kaffee trinkst, so wie es mir erging und lästere dann über das saubere geordnete München wo man abends meistens unbehelligt nach hause fahren kann.

    Ich lebe immer noch im Ausland und werde dort wohl auch bleiben, aber so über München herzuziehen ist jammern auf extrem hohem Niveau, da gibt es noch ganz andere Ecken.

    Ja, die Bahnen fahren viel zu wenig, die Leute sind oft noch recht grantig / arrogant und es ist immer noch schwer Anschluss zu finden. Aber es ist nicht mehr so wie früher, wo die zickige Kellnerin dir den Latte auf den Tisch knallt, mit dir auf einer Party keiner redet weil du nicht zur Clique gehörst, und Penner auf der Straße pöbeln. Zumindest komme ich immer wieder gerne zurück.

  • Sehr geehrte Vorredner und Nachredner, ebenfalls Sehr geehrter Herr Scharnigg, sicherlich sind die Regelungen in München z.Teil absurd ( Luftsteuer, Reglementierung der Freisitzplätze vor Cafés und Restaurants, Sperrzeiten ab 22 Uhr etc.) – immerhin wurde die Regelung der Toiletten (getrennt Männlein/Weiblein und Pflicht einer Toilette abgeschafft): dennoch, wenn ich meine Freunde in Lissabon höre, die verstreut durch die Stadt wohnen höre, daß von März bis einschl. Oktober die Tuk-Tuks von morgens bis abends durch die Stadt rauschen, die Kneipen kaum gesetzliche Ladenschlusszeiten haben, Leute in ihren Wohnungen nicht mehr schlafen können, weil unten in den Kneipen bis in die frühen Morgenstunden Remmidemmi ist; meine Lieblingspension in Lissabon fast pleite gemacht hat, weil wegen des Lärms keine Touristen mehr gebucht haben, finde ich eine durch die Stadt verordnete Ruhezeit ab 22 Uhr in Ordnung. Dies steht im übrigen auch in jedem Mietvertrag drin. Und nicht nur in denen von München.
    Architektur ist immer Geschmackssache; auch mir gefallen die Neubauviertel an der Dachauerstrasse nicht besonders gut; Ackermannbogen ist auch Gechmackssache, die GWB Bauten vermissen auch eine gewisse Phantasie – nur Bauen in preiswert und damit auch Mieten die sich der Otto-Normalverbraucher leisten kann, zu gewährleisten, verlangt eben eine schnelle und z.Teil auch uniforme Bauweise. Vielleicht sollten Sie Herr Scharnigg dem Baureferat und der Stadt München mal einen ausgearbeiteten Stadterneuerungsplan vorschlagen und konkrete Änderungswünsche in den Stadtrat einbringen. Vielleicht hilft dies mehr, als einen Generalabklatsch gegen einen Stadt vorzubringen, die, im Vergleich zu anderen Städten ein volles Stadtsäckel, quasi Vollbeschäftigung, eine grossartige Kulturvielfalt und darüberhinaus noch über eine fantastische Isarlandschaft und Gartenlandschaft verfügt. Daß es im Sommer und an warmen Tagen überall voll ist, ist kein Wunder und dies ist in anderen Süd-und Nordeuropäischen Städten an schönen Tagen nicht anders. Seien es die Strände in Spanien, Portugal, Italien oder sonstwo. Es findet ja nicht nur in München Tourismus statt – und wo flanieren die Leute?, da wo es schön ist und sich die Leute gerne aufhalten. Algarve im August: fahren Sie da mal hin: grauenvoll. Es gibt eben kaum noch kleine Oasen, ausser dem eigenen Balkon, wenn nicht genau gegenüber ein Bolzplatz ist. Und wenn es Ihnen hier nicht passt, dann ziehen Sie doch auf eine kleine versteckte Alm ins Allgäu. Da herrscht dann Ruhe, allerdings auch ohne Wlan.

  • Nun ja, das flippige, verrückte, subkultige fehlt immermehr in dieser teuren und zunehmend sterilen Stadt, ja verspannt, ungemütlich, unstädtisch, verloren … kommen es vielen Menschen vor. Der Grund könnte in den hohen Mieten und der gewaltigen Mobilfunkturmdichte liegen, die einfachen und spontanen Leute verlassen das Schiff, alle müssen arbeiten um ihre hohen Ausgaben zu schultern. Die Gentrifizierung solcher Viertel wie Haidhausen, Sendling oder jetzt Laim spricht für sich. Was wäre das geeignete Gegengift? Zuwanderer, Migranten, Ausländer ……

  • Lieber Max Scharnigg und alle die sich jetzt mit „keine Stadt nirgends“ auseinandersetzen.
    Es gibt einen Ort in München, da ist all die Kritik exemplarisch auf den Punkt gebracht. Man könnte ihn den „ALLES VERBOTEN PLATZ “ nennen. Bei mir heisst er “ Das schwarze Loch Münchens“ Wenn man sich von Osten her nähert, fühlt man schon aus einigen Metern Abstand, vor allem winters, den Sog ins depressive. Mit Ausnahme zweier Berufsgruppen kennen die in München lebenden Bürger unter 70 Jahren den Ort nicht mehr. Dabei war er so richtig belebt, als der Mario begonnen hat mit Pizza seine Heimat nach München zu verlagern.
    Er wurde dann so erfolgreich beruhigt, dass er schon länger tot ist. Obwohl ein ortsansässiger Autohersteller einen Showroom von Anbeginn bespielt und immerhin der ach so soziale und erfolgreiche Fussballverein der Stadt und seinem hochangesehenen Ehrenmann an der Spitze Laden fläche wegnimmt, weil er sein Souvenirlager, versteckt hinter grimmigen (oder grantigen) Fotos unserer Helden in der Nähe seiner Shops braucht. Der absolute Stolz des Vermieters.
    Nicht einmal die ortsansässige grosse Zeitung bemerkt den zum Himmel schreienden MissStand, obwohl ansonsten fast täglich Artikel über das sich verändernde Stadtgefüge plaziert sind und ordentlich gejammert wird.
    Und dieser Ort befindet sich nicht in Fürstenried oder Feldmoching.
    Zum einen steht er im Lexikon für Weltarchitektur und zum anderen zwischen Stachus und Marienplatz. Ahnt jemand, welchen Platz ich meine?
    Und er gehört zu den schönsten in Münchens „inner Circle“ zum Herz.
    Ein Dornröschen mit viel Valium im Tiefschlaf und bloss nicht wecken – VERBOTEN.
    Aber ist nicht eine Stadt auch immer ein Abbild seiner Bewohner ?
    Für mich die grosse und oft gestellte Frage:
    Wem gehört die Stadt.
    Und was tun.
    Ich würde ja so gerne meine Heimatstadt innigst lieben und einiges dafür tun, man rennt gegen Granit, nicht nur in Bayern heisst das Mia san mia.
    Vermutlich dauert es in Bayern halt wieder mal viel länger als sonstwo, bis die Obrigkeit kapiert, dass es ja eigentlch nur um den Bürger geht. Und nur um den.

  • Es ist doch komplett vermessen, unsere Stadt in einem Atemzug zu nennen mit den großen europäische Metropole wie London, Paris, Berlin oder Wien.
    Sie hält auch keinem Vergleich stand mit den modernen skandinavische Städten wie Kopenhagen, Stockholm, Malmö – wie virtuos dort mit öffentlichen Raum umgegangen wird – von den italienischen oder holländischen Städten mal ganz zu schweigen.
    Wir konnten doch hier noch nicht mal lesen und schreiben, als sich in damals bedeutenden mittel-europäischen Städte wie Innsbruck, Augsburg, Nürnberg bereits wichtige Handelswege kreuzten.
    Im Grunde sind wir bis heute Bewohner einer verschnarchten Residenzstadt geblieben, mit einem immer noch agrarisch geprägten Hinterland, das erst nach und nach verkehrsmäßig erschlossen wird (S-Bahn zum Flughafen, Autobahn nach Lindau, demnächst Stuttgart).
    Jüngst stand ich morgens auf der Brücke am Westpark und atmete den Duft der großen Autostadt ein: Der mittlere Ring ist doch eine milliardenteure Versuchsspielzeug-Anlage für bayrische Automobilkonzerne, wo mit freundlicher Unterstützung der Politik hochmoderne Assistenzsysteme entwickelt werden, für ein Verkehrsmittel von gestern.
    Meine Gedanken schweifen dann in die Stadt, in der jedes 2. Auto ein roter Bus ist und wo es Hochhäuser im Stadtzentrum gibt – wie das berühmten Gherkin – die in ihrer Tiefgarage gerade mal 5 Parkplätze nachweisen müssen.
    Man geht so weit, unsere Stadt mit großen Hafenstädten zu vergleichen, aus denen Weltreiche erobert wurden. Städte wie Lissabon, Sevilla oder London.
    Von der Floßlände bis zu den Weltmeeren ist es ein ziemlich weiter Weg. Selbst die Donau ist noch so unendlich weit entfernt, dass schon die Isar-Flößer hier unfreiwillig Rast machen mussten.
    Andere dürfen stolz auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurückblicken, in Städten wie Mailand oder Rom.
    Wenn ich spätabends durch den Westpark flaniere – nochmal frisch geduscht – und im Traum Anita Ekberg aus dem Wasser steigen seh, von dunkelhaarigen Italienerinnen auf spärlich beleuchteten Vespa-Rollern träume, sehe ich nur noch vereinzelte Radfahrer vorbeirasen, vorzugsweise in Richtung Laim: Spießige Mittdreißiger mit…
    Ah, da kommt grad der von heute Nachmittag vorbei! Mit dem hatte ich mich am Königsplatz kurz unterhalten. Der faselte was von fehlenden Aufbau-Bäckereien, Food-Trucks und Jugendstil-Kiosken. Es fehlen die richtigen Typen, “It’s the people, stupid!” möchte ich ihm hinterherrufen, aber da ist er längst vorbei. Die nächtlichen Hügel des Westpark noch eine Zeit lang hell “erleuchtet” vom Strahl seines LED-Lichtes.

  • In vielen Punkten stimme ich dem Artikel zu. Rein objektiv gibt es viele Missstände, die vor allem von stadtplanerischer Seite her gelöst werden könnten. Nehmen wir alleine den Stau, der ist in der vergleichsweise kleinen Stadt tatsächlich omnipräsenter als in Shanghai oder Tokyo. Und wenn dann auch noch die allsommerlichen Baustellen kommen, steht wirklich alles still.

    Leider komme ich nicht umhin festzustellen, dass im Artikel das Spannende an einer Stadt vor allem konsumbezogen ist. Es werden Kneipen, hippe Restaurants, Alkohol erwähnt. Ich, für meinen Teil, finde Städte vor allem dann interessant, wenn sie auch etwas jenseits des Konsums zu bieten haben. Es gibt so viele schöne Optionen, öffentliche Räume in diversen Städten, wo man ohne den Geldbeutel zu zücken seinen Spaß haben kann. Das schließt, finde ich, gerade auch München mit ein und München profitiert dabei auch vom Umland, wo man vieles kostenlos unternehmen kann. Andere Städte sind vor allem durch Konsum geprägt und man muss sogar löhnen wenn man sich am Strand auf einen Stuhl setzen will, andernorts sogar auf den bloßen Sand.

    Ich bin erstaunt, dass ein seriöser Journalist allen Ernstes einen 10-Tage Trip nach New York mit 25 Jahren in München leben vergleicht.
    Ich selber habe in vielen Städten gelebt, darunter auch New York, Tokyo, Paris und Shanghai. Jede Stadt, auch wirklich jede, hat ihre Marotten, und die zeigen sich spätestens nach zwei Jahren. Wie ein anderen Kommentar bereits andeutete, in London rennen deswegen alle Anzugträger um 18 Uhr in die Pubs, weil ab Mitternacht die Gehwege hochgeklappt werden. Porto, wie Sie schreiben, mag aus Deutscher Perspektive toll sein, weil man so günstig essen und ausgehen kann. Aber mit einem portugiesischen Gehalt sieht die Geschichte wieder anders aus. Als Tourist fällt es leicht alles mit rosaroter Brille zu sehen. Allein schon, dass man keinerlei Verpflichtungen hat, keinen Termindruck, keine Arbeit, verzerrt den Eindruck ungemein. Ich fand LA ganz nett, nette Atmosphäre, aber im Grunde einfach eine riesige Ansammlung von Einfamilienhäusern und 15 Wolkenkratzer. Kaum ist man dann aber mal beruflich dort, verwandelt sich der 2-stündige Stau, den man im Urlaub noch im Cabrio mit Musik sitzend hingenommen hat in einen täglichen Frust, der mit jedem Tag mehr den Wunsch aufkommen lässt, Helikopterflüge wären erschwinglicher.

    So verhält es sich auch bei einer meiner Lieblingsstädte New York. In Manhattan sind die Einbahnstraßen unerträglich verstopft und Parkplätze unverschämt teuer. In Chinatown mal kurz parken? Wenn man Pech hat und auf der Straße nichts frei ist (wie immer) zahlt man gerne $17 für eine halbe Stunde. Aber gut, in New York ist man eh besser zu Fuß oder, wenns sein muss, in der ewig ausfallenden und verspäteten U-Bahn unterweg. Letztere ist als Tourist sicherlich charmant, aber tagtäglich sich mit ausfallenden und verspäteten und vollgestopften U-Bahnen auseinandersetzen zu müssen, die man auch nur deswegen benötigt, weil die Mieten in Büronähe unerschwinglich sind, und man selbst dann noch keinesfalls deutschen Baurichtlinien entsprechende Wohnungen erhält, wird nach spätestens zwei Jahren langweilig. Und wo Sie doch von den ach-so überfüllten müchener Restaurants schrieben: Sie waren anscheinend noch nie wirklich in New York, London oder Tokyo. Da geht bei guten Restaurants abends ohne Reservierung nichts. Vor simplen Burgerläden in NYC stehen zum Teil zwei Stunden lang Menschen an! In Tokyo ist es so üblich, vor Restaurants anzustehen (das hatte mich sehr verwundert als ich ankam), dass es sogar vorm Restaurant einen Wartebereich mit Stühlen gibt. Immerhin, typisch japanische Servicequalität, werden im Wartebereich auch Getränke serviert.

    Und wo Sie von Rom sprachen… Ich kenne mittlerweile mehr als genug Römer, die vor Rom geflohen und deswegen nach Deutschland (auch München) gezogen sind. Denn Rom ist jenseits der Touristenperspektive auch alles andere als romantisch und historisch, sondern einfach eine weitere staugeplagte, stressige Stadt mit Kriminalitätsproblem.

    Ich finde das „Problem“ hier ist tatsächlich weniger München, sondern die gesamtdeutsche Mentalität. Ich beobachte immerwieder wie Landsmänner und -frauen ins Ausland reisen, in Lissabon den mittäglichen Kirschschnaps bewundern, jedoch in der Sekunde in der sie wieder deutschen Boden betreten über die mit Bier in der Hand im Park sitzenden Jugendlichen maulen. In Barcelona über das Nachtleben schwärmen, in der Heimat bei Musik nach 22 Uhr die Polizei rufen. Letzteres hab ich im übrigens ausgerechnet in Berlin mehrere Male beobachtet.
    Amüsant, aber dann auch wieder nicht amüsant, finde ich auch wenn Touristen (nicht nur deutsche) am Reiseziel bewundern wie marode eine Stadt doch ist. Z.B. weil die Gebäude nicht picobello restauriert sind. Teilweise sind dann die Dächer nicht absolut dicht und bei Regen tropft es etwas rein. Als Tourist findet man das exotisch, toll. Aber kaum zurück in der Heimat würde keiner jener Touristen selbst in so einer Wohnung leben wollen. Diese Doppelmoral ist einfach krank.

  • Der Artikel ist gut geschrieben und trifft sicherlich auf die Entwicklung in München zu. Dort wo es besonders viel Geld gibt, verschiebt sich immer mehr die Wertvorstellung und Moral der Menschen. Sozialer Bau etc. sind Themen, die in München wahrscheinlich nie mehr Einlass bekommen werden. Denn wenn man Geld machen kann, dann sinkt recht schnell die Nächstenliebe und die reale Vorstellung von einer mehrköpfigen Familie ohne Topverdiener. Kann man es jedoch den Menschen vorwerfen? Ja klar, aber andererseits, ich bin nicht in der komfortablen Situation ein Mietshaus geerbt zu haben und nun über den Marktwert, die Wertsteigerung und die entstehenden Kosten zu diskutieren. Keine Ahnung, ob ich dann wirklich siebenköpfige Familien zu Hartz IV Mietpreisvorstellungen einziehen lassen würde.
    Bist du dir da so sicher?!
    Meine letzten Besuche in Berlin, haben mich auch auf der Rückfahrt nach München etwas deprimiert gemacht, denn ich wusste, dass nun dieser pulsierende Rhythmus vorbei ist, sobald ich am Hbf aussteigen werde bzw. sich alleine der Zug leert und füllt mit… vielleicht mit etwas Trostlosigkeit. Die dominierenden Farben sind dann wieder grau, dunkelblau, schwarz und beige. Aber in Berlin fasziniert mich allein die Tatsache, dass ich mehr Englisch sprechen kann als deutsch, denn die Stadt lebt von den vielen Zugezogenen aus aller Welt. Mit ihren Farben, Kulturen, Gerüchen, Geschmäckern, Temperamenten etc. Das gibt es alles in München nicht. Vielleicht besagt ja der Spruch “ Mia san Mia“, dass man halt auch gern unter sich bleibt und pardon an alle Deutschen, aber die lustigsten Gesellen sind wir nun mal nicht. Den Feuer im Hintern bekommt man hier genetisch auch nicht serviert, sondern eher Attribute wie Fleiß, Genauigkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Ordnung
    fallen mir als typisches deutsches Merkmal ein.
    Ich merke schon beim Schreiben, diese Diskussion ist schwierig und hier und jetzt nicht zu lösen. Aber der Ansatz, die Stadtkulisse anzugreifen leider zu einfach!

  • Danke für diesen (G)Rant.
    Das kann ich alles unterschreiben.°!

  • Hallo Herr Scharnigg, viele ihrer Kritikpunkte treffen durchaus zu, aber nicht für die ganze Stadt. Ich bin – 14 Jahre nach dem Umzug – selbst noch überrascht, wie gerne ich in meinem Viertel Nordhaide (formerly known as Panzerwiese) wohne. Hier hat man das Naturschutzgebiet vor dem Wohnzimmerfenster und die U-Bahn direkt vor der Tür. Mit dem Fahrrad 9 km bis zur Arbeit am Odeonsplatz, die ersten 5 km bis zur Clemensstraße ein Radweg komplett durchs Grüne! Ein praktisches Einkaufszentrum ist direkt im Viertel, nur die Gastronomieauswahl könnte besser sein. Es gibt gute Schulen, getestet von unseren beiden Kindern. Grünanlagen durchziehen das Viertel, und die Stadt hat mit dieser Anlage ein Kunstwerk geschafft: Die Plätze und Wege werden von der Bevölkerung angenommen! Sobald die Temperaturen im Frühjahr wärmer werden, herrscht Leben auf den Plätzen und Wegen. Nicht Touristen wie in der Innenstadt, sondern Bewohner – das fühlt sich an wie in Italien auf dem Corso! Und das sogar ohne laute Autos und Abgase weil verkehrsberuhigt. Aber: Die Lebendigkeit kommt wahrscheinlich gerade daher, dass die Münchner hier in der Minderheit sind – welcher echte Münchner geht schon raus auf den Corso, wenn er nicht selbst auf Urlaubsreise ist? Und wer wohnt schon gerne gleich neben dem Hasenbergl? Die Mehrheit hier kommt nicht aus Bayern, sondern aus der Gegend von Zagreb, Izmir, Dresden, Reggio Calabria, Hanoi, Lagos oder vielleicht auch aus einer der Städte, die Sie besucht haben. Ich freue mich, dass die Welt zu uns in den Münchner Norden gekommen ist – wäre ja nicht auszuhalten alleine unter lauter Oberbayern… Schöne Grüße, Marion

  • Lieber Herr Scharnigg,
    wie gut ich Sie verstehe. Das Schlimme sind nicht die Schwächen der Stadt, sondern dieses „mia san mia“. Andere Städte, zumal in anderen Ländern, haben Probleme und Scheußlichkeiten genug zu bieten, aber sie sind wenigstens nicht auch noch stolz darauf. Und das gilt nicht nur für viele Münchner, sondern auch für Menschen, die in viel kleineren, hässlicheren, lebloseren, kulturloseren Orten ihr Dasein fristen.
    Vorschlag: reisen Sie doch zur Abwechslung z.B. mal nach Bremerhaven! Ich garantiere Ihnen, danach brausen Sie mit 200 km / h zurück nach München und können es kaum erwarten, wieder hier zu sein… :-)

  • …was für ein schöner Text! Den könnte ich ja glatt unterschreiben, so spricht er mir aus dem Herzen…

    Es grüßt aus Berlin die ehemalige Nachbarin aus dem dritten Stock

  • Ach, irgendwie: So is‘.
    Schon lang, sehr lang habe ich ein unbestimmten Unbehagen, wenn ich heim komm‘. Unbehagen, gefühltes Unglück. Nicht Grant, dazu reicht’s nicht. Wahrscheinlich muss einer halt viel rumkommen, Vergleichsmöglichkeiten finden, um diese Stadt, die mit ihrem Herzen wirbt, so trostlos oder wenigstens als auf dem Weg in die Trostlosigkeit ein gutes Stück vorangekommen zu erleben. Ich bin eigentlich in München daheim, auf der Schwanthaler Höh‘, aber schon seit mehr als fünfzig Jahren weg, in Norddeutschland. Aber ich fahre immer wieder hin: die Familie. Die Mama ist halt immer noch da. Weil ich nun aber regelmäßig – in größeren Abständen – nach München komme, beobachte ich betrübt den Verlust dessen, was das „Millionendorf“ ausgemacht hat. Trotz Großstadt waren zumindest die Stadtviertel, nun ja, dörflich geblieben. Tante Emma, bürgerliche Wirtschaften, Schankstüberl, Kioske, Biergärten mit bayrischem Angebot und nicht mit Gourmetküche, d’Wiesn war noch eine Grünfläche, die Bierkeller oberhalb des Bavariarings mussten erst später den kalten, grauen Betonriesen des Konsums weichen. Wie’s an so vielen Stellen zu beobachten ist. Pasing? Ziemlich seelenlos spießig, protzig. Pasingarkaden, die überall auf der Welt stehen können. Ja, ein paar Münchner Ecken, wo es vertraut münchnerisch zugeht, gibt es schon noch, die nicht ganz so „hippen“ Biergärten, auch am Wiener Platz noch ein bisschen Urbanes im positiven Sinn… „Mia san mia“ ist nicht München, widerspricht dem Herzlichen, das die Stadt ausgezeichnet hat, und der Grant, ja der gehörte mit dazu. Das Protzige jedoch nicht, das der Mia-san-mia-Millionärsverein wie eine Monstranz hochhält.
    Sie haben es viel treffender beschrieben, Herr Scharnigg, als ich das kann, aber mir hat es gut getan, dass es mal so treffend formuliert wird.
    Dankschön.

  • Der Text ist gut. Die große Liebe hat Konkurrenz bekommen. Dann scheppert’s halt.

  •   Wurzelstock
    Mai 9th, 2017 um 10:32

    zumindest ein bemerkenswerter Artikel, der in sei-ner Ueberzeichnung viel Wahres enthaelt; ich bin in Muenchen aufgewachsen, lebe jedoch seit langem auch in einem suedlichen Ausland, von dessen Staedten aus seiner Zeit die klassizistischen Ele- mente nach Muenchen kopiert wurden; wenn ich im Hochsommer am fruehen Morgen z.B. vom Marienplatz aus in Richtung Odeonsplatz spazieren gehe und sich der Blick hinter der Feldherrenhalle in Richtung Ludwigs-/Leopoldtstrasse bzw. in Richtung Hofgarten oeffnet, dann muten mich die architektonischen Gegebenheiten schon etwas mediterran an, es gibt auch noch viele andere schoene Plaetze in Muenchen;

    Muenchen ist Regierungssitz, „Gymnasium“, „Uni-
    versitaet“ und verfuegt uber eine exzellente medi-zinische Versorgung; im Sueden Muenchens wohnen die meisten Millionaere Deutschland – dies sind halt auch Tatsachen;

    im Laufe der Jahre sind mir zwei Elemente aufgefallen, die ich als etwas negativ empfinde: wenn man z.B. morgens am Marienplatz auf die U-Bahn wartet, dann stehen die Menschen mehr oder minder mit dem Gesicht in eine Richtung, stumm und v.a. sauernst; in anderen Laendern, in denen die Menschen auf ihre Transportmittel warten und lange nicht diese berufliche Sicherheit wie in Muenchen haben, ist dagegen fast Marktstim-mung; hierbei scheint in Muenchen auch eine gewisse solipzistische (also ich-bezogene) Einstellung zum Tragen zu kommen: ich bin…, aber wer bist Du eigentlich? hierbei koennte eine Rolle spielen, dass in unserem Land der Wert eher ueber den Beruf und materielle Werte definiert wird als ueber den Wert des Menschen als sich;
    eine zweite Komponente ist die Nuechternheit der Bebauung und die monumentale Praesenz der Re-gierung von Oberbayern an drei Hauptachsen: Vorschlag: in der Ludwigsstrasse Baeume pflanzen, dass Innenministerium an einen andern Ort verlagern und zumindest dieses Gebaeude fuer die Bevoelkerung nutzen: Einkaufen/ Buchhandlung, Gastronomie, Bar, im Freien Sitzen, Oeffnungszeiten bis in fruehen Morgenstunden; ebenso sollten am Odenosplatz das Amerikanische Cafe und v.a. die Autohandlung verlagert werden: dann koennte man dort z.B. eine schoene, grosse italienische Eisdiele einrichten, mit Preisen fuer Normalsterbliche… (?)

  •   Slikkenberg
    Mai 9th, 2017 um 10:44

    Ähnliches aus Berlin:
    http://www.berliner-zeitung.de/kultur/leo—gutsch-hipster-orgasmen-am-hostel-strich-26851752

  • Dieser Artikel hat mich ins Grübeln gebracht… Ich stimme allem zu nur mag ich München trotzdem immer noch. Warum?
    Darüber habe ich hier geschrieben:
    http://deutsch.dekoversum.blog/2017/05/munchen-i-mog-di.html

  • Hallo Max und alle anderen,

    finde deinen Text super, spricht mir aus dem Herzen. Lebe seit 10 Jahren (mit Pausen) in München. Ich würde nach so einem tollen Text, gerne etwas Praktisches, Handfestes tun: Wie wäre es, 1000 oder 5000 Leute zu mobilisieren, die jeweils mit ein bißchen Brotzeit (privat finanziert ;-) und ihrem Fahrrad durch den Englischen Garten fahren? Um die „Kosten“ wieder reinzuholen, kann jeder seine Brotzeit für einen symbolischen Euro (oder ein paar symbolische Euro) verkaufen. Ein „Brotzeitfahrrad-Anti-Bürokraten-Deppen-Falshmob“ quasi. Da möchte ich das Ordnungsamt, oder die Polizeit sehen, wenn mehrere tausend Münchner plötzlich einfach zu leben anfangen.
    Denn eins muss zu deinem Text gesagt werden: Die Deutschen im allgemeinen sind ja eher ein passives Volk. Die Münchner mit der bayrischen Gemütlichkeit vielleicht noch mehr. Jammern kann jeder, etwas tun, das sollen die anderen.

    Wer mitmachen will, kann sich ja bei mir melden: buchwurm84@gmail.com Wenn was draus wird, halten wir das mit einem kleinen Video fest und stürmen damit anschließend das Bürgermeisterbüro und wollen mal wissen, was all diese leblosen Flächen Münchens mit samt ihren Verboten eigentlich sollen :-)

    Dad mi gfrei´n wenn do wo ganga dad. Auffe gehts!

  • Manchmal beschleicht einen das Gefühl, dass in München das Gefühl der Inferiorität genetisch bedingt ist. München sei teuer, langweilig und spießig. So wird es zumindest nachgeplappert.
    Dass München irrsinnig teuer ist, stimmt leider.
    Im Vergleich zu Berlin, dass im Vergleich geradezu lächerlich billig ist.
    Eine kleine Fläche, in der 1,5 Millionen zusammengepfercht sind. Auch im Vergleich zu anderen Städten extrem eng. Anders als in Berlin, dass durch Wiesen, Wälder und Felder aufgelockert wird.
    München ist nicht so langweilig wie immer gesagt wird und Berlin oder Hamburg sind bei weitem nicht so aufregend wie immer getan wird. Allerdings loben dort die Einwohner ihre öden Städte über den grünen Klee.
    Ich habe mich auch schon in Hamburg, Berlin oder Köln entsetzlich gelangweilt.
    Manche Stadtbeschreibung wirkt, als sei sie 1:1 vom Reiseführer abgeschrieben.
    Woher kommt bloß Ihr Minderwertigkeitskomplex?

  • Ich kann dem artikel nur zustimmen. Habe vier jahre selbst in münchen gelebt und natürlich kann man es sich immer irgendwie zurechtlegen und denkt sich wenn man länger woanders wohnt wirds auch nicht bessersein… Ich wohne seid nunmehr vier jahren in wien und muss sagen, dass das einfach nicht stimmt. Auch im alltag nach ein paar jahren, wien ist einfach lockerer und gemütlicher.
    Zur verteidigung von münchen kann ich nur sagen, dass dort halt auch viele wohnen die es so haben wollen. Alles ordentlich geregelt, sauber, nachts bloß kein lärm, etc. für diese ist münchen natürlich die ideale stadt. Für mich im nachhinein betrachtet wars jedenfalls nichts.
    Und natürlich wird hier der herr scharnigg kein neutralen objektiven artikel schreiben. Von diesen streicheleien gibt es ja wie er anfangs erwähnt bereits ausreichend. Bleibt nur zu hoffen dass die münchner den artikel als nett gemeinten seitenhieb verstehen. Sowas dient ja hauptsächlich inspiration zur verbesserung.

  • Von München wird zu viel erwartet. München wächst an Einwohnern, aber (groß)-städtebaulich stagniert sie seit 90 Jahren, seit der Siedlung Neuhausen. Danach (Parkstadt Bogenhausen, Neuperlach, Riem, Freiham etc.) nur noch suburbane Bebauungsstrukturen. Geht mal vom Prinzregentenplatz 10 Minuten nach Osten, da ist man schnell im Niemandsland. Welchen Grund gibt es nach Waldtrudering oder Waldperlach oder Obermenzing oder [xxx] – alles sauteure Viertel – zu fahren, wenn man nicht dort wohnt? Hie kann kein urbanes, großstädtisches Leben entstehen. Und die paar Hochhäuser, die man sich getraut hat zu genehmigen, stehen alle ohne Bezug zueinander oder sind viel zu niedrig („Friends“ am Hirschgarten). Kein Wunder, dass die Altbauwohnung in München der Goldstandard ist. Solange Themen wie der Bierpreis auf der Wiesn die Schlagzeilen beherrschen, wird sich auch nicht viel ändern.

  • An alle, die auf den Blog geantwortet haben. Freude am Leben liegt an Dir, und die kannst du überall finden. Städte und alles was damit in Verbindung steht, sind häufig schönes Beiwerk und dem Auge etwas anbieten. Aber sind es denn nicht die Bewohner und damit auch die sozialen Kontakte, das Wichtigste? Für mich ja!
    Nach meinem Studium der freien Malerei im Rheinland folgten zwei Jahre Den Haag, drei großartige und aufregende Jahre in Paris, ein Jahr in Mailand – es folgte Hamburg mit zwei Jahren Schauspielschule, eine großartige Stadt. Und dann der Anruf eines Freundes ein extravagantes Restaurant mit Diskothek in der Maximilianstraße, gleich neben der alten Schumanns Bar zu gestalten. Meinem ehemaligen Kompagnon gehörten einige Bars und Restaurants in München, u. a. das ZOOZIE’Z am Baldeplatz, Lilians Affäre im Paulaner am Deutschen Museum, Noodels, Tresznjewski, Paris Bar usw.
    München hat mir außerordentlich gut gefallen. Museen, Theater – Dieter Dorn, August Everding – (Staatsoper), Biergärten, die Isar, das Umland, der Elisabeth Markt und meine obligatorischen Wienerle bei Frau Öttl, mit ihrer immer schief sitzenden grauen Perücke auf ihrem kleinen Kopf. Im braunen Einkochkessel simmerten still die Wienerle, bis Frau Öttl sie mit einem Holzlöffel rausfischte und liebevoll in eine aufgeschnittene Semmel legte. Das war mindestens zweimal pro Woche einer der vielen schönen Momente, die Auerdult, Radeln, u.v.m. Ich blieb ich noch ganze drei Jahre in München. Dann wurde mir fad. Die Bussibussi Gesellschaft langweilte mich – superficial people – halt!

    Spanien war das nächste Ziel. Mehr als 2 Jahrzehnte Spanien und nun wieder zurück an den Niederrhein, grad griabig iss’s hier. Viel erlebt, viel Fremdes kennengelernt, Sprachen gelernt und doch wieder zurück in die Heimat. In allen Ländern habe ich ebenso viele Verbote, Gebote, Beschränkungen, kleinkariertes Verhalten, Ablehnung, Kritik kennengelernt wie in München resp. Deutschland. Schönheit und Hässlichkeit liegen genauso nach beieinander wie Neid und Bewunderung. Aber, jeder hat auch die freie Wahl, wer Veränderung nicht mag oder Angst davor hat ……auch okay. Aber ich rufe allen zu, geht raus, für mindestens zwei Jahre und erlebt selbst, wie der Alltag in fremden Ländern ist. There are groans and grumpy people all over the world, where ever you are. Enjoy your life. Carpe Diem!

  •   EinMünchner
    Mai 10th, 2017 um 15:47

    Hallo zusammen,
    der Verfasser spricht mir aus der Seele.
    Selbst 1947 in Giesing geboren und die Stadt erst 2006 Richtung Niederbayern verlassend, kann ich alles gelesene unterschreiben.
    Aber glauben sie mir bitte eines, München war noch nie eine Weltstadt, was der Autor hier vermißt,
    war noch nie da und wurde auch von den Einwohnern, welche sich erst in den letzten 20 Jahren, wie beschrieben veränderten, nicht vermißt.
    München wurden im letzten Jahrhundert von der umliegenden Landbevölkerung geflutet. Seit 20 Jahren auch von der Landbevölkerung Restdeutschlands. Diese “ Zuwanderer“ halten München für den Nabel der Welt. Die wollen es genau so, denn sie kennen keine Millionenstadt wie beschrieben. Für die Daheimgebliebenen reicht bei einem Besuch die Besichtigung des Olympia Parks.
    Der Freund aus der Provinz wird jedenfalls staunen.
    München war und ist ein Millionendorf. Weltstadt mit Herz kann ich nicht mehr erkennen. Leider trägt auch dieses alljährliche Bierfest im September zum Untergang des München Gefühls bei.
    Ich jedenfalls bin nach dem Besuch meiner Kinder immer gerne auf der A92 Richtung Bayr. Wald unterwegs. München ade!

  •   Zeitgenosse
    Mai 10th, 2017 um 18:12

    So schaut’s aus, lieber Max Scharnigg. Auch wenn manches ungerecht erscheint – im Grunde passt’s.

    Natürlich ist ein Sommerabend im Biergarten nicht zu verachten und Rumsandeln im Englischen Garten. Aber was macht man im Winter in Minga?

    Ein bisschen weniger streberhafte Spießigkeit, mit der sich Bayern im Rest der Republik einen besonderen Ruf erarbeitet hat, etwas mehr Subkultur und Alternativszene – das wäre schon was für die Bayern-Metropole.

    Aber dafür müssten die Schleuser nicht Headhunter sondern Kulturagenten sein. Doch die verursachen nur Kosten – und haben auch noch Ansprüche.

    Das Unvollkommene, das Urbane, gute, bezahlbare Restaurants ohne meterlange Warteschlange, das Trendige, coolen und ziemlich gut funktionierenden ÖPNV, jeden Abend volles Kulturprogramm, mit der Halben durch die Stadt flanieren, befahrbare Wasserwege ohne Ende (statt Rinnsal namens Isar oder Eisbach) – das alles findet ihr, liebe Ex-Nachbarn in Mia-san-Mia-Stadt, wenn ihr auf der Autobahn nach Norden der weißen Aufschrift auf blauem Grund folgt: BERLIN.

  • Weltstadt mit Herz?
    Wundert mich, dass sich in den letzten 27 Jahren (seit ich aufgrund des Mietpreisniveaus und des für mich als Niederrheiner inkompatiblen Menschenschlags weggezogen bin) kaum etwas verändert hat. Damals, Ende der 80er war Münschen noch Nach-Boom-Town. FJS hatte den Agrarfreistaat zumindest ansatzweise zum deutschen Silicon Valley gemacht. Ich hatte vermutet, der zukunftsorientierte Aufwärtstrend in der saubersten aller deutschen Großstädte schreite fort. Ich war Wirtschaftsflüchtling und froh, in Neuperlach eine gute und gut bezahlte Arbeit zu finden. In München wurden für meine junge Familie wichtige Weichen fürs Leben gestellt. Wir haben uns in dreieinhalb Jahren fast alle Sehenswürdigkeiten Münchens und seines Umlands angetan, von Andechs über Geiselgasteig und KZ Dachau bis Zirkus Krone (außer dem FC Bayern – die Arroganzarena gab es damals noch nicht, Frötmannig war Mondlandschaft). Und ich war und bin dankbar für diese Lebenserfahrung, die mir München ermöglichte und die ich nicht missen möchte.
    ABER: ich bin noch in keiner anderen Stadt derer, die ich bereist habe, an zentralem Ort (Marienplatz) an einem Verkaufsstand angemosert worden, dass ich doch bitte nicht herkommen solle, wenn ich die Landessprache nicht verstehe. Seitdem ist für mich München die Weltstadt ohne Herz. Wobei ich seitdem auch anzweifle, dass München eine Weltstadt sein will.

  • Ein schöner Text. Erinnert mich stark an die Zeit, wo ich da gewohnt hab. Bin aber froh, dass ich die Isarpreissn wieder verlassen habe und wieder in die Heimat bin. Im Nachhinein hab ich die Stadt als gar nicht so schlimm empfunden.
    Aber wenn man das ganze hier so ließt, ja… genau so ist es und so war es und so wird es immer sein.

  • Großartig, wortgewaltig und leider wahr.

  • Finde den Text sehr gut. Ähnlich sehe ich meine Heimatstadt (in München geboren und aufgewachsen, mit 25 weggegangen) auch. Allerdings urteile ich heute etwas milder als früher. Das kommt vermutlich mit dem Alter. Du erwähnst in keiner Zeile Hamburg. Seit dreißig Jahren meine Wahlheimat. Und doch denke ich beim lesen; Genau! Deshalb lebst du hier und nicht da unten.

  • […] Grant. Oder: Keine Stadt, nirgends Der vielfach geteilte und diskutierte München-Rant von Max Scharnigg muss hier nochmal rein. Ich mag an dem Text zum einen, dass er sehr eloquent geschrieben ist, zum anderen zeigt er wirklich einige valide Punkte auf. München ist meistens sehr lebenswert, aber das heißt nicht, dass die Stadt und ihre Bewohner sich immer nur selbstzufrieden zurücklehnen und auf alles stolz sein müssen. Es gibt vieles, was besser ginge, vor allem in Sachen Urbanität. Ebenfalls lesenswert: die Replik von Marc Baumann beim SZ-Magazin. […]

  • Danke DANKE nochmals Danke

    Ich empfinde es ganz genauso. Mit jeder gelesen Zeile dachte ich, ja, ja ja verdammt genauso ist es!!! Ein geniale Beschreibung.

    Ich bin Münchnerin von Geburt und sehe mit Schaudern, wie sich diese Stadt verändert.

    Munich sucks – schad drum

  •   Harry Walfish
    Mai 18th, 2017 um 15:31

    … wie war, wie war. Ich habe mir den Beitrag mehrmals durchgelesen und ihn mir, wie man so schön sagt, „auf der Zunge zergehen lassen“. Und ich habe mir einige Fragen gestellt. Was macht eine Metropole aus? Wie authentisch kann eine Stadt sein? An was liegt es, das München so reich, aber doch so arm ist?
    Ich denke ein großer Puzzlestein ist das Geld. Wie jeder damit umgeht, privat, aus Sicht der Stadtväter und auch dort, wo man die Stadtgrenze überschreitet. Mit Geld kann man vieles bewegen, wenn es nur gewollt ist. Aber es geht auch viel kaputt dadurch. Genau das was der Autor beschreibt, die kleinen Momente und Sensationen, die einen staunen lassen in 24/365, die Kurzweil und Gemeinschaft erzeugen. Die werden hier allesamt glattgezogen, weggeplant und weggebaut. Und das Trauma entsteht nicht dadurch, dass es keine Ideen gibt. Nein, ich denke es existieren noch genug Menschen die etwas bewegen können und wollen. Nur die Krux ist, der frisch gemähte und sichtoptimal auf Höhe getrimmte Rasen hat einen anderen Wert in München als anderswo. Er hat so einen hohen Wert, dass so viele Verbote auf einem Schild prangern, das an der Rasenkante steh, dass man sich kaum traut, seinen Kindern einen Ball zum Spielen mit raus zu geben. Immer mit dem Damoklesschwert, dass ein SUV besitzender Mitmensch, der sich vom Stadtstau erholt, einem nicht gleich seinen Freund den RA auf den Hals schickt. Apropos SUV. Ist es wirklich noch zeitgemäß mit einer solchen riesigen Kiste bis in die Innenstadt zu fahren und sich einzubilden, auch noch dort zu parken. Ich denke nein. Und überhaupt, wer brauch heute noch so ein spritfressenden Straßen-Panzer, da könnte ich mich echt aufregen …
    >>cut<<
    Wir werden sehen wie sich München weiterentwickelt. Ich betrachte dies mit einer gewissen Skepsis, denn wie nun entschieden wurde gibt es eine 2. Stammstrecke (die übrigens an Ihren Enden ein Flaschenhals erzeugt). Ein Ring, wie viele ihn sich spontan wünschen, wenn sich die Leute über das Thema unterhalten, den gibt es nicht. Weder als Zusammenschluss am Flughafen, noch im Süden. Ich würde mal behaupten gesundes Geometriedenken wäre angesagt, Kreis vs. Bottleneck.
    Ach so da war noch was, spontan, genau … (spontaneus von spons „eigener Wille, Antrieb“).
    Zur Versöhnung: Liebes München, ich fahre so wahnsinnig gerne in und auf Dir mit dem Fahrrad. Weil Du einfach dafür gut gebaut bist. Danke
    Und auch Danke an den Menschen Scharnigg für den wahrhaftig tollen Text.

  •   Daniel Löw
    Mai 19th, 2017 um 00:09

    Was habt Ihr SZ’ler schön abgefeiert…in eurem luftigen Glaskasten!

    „Jetzt bin ich bei der Süddeutschen Zeitung, da fühle ich mich sowieso am wohlsten“
    Horst Seehofer, am 17. MAI 2017, in der Hultschiner Straße.

    Und ja, der Seehofer hat das sicher ernst gemeint, und weniger ironisch, weil er es halt auch ernst meint.

    Der Rest der Fotos (im Artikel…Artikel?) spricht sowieso für sich, resp. Bände – über die SZ an sich: Grinsende Anzugträger mit Schlips, aus der obersten Etage, dieses „luftigen Turms“, und ein paar ungewaschene Münchner Künstler obligatorisch daneben. Diese Anzugtypen aber, die kommen auf den Pics doch wirklich so dermaßen progressiv rüber, diese Mayr-geföhnten Nonkonformisten, da wird doch selbst der schlaffste Schlipsträger und die trockenste Möse ipso facto noch umgehen geil.

    Ich weiß, lieber Max Scharnigg, „Möse“ steht auf deinem Index.
    Egal, selbst Henry Miller wurde für das böse Mösenwort…
    Na, Du weißt schon.

  • genialer artikel!

  • […] Grant. Oder: Keine Stadt, nirgends eine München-Kritik, die sich gewaschen hat! „Du darfst nix. Keine Bank auf den Gehweg, keinen Stuhl auf die Grünfläche, keine Musik im Hinterhof, keinen Blumenkübel aufstellen, keine Lichterkette in die Bäume, kein Straßenflohmarkt, schon gar keinen Foodtruck. Versuch mal ein Brotzeitfahrrad für den Englischen Garten anzumelden, da gibst du auf.“ […]

  •   Daniel Löw
    Mai 23rd, 2017 um 22:43

    Fort!Fort!Fort!

    Ich wollt schon immer fort.
    Von hier nach dort.
    Und war ich endlich fort,
    im weit entfernten dort,
    wollt’ ich sogleich schon wieder fort.

    Dieses Scheißgedicht von mir ist so dermaßen scheiße, dass ich es euch unbedingt in eure Scheiß Iris schrauben muss.

  •   michael meer
    Mai 24th, 2017 um 12:40

    …klar, kann man sein Leben langweilig leben. Dann ist man sicherlich in München gut aufgehoben. Und München hat Viele davon, die genau so leben möchten und wollen. Dann passt das auch alles irgendwie. Alles ist so schön aufgeräumt. Nichts dem Zufall überlassen. Schön so. Alles en detail inszeniert. Bewundernswert, wie es die Marketing-Entrepreneure immer wieder schaffen diesen Klischee-Käse nach außen zu kommunizieren. Dafür Best Note. Das Verfallsdatum dieser Stadt ist abgelaufen. Ein Vergleich zu Paris, Barcelona…lächerlich. Diese Städte..mein Gott, da saugst du das Leben förmlich auf. Ja, liberal und anstrengend. Danke für die treffende Anamnese.

  •   Daniel Löw
    Mai 25th, 2017 um 22:40

    Nur 206 verfickte Beiträge…
    Da ist ja auf jedem tiefgefrorenen Kinderspielplatz nach 23:30 Uhr an Weihnachten in Oimjakon mehr los als hier.

  • Hallo Herr Scharnigg,

    hier ist ein Artikel, der Ihr aufgeworfenes Thema von einer anderen Seite beleuchtet. Ebenso lesenswert…

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article165154871/Der-asoziale-Wohnungsbau-geht-weiter.html

    Leo

  • Ich bin etwas beruhigt. Ich sehe das nicht alleine so. Das Neubauten vor der Stadt schon gleich mit Doppelgarage und Klimaanlage auf die Weise gestellt werden. Das die Generation „ich habe reserviert“ jetzt schon Plätze in einer Bar per Email reservieren lassen. Dann natürlich nicht kommen und die Bar halb voll ist.

    Dieser Artikel passt nicht nur auf München, der stimmt für so viele Städte und es werden ständig mehr.

    Man könnte weinen wenn man das Nachtleben in Deutschland sieht und dabei an Lissabon, London oder Paris denkt.
    Danke. ein Artikel wie aus meinem Herzen :-D

  • Ein Großteil von München ist arrogante CSU-verseuchte Dumpfbacke.
    Jammerschade für diese schöne Stadt.

  •   Daniel Löw
    Juli 2nd, 2017 um 00:29

    Kein Zitat
    So wie der Regen den Fluß benötigt, um ein Meer zu werden, benötigt der Mut den Mutigen, um Wahrheit zu werden.

  • Fabelhafte Tirade. Allerdings sehe ich hier einige, immer wieder kehrende, Themen: seelenlose Luxussanierungen und Gentrifikation – als ob dies Dinge wären, die es nur in München gibt!
    Viele gebürtige, mir bekannte, Pariser sind in den letzten Jahren von dort weggezogen. Alle anderen genannten Großstädte sind nochmal deutlich teurer als München und haben dabei nicht weniger Probleme. Da reißt es das kreative Hinterhofcafé auch nicht mehr raus.
    Den überbordenden Regulierungswahn, der jede Innovation im Keim zu ersticken droht, sehe ich als gesamtdeutsches Problem. Da sieht es hinter dem Weißwurstäquator nicht anders aus.

  • […] in the traffic jam. And everyone isolated for themselves.“ Wir wollen etwas von Scharniggs grantgewordener Münchenobservation in die Welt tragen. Wir klingen wie Werner […]

  • Die einzige Stadt,die ich kenne, wo Leute einen permanent anstarren, egal wo, schön das es auch anderen auffällt.. neurotisch, vielleicht liegt es am Katholischen? Amis würden sagen, „get a life man“..

    Das schlimme bei den Punkten die das KVR den Wirten und Cafés auf den boden malt ist BTW das das wirklich regelmäßig kontrolliert wird und der Betreiber dann Bussgelden zahlt wenn der Stuhl hinter dem Punkt steht… #keinspass

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